Berufsunfähigkeit

Worauf Sie achten müssen | 14.02.2018

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Die staatliche Erwerbsminderungsrente sichert Arbeitnehmer im Falle einer Berufsunfähigkeit nur unzureichend ab. Private Vorsorge ist daher in den meisten Fällen unerlässlich. Doch es gibt ein paar Stolperfallen bei der Auswahl der richtigen Police.

BU zeitig abschließen

Das Risiko, seinen Beruf irgendwann einmal nicht mehr ausüben zu können, ist relativ hoch: Laut Daten aus der Versicherungsbranche muss jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland vor dem Rentenbeginn seinen Beruf aufgeben. Die staatliche Erwerbsminderungsrente bietet da in der Regel nur einen unzureichenden Schutz, kritisieren viele Experten. Zudem erhält sie auch nur derjenige, der mindestens fünf Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat. Eine privat abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz: BU) stellt da eine wichtige Alternative dar. Wichtig: Wer als junger Mensch einen Vertrag abschließt, zahlt niedrigere Beiträge als ein älterer. Berufsunfähigkeitsversicherungen sind reine Risikoversicherungen. Das Geld wird nicht angespart. Wenn es nicht zur Berufsunfähigkeit kommt, ist es weg. Doch einige Versicherungen bieten auch Kombi-Produkte an. Eine Kombination mit einer Risikolebensversicherung kann gut sein, sagen Verbraucherschützer, da es Anbieter gibt, die diese Kombination günstiger kalkulieren als den selbstständigen Berufsunfähigkeitsschutz.

Hohes Risiko, höhere Beiträge

Grundsätzlich gilt: Je risikoreicher der Beruf, desto höher die Beiträge. Ein Dachdecker muss mehr zahlen als eine Rechtsanwaltsgehilfin. Auch gewisse Hobbys können die Versicherungsprämie verteuern. Eishockey-Spieler müssten mit einem Zuschlag rechnen, manche Versicherungen lehnen beispielsweise Fallschirmspringer oder Gleitschirmflieger ganz ab.

Ehrlich währt am längsten

Wer eine BU beantragt, sollte unbedingt alle Fragen wahrheitsgemäß beantworten. So müssen Fragen zum Gesundheitszustand ehrlich beantwortet werden, ebenso riskante Hobbys. Denn der Versicherer kann bei falschen oder fehlenden Angaben den Vertrag kündigen, davon zurücktreten oder Leistungen verweigern – trotz jahrelanger Beitragszahlung. In der Regel fragen Versicherungen nur nach Vorerkrankungen aus den vergangenen fünf Jahren. Wer beispielsweise vor viereinhalb Jahren eine  Psychotherapie gemacht hat, sollte noch einige Monate mit dem Antrag auf eine BU warten, dann muss er dies nicht mehr angeben. 

Auf die richtigen Bedingungen achten

Der Konkurrenzkampf der Assekuranz-Unternehmen hat in den vergangenen Jahren grundsätzlich dazu geführt, dass die Versicherungsbedingungen in der Berufsunfähigkeitsversicherung kundenfreundlicher geworden sind. Dennoch lohnt ein penibler Vergleich der jeweiligen Regelungen. So sollte der Versicherer unbedingt auf die sogenannte abstrakte Verweisung verzichten. Fehlt dieser Verzicht, könnte sich die Versicherung vor dem Zahlen einer BU-Rente beispielsweise mit dem Argument drücken, der querschnittsgelähmte Dachdecker kann zwar nicht mehr aufs Dach, einen Bürojob könne er aber auch als Rollstuhlfahrer erledigen. Kurzum: Versicherungsnehmer müssen durch die abstrakte Verweisung eine andere Arbeit nach der Berufsunfähigkeit annehmen.
 
Wichtig ist auch der Prognosezeitraum. In früheren Verträgen waren oft drei Jahre angegeben. Gute Policen verlangen lediglich ein halbes Jahr. Das bedeutet, dass die BU-Rente schon gezahlt wird, wenn der Arzt eine Berufsunfähigkeitsdauer von voraussichtlich sechs Monaten vorhersagt. Kann nicht sofort festgestellt werden, ob der Versicherte berufsunfähig ist oder nicht, wartet der Versicherer sechs Monate mit der Rentenzahlung. Wird dann weiterhin eine Berufsunfähigkeit attestiert, zahlt er rückwirkend ab Beginn der Berufsunfähigkeit.

Ein bisschen Dynamik schadet nie

Auch wenn wir zurzeit in einer Phase mit vergleichsweise niedriger Inflation leben, sollten beim Abschluss einer BU mögliche Kaufkraftverluste in der Zukunft bedacht werden. Eine sogenannte Beitrags- oder Rentendynamik kann davor schützen. Mit dieser Dynamik steigt die versicherte Rente jährlich um beispielsweise zwei, drei oder fünf Prozent. Allerdings steigen auch die Prämien mit. Und das nicht etwa im Gleichklang, warnen Verbraucherschützer.  Versicherte sollten also jedes Jahr genau darauf achten, dass die Versicherungsprämie nicht die eigene finanzielle Leistungsfähigkeit übersteigt. Grundsätzlich gilt: Versicherte können zwei Dynamisierungsschritte ablehnen, beim dritten Mal allerdings wird die Dynamisierung komplett gestoppt.
 
Eine andere Möglichkeit die Berufsunfähigkeitsrente zu erhöhen ist die Nachversicherungsgarantie. Steht eine solche Zusicherung im Vertrag, kann die Berufsunfähigkeitsrente gegen einen Aufpreis bei bestimmten Ereignissen (beispielsweise Heirat, Geburt eines Kindes, Hauskauf, selbstständig machen) angepasst werden, ohne dass die Versicherung eine erneute Gesundheitsprüfung verlangt. Grundsätzlich sollten rund 75 Prozent des jeweiligen Nettoverdienstes abgesichert werden. Allerdings kann das bei einigen Berufen zu sehr hohen Beiträgen führen. Jeder sollte also genau prüfen, ob er sich die BU auch langfristig leisten kann.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (9)


Kommentare

Stefan Schmollinger

18.02.2018

Lieber eine Unfallversicherung. Bei einer Berufsunfähigkeitsabsicherung ist der Leistungserhalt einer Berufsunfähigkeitsrente oft nur bei Einschaltung eines Rechtsanwaltes über viele Instanzen möglich.

VIEL SINNIGER ist in jedem Fall die Absicherung über eine private Unfallversicherung.
Diese leistet zu jedem Zeitpunkt, egal ob auf der Arbeit oder privat, auch im Urlaub = grundsätzlich immer.
Auch hier kann man auch die Berufsunfähigkeit mit absichern.
Lieber mal so beraten lassen. EINIGE Beispiele einholen, auch hier wird gerne abgezockt! UND IMMER DIE RICHTIGEN UND VOLLSTÄNDIGEN GESUNDHEITSFRAGEN BEANTWORTEN!!!


Mafia!

17.02.2018

Für Arbeiter, die in einem Risikoberuf arbeiten, ist das nicht zu bezahlen.
Selbst die Erwerbsunfähigkeitsvs. ist zu teuer.
Und wenn man abschließt und die Versicherung in Anspruch nehmen möchte, braucht man einen Rechtsanwalt und die Kriegskasse muss sehr gut gefüllt sein. Sonst gewinnt man nicht gegen die Kraken.
Banken ,Maklern und Versicherungen sollte man nicht trauen die ziehen einem das Geld aus der Tasche.


Josef Hildegard

15.02.2018

Wollte eine abschließen, wurde aber damals (vor ca. 20 Jahren) wegen einer marginalen Krankheit, die mich nicht einschränkte, deren Prognose wegen der Seltenheit aber unsicher war, mit dem rd. 4-fachen des üblichen Versicherungsbetrags belegt - danke nein. Man kann auch gut ohne leben und das Geld anders anlegen.


Kerstin

15.02.2018

Unbedingt wichtig zu erwähnen: eine private BU ist etwas fur Gutverdienende, die sich hohe Prämien leisten können. Und dann eine Rente bekommen würden, die höher ist als die Grundsicherung. Leuten mit nur sehr geringem Einkommen, die bei einer eventuellen Berufsunfähigkeit in die Grundsicherung, sprich Hartz IV fallen würden, sei. gesagt, die Privatrente aus einer BU wird auf die Grundsicherung angerechnet. Dann hat man also umsonst gezahlt.


Marion MODRÄGER

15.02.2018

Es ist sehr wichtig, sich vor einer evtl. Erwerbsunfähigkeit abzusichern. Mich betrifft dies seit dem vorigen Jahr. Mein Arbeitgeber hat mir die Chance gegeben, eine extra Rentenversicherung ( inclusive Erwerbsunfähigkeitsrente) abzuschließen. Nun habe ich diese beantragt und hoffe, dass es sich auch lohnt. Danke der IngDiBa.


Clemens

15.02.2018

Das ist ein sehr sensibles Thema. Letztlich muss es jeder selbst entscheiden, ob man eine BU abschließt oder nicht.

Dieser Artikel gibt einen guten ersten Einblick in die Thematik, allerdings gibt es viele weitere Punkte, auf die bei Vertragsabschluss geachtet werden muss neben dem Verzicht auf abstrakte Verweisung und dem Prognosezeitraum. Daher ist der Hinweis auf penibles Vergleichen mehrerer Angebote entscheidend. Wesentlich entscheidender als sonst deswegen, weil man so eine Versicherung meines Erachtens nur einmal abschließen sollte. Mit zunehmenden Alter des Vertragsabschlusses steigen die Beitrage empfindlich und der persönliche Gesundheitszustand wird schlechter, was zur Ablehnung des Antrages vonseiten des Versicherers führen kann.

Das einzige, wo ich dem Artikel nicht ganz folgen kann, ist, dass Verbraucherschützer empfehlen würden, Kombiprodukte abzuschließen? Ich habe vonseiten der Verbraucherschützer genau das Gegenteil vernommen. Daher wäre eine Angabe der Quelle für mich hilfreich, welche Verbraucherschützer das empfehlen.

Danke für Ihre Antwort!


Jurisdiction

15.02.2018

Wenn man eine BU abschliesst, muss man gleichzeitig auch eine Rechtschutzversicherung abschliessen. Denn tritt der Versicherungsfall ein, wird sich die Versicherung mit allen Mitteln widersetzen zu zahlen. Toll fand ich bspw. in den AGBs meiner Unfallversicherung, dass man den Unfalltot innerhalb von 48 Stunden anzeigen muss. Zudem MUSS man der Versicherung gewähren eine Obduktion und sagar Exhumierung durchzufühen. Ansonsten bleibt die Versicherung leistungsfrei.


Tom

14.02.2018

Jeder, der eine BU abschließt muss sich aber auch darüber im Klaren sein, dass die Versicherung einen durchleuchtet. Ich habe von einem Antrag Abstand genommen, als man eine genetische Untersuchung ins Spiel brachte.

Wozu benötige ich eine noch eine Versicherung, wenn die Vers.-Gesellschaft ihr Risiko - sei es durch Kleingedrucktes oder Voruntersuchungen - derart reduziert, dass sie am Ende sowieso nicht zahlen wird. Dann sorge ich lieber privat vor und lebe mit dem Risiko.


Mark

14.02.2018

Man muss sich so viel versichern und dann wenn eine Versicherung sehr lange (Lebenslang) geht. Weiß man nie ob es die richtigen Konditionen waren, ob es bessere gegeben hätte usw.

Am Besten wäre es, der Staat wäre für die wichtigsten Absicherungen zuständig.

Ich wäre für eine Plan- und Kapitalismus-/Marktwirtschaft.
Vieles sollte geplant und festgelegt sein und ein anderer Teil Kapital- und Marktwirtschaft.