Private Krankenversicherung

So umgehen Privatversicherte Beitragserhöhungen | 12.02.18

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Wer privat krankenversichert ist, muss unter Umständen bald mehr zahlen. Die Aufschläge müssen Betroffene aber nicht einfach hinnehmen – sie können zu einem günstigeren Tarif wechseln.

Die Kosten für die private Krankenversicherung werden auch im kommenden Jahr vermutlich weiter ansteigen. Nicht jeder Privatversicherte kann oder will die mitunter kräftige Beitragserhöhung mittragen. Muss er auch nicht. Denn er hat die Möglichkeit, bei seinem Versicherer nach Alternativen zu fragen. „Privatversicherte können jederzeit und in jedem Alter den Tarif wechseln“, betont Dominik Heck vom Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband). Das Recht zum Tarifwechsel ist sogar gesetzlich verankert.

Möglichst nicht den Versicherer wechseln

Bei einem Tarifwechsel bleiben die angesparten Rückstellungen für das Alter erhalten. „Nur in wenigen Fällen sollte man sich einen anderen Versicherer suchen“, erklärt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW. Gegen einen Unternehmenswechsel spricht, dass die vom Versicherer gebildeten Altersrückstellungen nicht oder nur begrenzt auf die neue Gesellschaft übertragen werden können.
 
Bleibt also der Inhouse-Wechsel. Der PKV-Verband hat „Leitlinien für einen unternehmensinternen Tarifwechsel“ erarbeitet. Die Materie ist nicht einfach, daher sollte ein Versicherungsberater hinzugezogen werden. Ansprechpartner sind hier zu finden.

Diese Optionen haben Versicherte, um bei den Beiträgen zu sparen:

  • Selbstbehalt vereinbaren
  • Aus einem geschlossenen in einen aktuellen Tarif wechseln
  • Wechsel in Standardtarif
  • Wechsel in Basistarif

Versicherte können einen Selbstbehalt zum Beispiel von jährlich 600 Euro vereinbaren und so zu einem günstigeren Monatsbeitrag bei ihrer privaten Krankenversicherung kommen. Konkret heißt das: Der Versicherte zahlt alle Arztrechnungen innerhalb eines Jahres bis zu einem Betrag von 600 Euro selbst, erst dann ist die Kasse am Zuge.
 
Es gibt Versicherungsunternehmen, die junge Leute in neu geschaffene Tarife aufgenommen haben, während in anderen Tarifen ältere Versicherungsnehmer quasi unter sich sind. „Ältere können nun verlangen, aus einem geschlossenen in einen aktuell angebotenen Tarif zu wechseln – bei gleichen Leistungen und ohne Gesundheitsprüfung“, rät Weidenbach.
 
Wer einen besonders günstigen Tarif benötigt, kann auch in den sogenannten Standardtarif wechseln. Diese Option steht allen Versicherten offen, die 65 Jahre oder älter sind. Andere Altersgruppen müssen einer privaten Krankenversicherung grundsätzlich vor 2009 beigetreten und mindestens 10 Jahre dort versichert gewesen sein. Wer allerdings zwischen 55 und 64-Jahren alt ist, darf zudem die Einkommensgrenze von derzeit 52.200  Euro pro Jahr nicht überschreiten. Gleiches gilt für unter 55-Jährige, aber nur wenn diese bereits eine Rente beziehen.

Privatversicherte haben auch die Möglichkeit, in den Basistarif zu wechseln um einen günstigeren Monatsbeitrag zu entrichten. Der Basistarif liegt derzeit bei etwa 690 Euro. Ein Wechsel in den Basistarif ist bei Verträgen, die nach 2009 abgeschlossen wurden, jederzeit möglich. Bei älteren Verträgen können Privatversicherte immer dann wechseln, wenn sie mindestens 55 Jahre alt sind, Rente oder Pension beziehen oder hilfsbedürftig im Sinne des Sozialrechts sind.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (13)


Kommentare

WB

18.02.2018

Die Wurzel dieses Übels liegt darin, dass die Politik es zulässt, dass der Rentner seine PKV-Beiträge nicht mehr bezahlen kann. Die Kriterien hätten schon längst geändert werden müssen: Erhöhung der Pflichtversicherungsgrenze. M.E. sollte die bei € 100.000 angesetzt werden. Alternativ: die Rentenanstalt zahlt 50% des PKV-Beitrages als Zuschuss und nicht 50% auf Basis des GKV-Beitrages und der Rente. Ein Zahlenbeispiel: ich zahle ca. € 630,00 PKV-Beitrag. Wenn ich in kürze in Rente gehe, erhalte ich ca. € 1.630,00 Rente. Der staatl. Zuschuss zur Krankenvers. beträgt ca. € 110,00. Verbleibt am Ende ca. € 1.100 Rente (und die ist dann noch steuerpflichtig). Der Beitrag zur Krankenvers. macht demnach ca. 32% der Rente aus. Das passt nicht zusammen und führt bei niedriger Rente (und davon sind die meisten betroffen) unweigerlich in die Altersarmut.


Konrad Stubbig

16.02.2018

bin seit 35 Jahren in der PKV-Allianz. Habe keinen einzigen Tag bereut. Wenn ich krank bin, bekomme ich sofort einen Termin, meine Frau in 3 Monaten, ich kann mir den besten Arzt aussuchen, meine Frau nicht. Allein dies ist ein Riesenvorteil, der nicht hoch genug einzuschätzen ist. Außerdem habe ich bisher schon tausende Euros gespart, da ich immer preiswerter versichert war als in GKV. Meiner Meinung ist auch im Alter PKV unübertroffen! Allein mit dem gesparten Geld über 35 Jahre, kann man die höheren Beiträge locker zahlen.


Mephisto

16.02.2018

@Teefax Sicher, die Beiträge in der GKV sind gegrenzt. Aber wenn ich als freiwillig gesetzlich Versicherter aus dem Arbeitsleben ausscheide, dann wird es u.U. teuer. Denn es wird der Krankenkassenbeitrag auf alle Einkünfte fällig. Der auf die Rente ist selbstverständlich. Aber fällig ist der Beitrag auch auf eine mögl. Betriebsrente, auf Kapitalerträge, auf Einkünfte aus Vermietung/Verpachtung, auf die Ausschüttung der Lebensversicherung etc. Bei der LV wird die Summe (Beispiel 60.000 € auf 10 Jahre gerechnet = 6.000 € pro Jahr = 500 pro Monat). Und auf diese 500 Euro wird der volle Beitragssatz fällig.
Der volle Beitragssatz wird auch für die anderen Einkünfte berechnet. Und dies kann in Summe teurer werden als ein PKV Beitrag. Nur darauf wollte ich aufmerksam machen.


uwe s.

16.02.2018

tipp für neueinsteiger in pkv.
ich bin seit 1996 (mit 31 jahren)in der pkv.
habe erst 300 dm später 150 euro, die ich als positive kostendifferenz zur gkv immer hatte, in verschiedene fonds investiert.
einzahlungssumme bisher ca. 40000 euro plus der rendite.
ich mache mir über eine erhöhung der beiträge keine sorgen weil ich dieses als kostenausgleich geplant habe.
habe häufig bis drei monatszahlungen wegen nichtinanspruchnahme der versicherung zurückerhalten.
abwicklung im krankheitsfall bisher nur positiv.


Hans vom Hitzelsberg

16.02.2018

Ich war bereits als WerkStudent bei der Bayer.BeamtenKrankenkasse beschäftigt und zahlte damals 90 DM für meinen perfekten PKV- Vertrag( 1-Bett-Zimmer,, Chefarztbehandlung, ambulante Behandlung durch Arzt, ZA usw.: 80% Kostenerstattung bis 2.000DM/ Jahr, darüber 100%.
Binnen 45 Versicherungsjahren stiegen die Beiträge für diesen Tarif auf fast 900€ , also fast um das 20- fache, womit niemand als damals privat Versichertefr rechnen konnte. Eine extreme Belastung für privat Versicherte im Rentenalter , wenn man bedenkt , dass heute die Durchschnittsrente der gesetzlichen Rentenversicherng von Männern nach 45 Versicherungsjahren bei unter 1.600 € liegt. Fazit: Ausgerechnet im Rentenalter werden durch die inflationär extrem gestiegenen PKV-Kosten privat Krankenversicherte hierzulande meist wirtschaftlich " gezwungen" in zwar " billigere", dafür aber stark " abgemagerte", konditionsmäßig verschlechterte PKV- Tarife zu wechseln. Und dies " ausgerechnet" in einer Lebensphase , in der Krankheitskosten und das Risiko von Krankenhaus-Aufenthalten statistisch progressiv steigen.


HB

15.02.2018

Wenn alle wechseln die in einem geschlossen Tarif sind, dann müssten alle in Unisex-Tarife (seit 2013 nur noch verkaufsoffen)! Das ist sicherlich nicht sinnvoll. Ich bin seit 1997 in den selben Tarifen und bin zufrieden.


Teefax

15.02.2018

@Mephisto: VORSICHT BEI FREIWILLIG GESTZLICHER KRANKENVERSICHERUNG(GKV)???Ich arbeite bei der GKV und gäbe mittlerweile jede Woche Anfragen, wie man aus der Privaten(PKV)raus kommt. Die Beiträge in der GKV sind begrenzt, die in der PKV nicht.


E.B.

15.02.2018

Ich bin seit fast dreißig Jahren in der PKV. Sicher kann es ein Nachteil sein mit Rechnungen und Rezepten in Vorlage zu treten und auch ca. bis zu vier Wochen auf Erstattung zu warten.Aber ich habe es noch keinen Tag bereut in der PKV zu sein. Ich bin sehr krank und habe keine Probleme wegen sehr teurer Medikamente die meine PKV zwar immer nach 4 bis 5 Jahren neu beantragt haben möchte aber dann anstandslos bezahlt.


SR

15.02.2018

Sie schreiben, dass der Wechsel in den Basistarif möglich ist. Für viele Versicherte ist dies eine teure Lösung. Von den Ärzten wird jemand mit Basistarif schlechter gestellt, als jemand in der GKV. Die Leistungen im Basistarif entsprechen nur einem Minimalstandard der GKV. In diesem Tarif wird leider nur eine Grundversorgung sichergestellt - alles andere geht zu Lasten der eigenen Tasche.


MR

15.02.2018

Ich bin seit über 20 Jahren PKV. Nun mache ich mit Gedanken, was im alter passieren kann. Sind die Beiträge noch bezahlbar..??


Mephisto

14.02.2018

Vorsicht bei freiwillig gesetzlicher Krankenversicherung.
Dies kann u.U. Im Alter (Rente/Pension) sehr teuer werden.


H.U.

14.02.2018

Es ist noch und war in der Vergangenheit üblich dass die gesetzlichen Kassen die Selbstständigen nur zum Höchstbeitrag versicherten, unabhängig wie viel er tatsächlich verdiente. Dies führte (auch bei mir) dazu die PKV zu wählen da man sich die hohen Maximal-Beiträge der GKV einfach nicht leisten kann/konnte. (Man muss auch den Arbeitgeberbeitrag zahlen)


T.R.

12.02.2018

Leider wird man oft in die private Krankenversicherung gedrängt, obwohl man mit einer freiwilligen Gesetzlichen und einer Krankenzusatzversicherung auch gut bedient wäre. Hier fehlt leider die Aufklärung im Kundeninteresse mit allen Vor- und Nachteilen. Danke DiBa für die Tips und Tricks.