Bienen für den Heimgebrauch

Ein geeignetes Hobby, um Gutes zu tun? | 11.06.2018

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Viele Regale des Penny-Markts in Hannover-Langenhagen waren am Morgen des 14. Mai gähnend leer. „Biene weg. Regal leer“ stand dort auf Postern. Der Supermarkt wollte den Kunden zeigen, wie eine Welt ohne Bienen aussehen würde. Denn rund 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung von Bienen angewiesen, sagt der Deutsche Imkerbund. Die Bestäubungsleistung liege bei rund zwei Milliarden Euro pro Jahr. Damit zählen Bienen neben Rind und Schwein zu den drei wichtigsten Nutztieren. Etwa 870.000 Bienenvölker schwirren durchs Land und produzieren 15.000 bis 25.000 Tonnen Honig pro Jahr.

Immer mehr Hobby-Imker in deutschen Städten

„Imkern ist zum Trend geworden, vor allem in den Großstädten“, sagt Petra Friedrich, Pressesprecherin vom Deutschen Imkerbund. Es gäbe hierzulande rund 130.000 Imker, das seien über 30.000 mehr als noch vor zehn Jahren. Der Trend kommt nicht von ungefähr, schließlich wird er auch vom Staat finanziell unterstützt: Bayern übernimmt zum Beispiel bei der Anschaffung von wichtigen Geräten zur Honiggewinnung bis zu 30 Prozent der Kosten. Bundesweit einmalig ist der Imkerbonus in Niedersachsen: 100 Euro extra gibt es pro Hektar, wenn Landwirte mit örtlichen Imkern kooperieren. Außerdem fördert die Landesregierung Neuimker im Rahmen eines Nachwuchsprogramms mit 136.000 Euro.

Die Biene ist in Gefahr

Auch wenn sich die Imkerei steigender Beliebtheit erfreut: Die Insekten sind in Gefahr. In den vergangen dreißig Jahren ist laut Naturschutzbund Deutschland der Bestand aller Fluginsekten, an ihrer Biomasse gemessen, um 75 Prozent zurückgegangen – unter diese gefährdeten Arten fallen auch die Bienen. Was aber macht ihnen so zu schaffen?

  • Durch den Einsatz von Pestiziden auf den Feldern wird die Biene geschwächt und anfälliger für Krankheiten.
  • Die Varroa-Milbe, die aus Asien nach Europa eingeschleppt wurde, und andere Krankheiten machen der Biene das Leben schwer.
  • Durch Monokulturen finden sie oft nicht genug Futter.

Bienen zum Mieten

Um die Bienen zu retten, gibt es viele kreative Ideen. Eine kommt vom Hobby-Imker Dieter Schimanski: Er vermietet mit Bee-Rent Bienenvölker ab 179 Euro im Monat. 150 seiner Miet-Völker stehen bereits in Deutschland verteilt. „Ich will eine neue Art des Imkern ermöglichen, die nicht abhängig vom Honigertrag ist, die Imkern wieder sexy macht“, sagt der Gründer. Wer sich Bienen mietet, kann sich zwar das ganze Jahr über eigenen Honig freuen, hilft aber vor allem der Bienenpopulation auf die Beine.

Beesharing – Ein Netzwerk für mehr Ertrag

Einen etwas anderen Ansatz hat das Hamburger Start-up Beesharing: Es vernetzt kleine und regionale Imkereien mit den Bauern. Landwirte können mit wenigen Klicks ihren Bestäubungsbedarf errechnen und diesen dann ab 35 Euro mit regionalen Bienenvölkern, Mauerbienen und Hummeln abdecken.

Blühstreifen, Eh-Da-Flächen und Bundestagsbienen

Auch die Politik will den Bienen helfen. Am 20. Mai fand erstmals ein Weltbienentag statt und selbst die Kanzlerin Angela Merkel rief in diesem Zusammenhang dazu auf, etwas gegen das Bienensterben zu tun: „Die Bienen stehen inzwischen pars pro toto für Artenvielfalt und wie wir sie schützen können.“ Zum Beispiel können Blühstreifen helfen. Das sind Flächen entlang der Äcker auf denen verschiedene Blumen und Gräser gepflanzt werden – eine willkommene Nahrungsquelle für Bienen. Auch sogenannte Eh-Da-Flächen sollen für mehr Artenvielfalt sorgen. Ein weiteres Projekt sind die Bundestagsbienen in Berlin: Im Frühjahr 2016 wurde ein Bienenstock unmittelbar neben dem Reichstag aufgestellt. Die Initiative soll auf die schwindende Anzahl der Bienen aufmerksam machen.

Kleine Veränderungen – große Wirkung

Die gute Nachricht für alle, die sich um Bienen sorgen: Man muss nicht gleich Imker werden, um den Bienen zu helfen – jeder kann etwas tun. „Wir raten sogar davon ab, einen eigenen Bienenstock auf den Balkon zu stellen “, sagt Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund. Da in Großstädten wie Berlin durch die steigende Hobby-Imkerei die Bienenvölker so nah beieinander stehen, sei die Gefahr der Übertragung von Krankheiten groß. Wer trotzdem einen Bienenstock anschaffen möchte, sollte auf jeden Fall vorher einen Kurs belegen – viele Imkervereine bieten diesen kostenlos online an. „Wirklich hilfreich sind aber schon ganz kleine Dinge“, sagt Friedrich. Hier eine Auswahl:

Auf dem Balkon:

„Geranien sehen zwar schön aus, bringen den Bienen aber gar nichts“, erklärt Friedrich. Besser seien Blumenkästen mit verschiedenen Kräutern oder heimischen Bienenpflanzen, wie zum Beispiel Lavendel oder Thymian. Die Expertin findet: „Eine Tüte bienenfreundliches Saatgut kostet ja auch nicht viel, vielleicht ein, zwei Euro, das hilft schon.“ Außerdem können auch Nistmöglichkeiten für Wildbienen ohne großen Aufwand selbst angefertigt und regengeschützt auf dem Balkon angebracht werden. Bauanleitungen gibt es in Zeitschriften oder im Internet.

Im Garten:

„Hauptsache es blüht vom zeitigen Frühjahr bis zum Herbst“, sagt Friedrich. Es gilt: Je weniger Ordnung im Garten herrscht und je weniger chemischer Pflanzenschutz angewendet wird, desto besser für die Bienen. „Wichtig sind Anpflanzungen von Bäumen und Sträuchern, die Bienen und anderen Insekten Nahrung liefern“, erklärt Werner von der Ohe, Leiter des Bieneninstituts in Celle. Welche Pflanzen besonders bienenfreundlich sind, verrät die kostenlose Bienen-App des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Bienen lieben zum Beispiel Löwenzahn und Apfelbäume.

Beim Einkaufen:

Am besten immer Honig aus heimischer Produktion kaufen.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (5)


Kommentare

A. Richter

17.06.2018

Brennendes Thema,
aber sollte sich nicht jeder selbst für sich überlegen,
was er zum Schutz und des Erhaltes einer gesunden,
lebenswerten Umwelt tut?
Es werden immer mehr
"fremde" Pflanzen ausgebracht ,
seien es die "beliebten" Koniferen als Zaun, die für kein Tier einen Nutzen haben,
der Rasen darf nicht höher als 5 cm werden,
jedem "Unkraut" wird mir der Giftspritze zu Leibe gerückt,
Büscher werden verschnitten, ohne dass sie blühen können -
aber wir wundern uns über das Arten- und Insektensterben.
Erschreckend, wie weit wir uns als Bestandteil der
Natur von ihr entfernt haben.


A. Richter

17.06.2018

Brennendes Thema


Katrin

16.06.2018

Prinzipiell kann man dem Ganzen sicher nur zustimmen, allerdings sollten gerade die Privatpersonen mit Haus und Balkon sich mal selbst mehr engagieren. Wenn ich mir heutzutage die Dörfer und neuen Siedlungen anschaue, bekomme ich feuchte Augen. Einen hübschen Vorgarten mit vielen Blumen, in dem sich die Insekten tummeln, findet man kaum noch, Koniferen, Rasen und allenfalls ein paar Rosen bilden das Einerlei, alles andere macht nämlich viel Arbeit... Übrigens sind die meisten Gräser Selbstbestäuber.


Hilde

15.06.2018

Ein guter Artikel!
Ich habe mit der Imkerei vor 4 Jahren begonnen und habe jetzt 8 Völker. Es verändert schon die Sichtweise auf Fragen der Umwelt,
Landwirtschaft und eigenem Handeln.
Ich würde aber jedem raten einen Imkerkurs zu besuchen. Einfach nur eine Beute aufstellen bringt nicht viel. Dafür ist das Imkern zu umfangreich. Vernachlässigte Tiere gibt es genug!
Ansonsten wünsche ich allen viel Spaß mit den Bienen und volle Honigtöpfe!


Frauke Clasen

14.06.2018

Ich war sehr erstaunt, einen solchen Artikel auf der Website meiner Bank zu finden - und bin sehr erfreut darüber!
Wir tragen uns schon lange mit dem Gedanken, mit einem Bienenvolk die Imkerei zu starten. Unser Garten gibt für Bienen einiges her, wie auch für andere Wildtiere, die in den Apfelhöfen des Alten Landes um uns herum keine richtige Deckung und Zuflucht mehr finden.
Dieser Artikel hat uns darin bestärkt, dass es richtig ist, was wir tun und was wir für den Naturschutz bei uns zu Hause noch planen.