Chart of the Week

Der Weg zur schadstoffarmen Stadt?

Schlechte Luft, Schadstoffbelastung und ehrgeizige Klimaziele veranlassen nicht wenige Regierungen, über Maßnahmen für eine bessere Umwelt nachzudenken. Ob Paris, Mexiko-Stadt, Madrid oder Athen – im Jahr 2025 sollen hier keine Dieselfahrzeuge mehr unterwegs sein. Nach dem Pariser Abkommen vom Dezember 2015, das extrem ambitionierte Ziele setzt, finden immer mehr Debatten – aber bislang nur Debatten – statt, um fossile Brennstoffe zwischen 2025 und 2035 vollständig zu verbannen. Jetzt hat sich auch die Kiwi-Koalition in Baden-Württemberg mit einem ersten kleinen Mini-Schritt vorgewagt.

Zwar sollen Dieselfahrzeuge nicht vollkommen abgeschafft werden. Aber Anfang dieser Woche hat die Koalition beschlossen, bereits ab dem nächsten Jahr ein Fahrverbot in Stuttgart für diejenigen Dieselfahrzeuge zu verhängen, welche die höchste Abgasnorm Euro-6 nicht erfüllen, wenn Feinstaubalarm ausgelöst wird. Stuttgart ist eine viel geplagte Stadt, was die Schadstoffbelastung angeht. Im letzten Jahr gab es 59 Tage mit Feinstaubalarm und auch in diesem Jahr gab es alleine schon 30 Tage. Dabei ist das neue Jahr gerade einmal knapp zwei Monate alt.
 
Auf besonders viel Zustimmung stößt dieser Vorstoß nicht. Denn diejenigen Diesel-Pkw, die unter das Verbot fallen, sind zahlreich, wie unser Chart der Woche zeigt. In Stuttgart waren zum 1. Januar 2016 lediglich 21.266 Pkw (24 %) zugelassen, welche die Euro-6-Norm erfüllen. 76 % oder knapp 90.000 der derzeit zugelassenen Fahrzeuge dürften somit bei hoher Feinstaub-Belastung nicht oder nur in eingeschränktem Maße benutzt werden. Im Regierungsbezirk Stuttgart sind es sogar nur 13 % und für Deutschland sieht der Anteil an Euro-6-Pkw noch mauer aus: Hier fahren lediglich 11 %, welche die Euro-6-Norm erfüllen, 1,4 Millionen Pkw müssten dann bei einem deutschlandweiten Verbot in der Garage bleiben.

Dass diese Pläne nicht auf die größte Gegenliebe stoßen, erstaunt beim Blick auf die Zahlen nicht. Zwar bezieht sich das Diesel-Verbot erstmal nur auf ausgelösten Feinstaubalarm und nur auf Stuttgart. Das dem Automobilsektor jedoch ein großer Umbruch bevorsteht, wenn das Verbot auch deutschlandweit ausgerollt wird und was in Anbetracht der ehrgeizigen Klimaziele durchaus im Bereich des Möglichen liegt, steht außer Frage. Denn nicht nur Stuttgart weist eine hohe Feinstaubbelastung auf, in über 90 Städten werden die Grenzwerte für Feinstaub regelmäßig überschritten. Natürlich sind daran nicht alleine die Pkw schuld, doch das Auto einfach mal stehen zu lassen, geht eben einfacher als Ölheizungen zu verbieten oder den Schifffahrtsverkehr einzustellen.
 
Auch wenn Konsumenten und die Automobilbranche schimpfen, werden in naher Zukunft mit Blick auf die EU-Abgasnormen und die internationalen Klimaabkommen wohl noch mehr Verbote ausgesprochen werden. Profitieren könnten davon die derzeit noch geschmähten Elektro- und Hybrid-Pkw. Dann wird vielleicht doch einmal auf die Elektroprämie zurückgegriffen.

Autor: Carsten Brzeski