Baufirma pleite

Wie Bauherren mit möglichst wenig Verlust davonkommen | 08.10.2018

Baufirma pleite

© Ridofranz - istock.com

Gestern noch war auf der Baustelle Hochbetrieb, am nächsten Tag ruhen die Arbeiten: Die Baufirma ist insolvent. Der Traum vom Eigenheim kann da schnell zu einem finanziellen Alptraum werden. Es können etliche Monate vergehen, bis weitergebaut und die Immobilie fertiggestellt wird. Das Problem? In der Zeit des Stillstands muss der Bauherr die monatlichen Zinsen für den Teil des Baukredits, der bereits ausgezahlt wurde, weiter zahlen.

Ein weiterer Kostenfaktor: Womöglich bleibt dem Häuslebauer nichts anderes übrig, als ein anderes Bauunternehmen zu beauftragen – auch dadurch kann alles teurer werden. So kann die Finanzierung einer Immobilie ganz schön ins Wanken geraten, wenn etwa der ursprüngliche Kredit irgendwann nicht mehr ausreicht.

Warum es besser ist, sich im Vorfeld abzusichern

Ist das Horror-Szenario eingetreten, bleibt noch die Frage zu klären: Was können Häuslebauer jetzt tun? „Der Bauherr sollte schnell einen Sachverständigen mit einer sogenannten Zustandsfeststellung beauftragen“, sagt Florian Becker. Er ist Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbundes in Berlin. Dabei wird der aktuelle Bautenstand dokumentiert. Der finanzielle Schaden wird dem Insolvenzverwalter anschließend als Forderung mitgeteilt.

Aber: Das bedeutet nicht, dass der Bauherr seinen finanziellen Schaden komplett ersetzt bekommt. „Nach Abschluss des Insolvenzverfahrens, das sich in der Regel über mehrere Jahre hinzieht, muss der Bauherr damit rechnen, in der Regel nicht mehr als 5% der Insolvenzforderung zurückzubekommen“, so Becker. Das zeigt, wie wichtig es ist, sich bereits im Vorfeld gegen eine Insolvenz der Baufirma abzusichern.

Auf diesen Kosten bleiben Bauherren gegebenenfalls sitzen

Im ungünstigsten Fall ist alles Geld verloren, das für Leistungen gezahlt wurde, die gar nicht oder nur mangelhaft erbracht wurden. „Durch den Zeitverzug im Bauablauf kommen häufig zusätzliche Mietkosten und Bereitstellungszinsen von Darlehensgebern hinzu“, erklärt Becker. Auch Anwalts- und Gerichtskosten sind nicht unerheblich. Diese Belastungen können den Bauherren schnell an den Rand seiner finanziellen Leistungsfähigkeit bringen. Wie drastisch die Folgen einer Insolvenz der Baufirma sind, hängt auch davon ab, ob ein Bauträger die Immobilie errichtet oder der Häuslebauer selbst eine Firma beauftragt hat, die auf seinem Grund und Boden arbeitet. In vielen Fällen errichten Bauträger Eigenheime schlüsselfertig. Sie bauen aber nicht nur das Gebäude, sondern stellen auch gleich das Grundstück.

Errichtet ein Bauträger die Immobilie, dann ist für Bauherren eine wichtige Absicherung die sogenannte Auflassungsvormerkung im Grundbuch. „Damit schützen sich Bauherren davor, dass das Grundstück im Falle einer Insolvenz weiterverkauft wird“, erläutert Becker.

So sichern sich Bauherren schon im Vorfeld vor der Pleite der Baufirma ab:

  • Sie sind Bauträger-Kunde beziehungsweise Sie wollen es werden? Dann hilft eine Wirtschaftsauskunftei, die Bonität der Baufirma zu überprüfen.
  • Bauherren haben Anspruch auf eine Fertigstellungssicherheit in Höhe von 5% der Bausumme – damit Zusatzkosten gedeckt sind, die den Häuslebauern im Fall einer Pleite der Baufirma entstehen. Bauherren haben das Recht, diese Fertigstellungssicherheit gleich von den ersten Abschlagszahlungen einzubehalten. Alternativ kann das bauausführende Unternehmen eine Fertigstellungsbürgschaft seiner Bank oder eine Versicherung vorweisen.
  • Ganz wichtig: „Ein ausgewogener Zahlungsplan, bei dem der Bauherr nicht in Vorleistung geht und Abschläge ausschließlich nach Baufortschritt zahlt“, betont Becker.
  • Dokumente wie Baugenehmigung, Bau- und Ausführungspläne sowie Nachweise zur Energieeinsparverordnung sollten Bauherren zumindest als Kopien vorliegen haben. Denn ohne diese Papiere fließen häufig keine Zuschüsse, etwa von der KfW-Bank.
  • „In jedem Fall sollten Bauherren ihre Verträge vor Unterzeichnung durch einen Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht kontrollieren lassen“, rät Becker. Wenn auf der Baustelle erste Anzeichen für eine bevorstehende Insolvenz zu erkennen sind – zum Beispiel erhebliche Bauzeitverzögerungen oder Subunternehmer, die ihre Arbeit einstellen – sollten Bauherren dringend professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. „Weitere Zahlungen sollten dann in jedem Fall nur in Absprache mit einem Anwalt geleistet werden“, betont Becker.

Autor: ING-DiBa 


Ihre Meinung

Kommentare (4)


Kommentare

Nick

10.10.2018

Ich habe mit meinem Bauträger vereinbart, daß der anteilige Grundstückspreis in dem schlüsselfertigen Gesamtpreis des zu bauenden Hauses vorab komplett von mir bezahlt wird gegen Auflassung für mich im Grundbuch. So gehörte mir sachenrechtlich, - wenn auch nicht schuldrechtlich, - jeder Stein des Hauses, der verbaut wurde, da er bereits auf dem mir gehörigen Grundstück gebaut wurde.


Jonas

09.10.2018

@Frank

Da haste voll recht, allerdings sollten auch die Kreditgebenden Banken in die Verpflichtung genommen werden.
Zum einen prüfen, ob sich derjenige tatsächlich das Haus - die Wohnung leisten kann, also nicht einfach jede Summe hergeben nur weil sie daran verdienen und zweitens sollten die Banken nicht nur den Kunden prüfen bzw. kennen, sondern auch den Bauträger und dessen Subunternehmer.
Die Banken stehen hier genau so in der Verpflichtung wie auch die Bauträger, damit der Kunde / Bauherr nicht "baden" geht.


Olaf Peter

08.10.2018

Das Risiko einer Überzahlung des Bauunternehmers kann nur durch eine fachkundige Bauleitung und Rechnungsfreigabe eines Bauingenieurs oder Architekten verhindert werden. Baustellen sind komplexe Vorgänge, Neubauten meist Unikate und für Nichtbauleute sehr schwer zu durchschauen.


Frank

08.10.2018

Wieso muss hier die Baufirma keine Versicherung abschließen, so dass bei Mängeln oder Pleite der Bauherr (Kunde) abgesichert ist zu 100%?

Wann wird das endlich Gesetz, dass nicht immer der kleine Mann drauf zahlen muss oder für 600.000 Euro oder mehr eine unbewohnbare Bauruine hat?

Für das schwer ersparte oder einen großen Kredit, den man sowieso gerade noch so stemmt.

Da muss eine Versicherung her!!!!!
Die Firmen haben Verantwortung!!!!
Es kann nicht sein, dass immer nur kassiert wird!!!!

Oder erst das Haus bauen und wenn es okay ist wird gezahlt, vorher nicht!!!!!

Wer geht denn sonst in Vorleistung....nur der Häuslebauer!!!!