Chart of the Week

Wunsch und Wirklichkeit

Straßenbeläge, die schneller verschleißen, als man sie instand halten kann, Staus, dazu die unmittelbaren (Schadstoffe) und mittelbaren (Treibhauseffekt) Folgen der Emissionen von Verbrennungsmotoren: Aus verschiedenen Blickwinkeln kann man zu der Schlussfolgerung kommen, dass auf deutschen Straßen einfach zu viel los ist. Erklärtes Ziel deutscher Verkehrspolitik ist daher schon seit geraumer Zeit, die Menschen zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel anstelle privater Pkw zu bewegen und Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Wie so oft liegen auch hier Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander.

Denn zur Erreichung dieses Ziels müsste das Fahrgastaufkommen bei Bus & Bahn schneller wachsen als der motorisierte Individualverkehr; gleichzeitig müsste die auf der Schiene beförderte Gütermenge schneller steigen als die auf der Straße. Doch wie unser Chart der Woche zeigt, wurden diese Ziele während des zurückliegenden Jahrzehnts klar verfehlt. Das Wachstum im öffentlichen Personenverkehr kann gerade so mit dem motorisierten Individualverkehr mithalten. Beiden klar enteilt ist der noch weitaus umweltschädlichere Flugverkehr – trotz eines deutlichen Einbruchs im Zuge der Finanzkrise.

Auch die Fracht kommt nicht aufs Gleis

Gleiches gilt für den Güterverkehr. Die Auswirkungen der Finanzkrise sind hier verkehrsträgerübergreifend spürbar, wobei ausgerechnet die ökologisch vorteilhafte Beförderung per Schiene den stärksten Rückgang zu verzeichnen hatte. Zwar erholte sich der Schienenverkehr im Anschluss zunächst schneller als der Frachtverkehr auf der Straße, liegt mittlerweile jedoch sogar auf niedrigerem Niveau als 2011 und fiel wieder hinter den Straßentransport zurück. Auch hier ist es der Luftverkehr, der mit deutlichem Abstand das stärkste Wachstum im vergangenen Jahrzehnt zu verzeichnen hatte.

Die gesteckten Ziele wurden also klar verfehlt. Die beabsichtigte Verlagerung weg von motorisiertem Individualverkehr und Güterstraßenverkehr hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln und Schienentransport hat schlichtweg nicht stattgefunden. Vielleicht liegt hier der Grund dafür, dass die Bundesregierung so vehement ihre unrealistischen Ziele in Sachen Elektromobilität verteidigt – wenn man die Menschen schon nicht in Busse und Bahnen bekommt, sollen sie wenigstens emissionsarm fahren.


Fahrverbote als letztes Mittel?

Autor: Carsten Brzeski