Alles beim Alten?

„Und so bleibt 2019 (fast) alles wieder mal beim Alten“ meint Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING | 05.12.2018

© ING

Mit den Wirtschaftsprognosen für das nächste Jahr ist es immer mehr so wie mit dem Verkauf von Weihnachtsartikeln im Supermarkt: sie fangen immer früher an. Konnte man in der Vergangenheit noch ruhig bis in den Dezember warten, um die Ergebnisse kollektiven Glaskugellesens zu genießen, wird man mittlerweile schon Anfang November überspült von Ausblicken, Pessimismus und Optimismus. Die Ausblicke sagen dabei allerdings häufig mehr über die aktuelle Situation als über die Zukunft. Der Ausblick für 2019 macht da keine Ausnahme.

Die Unruhe und Unsicherheit über den zukünftigen Kurs der Weltwirtschaft wird sich nicht so schnell legen. Zu groß sind die negativen Risiken. Ob nun ein harter Brexit, der jedenfalls kurzfristig im zweiten Quartal zu Tumulten an Märkten und europäischer Wirtschaft führen könnte, eine Eskalation des Handelskrieges, geopolitische Spannungen und weitere Turbulenzen in Schwellenländern oder eine neue existentielle Eurokrise, ausgelöst durch die haushaltspolitischen Eskapaden Italiens oder schwächelnde Banken in einem oder mehreren Euroländern.

Keines dieser Themen wird sich über Nacht in Luft auflösen und selbst positive Entwicklungen können von notorischen Schwarzmalern immer wieder als ‚kurzfristig‘ und ‚nicht nachhaltig‘ beschrieben werden. Trotzdem gibt es einige Gründe, um (mindestens gemäßigt) positiv auf das Jahr 2019 zu schauen.

Allen Ängsten eines Abschwungs zum Trotz, es gibt kein ökonomisches Gesetz, dass Konjunkturaufschwünge an Altersschwäche sterben. Auch wenn der Aufschwung in den USA und auch in Deutschland etwas an Schwung verliert – der Anfang vom Ende sieht anders aus. Niedrige Arbeitslosigkeit, leichte Lohnzuwächse und im Falle Deutschlands ein schwacher Wechselkurs. Das sind schon einmal gute Grundvoraussetzungen für solides Wachstum. Hinzu kommen Investitionen, die in Deutschland und der Eurozone das „nächste große Ding“ werden könnten. Niedrige Zinsen, Digitalisierung und expansive Haushaltspolitik geben Anlass für Optimismus.

Auch die großen „externen“ Risiken könnten durchaus bleiben, was sie sind: Risiken, aber keine Tatsachen. Eine Entspannung des Handelskonflikts gibt es seit dem G20-Treffen jetzt schon unter dem Weihnachtsbaum. Eine Verlängerung der Brexit-Saga, entweder mit längerer Übergangsfrist oder Neuwahlen und Referendum in Großbritannien, scheint immer noch wahrscheinlicher als ein harter Brexit im April. Viele Schwellenländer könnten vom Fall ihrer Währungen im Jahr 2019 mit stärkeren Exporten profitieren und in der Eurozone ist „durchwurschteln“ mit leicht positiven Akzenten wie weiteren Euro-Reformen ein nicht unwahrscheinliches Szenario. 

Vor dem Hintergrund einer Weltwirtschaft, die sich nächstes Jahr eher horizontal bewegen wird, sollte sich auch die Zinswende weiterhin sehr moderat gestalten. In den USA sollte die Fed spätestens im Frühsommer 2019 die Zinsnormalisierung beendet haben und in der Eurozone könnte es zeitlich eng werden für Mario Draghi, um nicht als erster EZB Präsident, der niemals die Zinsen erhöhte, in die Geschichte einzugehen.

Und so bleibt 2019 (fast) alles wieder mal beim Alten: der ganz normale Wahnsinn von Risiken, Unsicherheiten und Volatilität, unter dem sich eigentlich eine solide Wirtschaftsentwicklung versteckt. Nur die Jahresausblicke 2020 kommen noch ein paar Wochen lang. Dann mal hoffen, dass sie nicht so pappig und alt schmecken, wenn das neue Jahr losgeht wie die Lebkuchen, die man zu Weihnachten essen möchte, aber schon im September im Laden gekauft hat. 

Autor: Carsten Brzeski


Ihre Meinung

Kommentare (19)


Kommentare

Jana

11.01.2019

@Helmut
Und wie verliert man sein Geld, dass man nicht in Aktien anlegt?

Jedes Jahr verliert man nahezu 2% wegen der Inflation (Kaufkraft).

Es gibt keine Geldanlage, Vermögensaufbau ohne mögliche Verluste.
Bei Aktien überwiegen die Gewinne - DU DARFST NIE VERGESSEN, während der Anlage bekommst du Dividende. Dann Kursgewinn oder Kursverlust und je nach Aktie oder Haltedauer machst du insgesamt Gewinn oder Verlust (inkl. der Kauf- / Verkaufgebühren).

Jede Investmentanlage die du noch nicht verkauft hast, hat nur einen BUCHgewinn bzw. BUCHverlust. Reelen Verlust hast du erst bei Glattstellung der Anlage.

Also erst mal mit Geldanlage beschäftigten bzw. der Wirtschaft, gell mein lieber Helmut.


Dieter Marchsteiner

10.01.2019

Mich ärgert am meisten die Vorabbesteuerung von Fonds denn das geht auf Kosten der Rendite ! Da predigen diese Vollholler in Berlin man soll selbst vorsorgen und dann wird so eine Aktion gestartet bei der man der blöde ist weil ein Staat den Hals nich voll genug kriegen kann.Ich verstehe nicht das die Fondsgesellschaften keine Klage einreichen um das vom Verfassungsgericht überprüfen zu lassen.


Johannes

10.01.2019

@Helmut
Du pessimist...du vergisst die saftigen Dividenden. Wo bekommst du sonst so viel Rendite?

Du darfst halt nicht nur in DAX Werte anlegen...jeder vergisst die Nebenwerte.
Meine DAX Werte sind im Minus, aber Mensch & Maschine, Allgeier, Alstria, etc. sind im Plus....
Man muss halt regelmäßig immer was anlegen...ich habe klein angefangen....10 Positionen je 250 bis 300 Euro angelegt oder Sparplan und dann bis auf 500 erhöht, usw. bis max. 2.000 Euro pro Position.
Und gut in den Branchen verteilen.....
Keine Techaktien wie Apple, Facebook, etc. die stürzen nur ab.....
Und nichts was ständig voll im Vordergrund steht, das kauft jeder und bei Gewinn verkaufen dann die wieder...

Und auf jeden Fall investieren und nicht zocken!!!!
Investieren heißt bei Aktien hoch und tief aussitzen und 5 bis 10 Jahre, besser länger anlegen.

Wo anlegen?
Firmen die mit Konsum zu tun haben....die gehen immer...wenn sie fallen, dann gleich nachkaufen!
Also mein Depot hat derzeit 8 Positionen, 4 im plus, 4 im Minus und ein Gesamtgewinn von derzeit 2.300 Euro.

DAX nehme ich nur als Richtwert und die zurückliegende Chartkurve....alles fällt mal wieder runter....dort wo es sich am öftersten trifft (Kurswerte der Vergangenheit) - kaufen und halten!!!
Geht dann wieder hoch.......


Helmut

09.01.2019

Und die uns alle bewegende Frage:
"Wie kommt man an der Börse zu einem kleinen Vermägen?"
Antwort: " Indem man ein großes in Aktien anlegt........"
Viel Erfolg.


Frank

09.01.2019

Zinsen werden demnächst nicht steigen. Legt lieber bei der ING in selbstausgesuchte Aktien an.
Ich habe wegen der neuen Fondsvorabsteuerpauschale meine Fonds rausgeworfen, einen mit Gewinn und einen mit Verlust (waren eigentlich für die Zukunft - Cybersicherheit etc. und Robotik etc.) und kaum hatte ich in Aktien angelegt, habe ich einen Tag später schon einiges an Gewinn (sprich Gebühren sind auch schon eingerechnet - bezahlt).
Am besten wenn alle Verkaufen, der Index fällt, Aktien kaufen...aber nicht nur vom DAX, denkt auch an MDAX, TECDAX etc.
Und immer gut durchmischen...deutsche Aktien, ein paar amerikanische und wie wäre es mit französischen, österreichischen und niederländischen Aktien?
Also damit fahre ich ganz gut.


Karl

08.01.2019

@Henry

Das mit dem Immobilien Crowdfunding ist interessant und die Frage stellt sich, warum die ING da nicht selber auch was macht.
ING vergibt doch auch Kredite, da müssten doch die Fachleute schon vorhanden sein.
Außerdem verändert sich das Bankgewerbe doch dramatisch. Banken geraten immer weiter in den Hintergrund - angeblich kommen jetzt die FinTechs.
Also ING - warum macht ihr da nichts selber?
Ihr habt doch schon Partner mit ComputerDepots, Bausparen, Versicherungen etc.
Da dürfte doch Crowdinvesting kein Problem darstellen oder?


Jonas

08.01.2019

Es wird auf lange lange Zeit keine Zinswende kommen.
Man kann sein Geld nur noch in Aktien und Crowdinvest - beides mit möglichen Totalverlust anlegen.
Aber sonst bekommt man auch nirgends mehr Zinsen.
Wer gar nichts macht, verliert garantiert jährlich an die 2% (Inflation) seines Geldwertes.


Praktiker

04.01.2019

Wie in der Politik viele Worte ohne klare Aussage


ING

04.01.2019

Hallo Henry, wir haben Ihren Kommentar bzw. Ihre Anregung zu Immobilien Crowdfunding an unsere Kollegen weitergeleitet. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Christian

04.01.2019

Von einem Chefvolkswirt erwarte ich keine Binsenweisheiten und auch kein Abschreiben bei anderen Prognosengebern. Ein Volkswirt sollte tiefer gehen und ein Chefvolkswirt erst recht. Und von einem Chefvolkswirt einer Bank erwarte ich nicht, dass mir zu Weihnachten die Seele gestreichelt wird, sondern es finanziell-klare Orientierung bietet und bei jeglicher Weltsituation nicht nur diese beschreibt, sondern auch primäre Handlungsoptionen (mindestens) skizziert.


Henry

04.01.2019

@ING Team

Warum unterstützt die ING nicht Crowdfunding Plattformen bzw. prüft solche und deren Angebote und "vermittelt"?

Bei Immobilien Crowdfunding kann man derzeit 4 bis 8 Prozent machen, klar sind es Nachrangdarlehen, was bedeutet, dass man Verlust einfahren kann - also Totalverlust.

Bisher hat mein Crowdfunding Anbieter 11 Projekte und 4 zurück gezahlt. Ich habe dort 4 Projekte geprüft und es heißt, dass die Projekte geprüft werden und dann erst mal von der Bafin genehmigt werden.
Ein Projekt wurde normal zurück gezahlt, ein Projekt wurde vorzeitig mit voller Verzinsung zurück gezahlt, ein weiteres läuft noch und eines ist seit gestern neu...war mit AA bewertet, ca. 1,3 Mio. und die waren innerhalb von ca. 25 Min. voll finanziert ohne Finanzierung des Anbieters. Zeitdauer der Anlagemöglichkeit wären eigentlich 45 Tage gewesen.

Gibt es für die ING keine Möglichkeit so etwas an zu bieten oder eine Partnerschaft einzugehen?
Mit Scalable, der Computergestützten Depotanlage (mit zu hohem Eintrittsvermögen) habt ihr es ja auch gemacht.
Abgesehen davon, ist mir Computergestützte Depotanlage suspekt.

Man soll doch nur das anlegen bzw. dort, dass man auch versteht.
Selber Aktien anlegen ist bei ING sehr transparent - SUPER!!!
Und auch das Immobilien Crowdfunding ist sehr transparent. Man legt an, weiß zu welchem Zins und wie lange und das wie bei Aktien ein Totalverlust besteht.

Einfacher geht es doch gar nicht oder? Einfach anlegen oder nicht anlegen und Kurs steigt, Kurs fällt, Dividende oder auch nicht - dazu Totalverlust. Bei Crowdfunding gibt es nur festen Zins, feste Laufzeit evtl. etwas dehnbar und Totalverlust.
Leichter kann man doch nicht anlegen oder?


Jurisic

03.01.2019

Danke für diesen Schönen Artikel


Alper Guel

01.01.2019

Natürlich ist die Aussage von Herrn Brzeski absolut richtig. Die Situation am Gesamtmarkt wird sich dadurch nicht ändern. Jedoch erwarte ich im Segment Geldanlage mehr an Zinsen und die Banken sollten den Kunden Angebote erstellen die, die aktuelle Inflation abdeckt und das Risikofrei. Nur ist die aktuelle Inflation nicht bei ca. 2,9% wie vorgegeben, sondern deutlich höher, da die Energiekosten und die gesamten Lebenskosten die wir nicht nur für Mehl, Wasser Reis usw. benötigen gestiegen sind. Die Inflation laut EZB ist deutlich höher ausgefallen, siehe Einkauf im Supermarkt. Dann reden wir von Inflationsrate um die 10% und nicht die angegeben 3%. Der Lebensstandart ist bei allen gestiegen in der Bevölkerung, da wir heute deutlich mehr an Kosten als noch im Jahr 1980 hatten. Nehmen wir ein Beispiel: Internetkosten, Smartphonekosten sowie PC´s und Rechner. Die heute fast in jedem Haushalt standard geworden sind. Trotzdessen wünsche ich allen ein gutes Neues Jahr!


Anny

31.12.2018

Meine Aktienprognose für die Zukunft: Nichts verkaufen, weil der Verlust offenbar ist. Also halten und hoffen, hoffen und hoffen.
Meine jahrzehntelangen Erfahrungen haben mir gezeigt, dass man am Aktienmarkt nur verlieren kann wenn man nicht schnell ist (kaufen und gleich verkaufen).


Jan

27.12.2018

Die Zinsen bleiben sicherlich noch das ein oder andere Jahr unten. Allerdings denke ich das die Besten langfristigen Anlagen immer noch Aktien sind. Fonds kann man vergessen, da die bei "Gewinnen" immer gleich die neue Fonds Vorsteuer abziehen. Und wenn ich Jahre lang nicht verkaufe, geht dies zu Lasten meiner Fondsanteile...gut vielleicht wird das bei der Steuer irgendwie und irgendwo gelagert, bis ich mal was verkaufe und das wird von der Gewinnsteuer dann abgezogen. Und wenn ich aber im Notfall immer mit Verlust verkaufe? Dann häufe ich Verluste an, die ich niemals gut geschrieben bekomme. Ich habe immer noch an die 2.000 Euro Verluste bei der Steuer rum liegen, welche ich nicht anrechnen kann, da diese nur mit der und der Form verrechnet werden können.
Was soll der Sch***? Da sieht man wie der Staat uns für blöd verkauft und ausnimmt.
Ich werde so lange die Aktien Verluste und Gewinne gleich verrechnet werden nur diese Anlage machen...was anderes gibt es nicht mehr. Außer Crowd Investment in Immobilien zur Zeit...so lange, bis sich der Immobilienmarkt wieder dreht. Aber da vertraue ich zur Zeit voll und ganz der Immobilienfirma - die man leider nicht nennen darf - aber Engelhaft ist ;-) Dies sagte auch schon mein Freund Volker.


Uwe Kampa

14.12.2018

Carsten Brzeshi: Das ist ein sehr ausgewogener Kommentar - bsten Dank ...


Kai Tittel

08.12.2018

Das muss man ihm lassen, dem Herrn Brzeski: Er reiht sich nicht in die Liga derer ein, die meinen, genau zu wissen, wo die Märkte in der Zukunft hinlaufen. Er bleibt mit seinen Aussagen bei den Fakten und sagt mehr oder weniger deutlich, dass alle Zukunftsprognosen an Hellseherei grenzen. Man kann einfach nur Vermutungen anstellen, wie die aktuelle Situation in der Zukunft wirken wird und was gegebenenfalls noch an Störfeuern dazu kommen kann. Alles andere ist Kaffeesatzleserei oder weihnachtlich gesagt: Bleigießen.


Rainer Grüneisen

06.12.2018

Ihre Empfehlungen von Börse Online sind über 4 Wochen alt. Wenn Sie schon Empfehlungen anderer Experten zitieren, dann doch bitte altuelle.


manniwi

05.12.2018

warum gibt es Analysten?
damit die Wahrsager am Jüngsten Tag nicht alleine rumstehen müssen.