Absicherung

Bürgschaft – Das müssen Sie wissen | 09.08.2017

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„Wer bürgt, wird gewürgt“, heißt es im Volksmund. Was drastisch klingt, sieht in der Realität weniger bedrohlich aus – wenn man ein paar Fakten beachtet, bevor man für die Kinder, einen Freund oder den Ehepartner bürgt

Was ist eine Bürgschaft und wozu dient sie?

Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) ist eine Bürgschaft ein einseitig verpflichtender Vertrag.

Es gibt drei Beteiligte:

  • Hauptschuldner – meist ein Kreditnehmer
  • Bürge – verpflichtet sich, mit seinem Vermögen und Einkommen zu haften
  • Gläubiger – beispielsweise eine Bank

Bürgschaften werden von Banken eingesetzt, damit der Kredit eines Kunden abgesichert wird, wenn dessen Bonität nicht ausreicht. Die Kreditart ist dabei unerheblich. „Eine Bürgschaft dient dazu, einem Forderungsgläubiger eine größere Sicherheit zur Durchsetzung seiner Forderung zu gewährleisten“, betont Rechtsanwältin Sabine Wienand von Wolters Rechtsanwälte aus Hamburg. „Übernimmt ein Dritter die Bürgschaft für die Forderung, gelangt der Forderungsgläubiger in die für ihn günstige Lage, dass ihm grundsätzlich ein weiterer Schuldner zur Verfügung steht.“

Weit verbreitet sind die sogenannten selbstschuldnerischen Bürgschaften. Dabei verzichtet der Bürge auf die Einrede der Vorausklage. „Das bedeutet, dass der Bürge zur Kasse gebeten wird, sobald der Schuldner nicht mehr zahlt“, erläutert Herbert P. Schons, Jurist aus Duisburg und Vizepräsident des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Eine Bürgschaft für jemanden zu übernehmen, ist nicht ohne Risiko. Wer eine zu hohe Bürgschaft eingeht und zahlen muss, kann finanzielle Probleme bekommen. „Das kann den Bürgen im Zweifelsfall in den Ruin treiben“, warnt Schon.

Wann gilt eine Bürgschaft?

„Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine Bürgschaft zu beenden“, erklärt Rechtsanwältin Wienand. Die Hauptschuld entfällt, wenn beispielsweise der Hauptschuldner die Forderung begleicht. Auch der Bürge kann die Forderung begleichen und beendet damit seine Bürgschaft. Sofern eine Bürgschaft für eine bestimmte Zeit geschlossen ist, erlischt diese mit Zeitablauf. „Ist keine bestimmte Zeit vereinbart, kann unter gewissen Voraussetzungen die Bürgschaft gekündigt werden. Dies ist dann jeweils im Einzelfall zu prüfen“, sagt Wienand.

Was gibt es für Besonderheiten?

Bürgschaft zwischen Ehegatten: Eine Ehegattenbürgschaft kann unter folgenden Voraussetzungen sittenwidrig sein:

  • Wenn der Bürge mit Übernahme seiner Verpflichtung finanziell stark überfordert ist.
  • Wenn der Bürge diese Verpflichtung allein aus emotionaler Verbundenheit mit dem Hauptschuldner übernommen hat.
  • Wenn der Kreditgeber dies in sittlich anstößiger Weise ausgenutzt hat.

„Ob eine Bürgschaft im Ausnahmefall sittenwidrig ist, ist immer im Einzelfall eingehend zu überprüfen“, betont Rechtsanwältin Wienand.

Mit einer Bürgschaft zur Mietwohnung: Zu einer weiteren gängigen Bürgschaft in Deutschland gehört die Mietbürgschaft. Oft bürgt dabei ein Elternteil für sein Kind, damit es eine Wohnung anmieten kann. „Häufig akzeptiert der Vermieter bei Studenten als Sicherheit nur die Eltern als Bürgen“, sagt Rechtsanwältin Silke Gottschalk vom Deutschen Mieterbund NRW. Allerdings sollte Folgendes beachtet werden: Die Mietbürgschaft muss schriftlich erfolgen und darf laut des Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) maximal drei Nettomieten betragen. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied allerdings, dass diese Grenze nicht gilt, wenn durch die Bürgschaft eine Kündigung des Mieters wegen Zahlungsverzugs abgewendet werden soll. Eine Bürgschaft und eine Kaution kann der Vermieter übrigens nicht verlangen.

Auch bei einer Bürgschaft unter Freunden rät Rechtsanwalt Schons: „Alles schriftlich festhalten und Rechte und Pflichten abstimmen. Bürgen Sie nur für eine überschaubare Summe und unter der Prämisse, dass Sie das Geld in jedem Fall zurückbekommen.“

Auf was sollte Sie bei Bürgschaften generell achten?

  • Bürgen Sie nur für Personen, denen Sie zu 100% vertrauen können.
  • Lassen Sie sich eine Schufa-Auskunft geben von der Person, für die Sie bürgen wollen. 
  • Grenzen Sie die Bürgschaft zeitlich ein, halten Sie diese schriftlich fest und stimmen Sie Details untereinander ab.
  • Bürgen Sie nur, wenn Sie selbst kein zu hohes finanzielles Risiko eingehen.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (12)


Kommentare

Marcel Scherer

17.08.2017

Es gibt noch eine Situation wann die Begrenzung auf die 3 Nettomonatsmieten nicht gilt!:

Bereits im Jahr 1990 hat der BGH mit Urteil vom 07.06.1990 – IX ZR 16/90- entschieden, dass ein Bürge über die in § 551 Abs.1 BGB vorgesehene Höchstgrenze von drei Monatskaltmieten hinaus in Anspruch genommen werden kann, wenn der Bürge von sich aus an den Vermieter herantritt und diesem eine Bürgschaft zusagt, um diesen zum Vertragsschluss zu bewegen, und der Mieter hierdurch keine Nachteile erleidet.


Rolf

16.08.2017

mir gefällt diese kurze und klare Darstellung der Problematiken rund um Bürgschaften.
Dabei denke ich vor allem daran, dass Freundschaft beim Geld aufhört. Aus meiner Sicht sollte die Bürgschaft das letzte Mittel sein. Das gilt für mich auch innerhalb der Familie. Jeder von uns würde eine Ablehnung verstehen, deshalb wird bei uns nur aus Erspartem, also ohne Vorleistung investieren. Der Familienfriede ist uns wichtiger als Geldärger.


Manfred

16.08.2017

Ich habe für meinen Schwiegervater gebürgt, meine Frau auch (einkommensabhängig mit der Hälfte meiner Summe). Dabei habe ich mich nicht näher erkundigt, wie die Sache finanziell wirklich (Gärtnerei/Landschaftsbau)steht. Ich (wir alle, also auch noch andere Bürgern) mussten am Ende zahlen.
Klar, man kann sagen, dass man dann ja selbst schuld ist, wenn man so dumm ist. Ich hatte einfach vertraut, dass mein Schwiegervater mich (und seine Tochter und noch andere Verwandte und Arbeiter) da mit hineinzieht. Im Nachhinein war der Fall für mich klar: ein geradezu unglaublich dummer Fehler. Ich habe auf verlässliche verwandtschaftliche Beziehungen gesetzt und einfach vertraut. Das sollte man in solchen Fällen aber nur dann tun, wenn man über die finanzielle Situation wirklich Bescheid weiß. Genau das ist aber z.B. bei betriebswirtschaftlichen Problemen manchmal für Laien sehr schwierig.
Ich bereue es sehr, dass ich so dumm gehandelt habe. Niemandem war damit geholfen - außer der Bank mit ihren "Spezialisten" ..,.


Brigitte

16.08.2017

Mein Vater hat, als ich noch ganz jung war, für mich, für ein Einrichtungsdarlehen von 3.000,00 DM gebürgt. Rückzahlbar in einem Zeitraum von 10 Jahren. Er hat mir in diesem Zusammenhang ganz deutlich klargemacht, dass man für "Fremde" in keinem Fall eine Bürgschaft übernehmen sollte. Ich habe es bis heute beherzigt und für keinen meiner Mitmenschen eine Bürgschaft übernommen.


Jürgen M.

16.08.2017

Ich habe schon einmal für ein Bauvorhaben gebürgt.
Mit dieser Bürgschaft konnte das Bauvorhaben starten und planmäßig fertig werden. Vertrauen ! Es gab keine Probleme.


Thomas R.

16.08.2017

Eine Bürgschaft ist eine riesengroße Vertrauenssache zwischen Hauptschuldner und Bürge und sollte auch nur für Existenzielle Dinge in Anspruch genommen werden. Bei einem Mietvertrag z.Bsp. würde mancher Mietinteressent nicht in den Genuss eines für ihn notwendigen Mietvertrages (Umzug wegen neuen AV, Eintritt in die Selbständigkeit, Existenzgründer, Familiengründung, -vergrößerung) kommen hätte er keinen Bürgen. Als nicht akzeptabel sehe ich dies bei Anschaffungen für Technik, Auto und Wohnungsausstattung. Auch sollte jeder Hauptschuldner von vornherein die Lage so klar einschätzen, dass er den Bürge gar nicht erst in Anspruch nehmen muss sondern dieser wirklich nur als Verstärker dient.


CW

16.08.2017

warum sollte man ein grosses Risiko der Bürgschaft eingehen wenn anderen oder einer Bank z.B. das Risiko zu gross ist. Man sollte sich nie für andere ins Unglück stürzen. Mit Kleinigkeiten helfen ist sicher kein Thema, aber ab einer gewissen Grössenordnung Finger weg, egal wer es ist.


Klaus Nordmann

16.08.2017

Ich habe einmal für meinen Sohn gebürgt. Mein Vertrauen in ihn wurde nicht missbraucht und somit ging alles gut. Aus meiner Sicht kommt es immer auf Verhältnis zueinander an.


Martin

16.08.2017

Ich würde nur für meine Kinder bürgen. Und das mit einem Volumen, welches ich überblicken kann und im vollen Bewußtsein, dass ich tatsächlich in Anspruch genommen werde.


Beate

16.08.2017

Ich wurde wegen einer Bürgschaft für Mietzahlungen gefragt.
Nach meiner Ablehnung ging es auch ohne Bürgschaft.


Daniel

13.08.2017

Man sollte nie für Andere bürgen, auch nicht für Verwandte.
Ich kenne jemanden, der sein Haus verloren hat, weil er für einen Verwandten gebürgt hat.
Wenn's ums Geld geht, hört selbst in der Verwandtschaft die Freundschaft auf.


JV

09.08.2017

Guter Artikel.
Auf die Gefahren kann man nicht genug hinweisen!