Risikoreiches Investment

Crowdinvesting hat seine Unschuld verloren | 02.01.2018

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Das Crowdinvesting hat sich von der Finanzierung von Kleinstprojekten zu einem beachtlichen Markt entwickelt, der weiter rasant wächst. Die Schwarmfinanzierung umfasste 2011 noch ein jährliches Volumen von 1,4 Millionen Euro, fünf Jahre später waren es schon 63,8 Millionen Euro.
 
Beim Crowdinvesting investieren Nutzer in ein Startup oder Projekt und erhalten im Gegenzug Anteile. Nicht zu verwechseln ist dies mit Crowdfunding, wo sich Menschen zusammenschließen, um ein oft karitatives Projekt zu finanzieren, das ohne den Schwarm nicht zustande gekommen wäre. Crowdfunding ist also mit einer Art Spende zu vergleichen.
 
Crowdinvesting dagegen zählt zum Grauen Kapitalmarkt, weil es nur teilweise reguliert ist: Anbieter und Emittenten von Vermögensanlagen werden etwa nicht von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, beaufsichtigt. „Dennoch ist Crowdinvesting nicht notwendigerweise unseriös“, sagt Wolf Brandes, Teamleiter von „Marktwächter Finanzen“ bei der Verbraucherzentrale Hessen.

Das meiste Geld geht in Immobilienprojekte

Das meiste Geld investiert die Crowd in Immobilien. Nach Zahlen von Crowdfunding.de macht dieser Bereich 60 Prozent des Gesamtmarktes aus. Bislang galt der Immobilienbereich als “Wachstumstreiber” des Crowdinvesting-Marktes und risikolos – bis Mitte September das erste über den Schwarm finanzierte Immobilienvorhaben in Deutschland Insolvenz angemeldet hat. 250 Anleger, die Geld für den Bau von Apartmenthäusern im Rahmen des Projekts „Luvebelle“ in Berlin-Tempelhof verliehen hatten, bangen nun um ihr Geld.
 
Der Fall „Luvebelle“ werde die Branche zwingen umzudenken, glaubt Lasse Kammer, Geschäftsführer von ReaCapital, einer Crowdinvesting-Plattform. „Wir gehen davon aus, dass die jüngsten Ereignisse zu einer Weiterentwicklung des Marktstandards führen. Die Themen Verlustrisiko und zuverlässige Sicherungsinstrumente werden bei den Anbietern noch weiter ins Zentrum rücken müssen.“ Trotz der Risiken biete diese Anlageform für Privatanleger Vorteile, sagt Kammer: „Geringe Mindestinvestitionssummen, keine Transaktionsgebühren und kurze Laufzeiten bei hoher Rendite.“

Betrug ist immer möglich

Anleger sollten sich darüber im Klaren sein, dass es riskant sei, Geld in Crowdfunding zu investieren, sagt Brandes von der Verbraucherzentrale Hessen. Im schlimmsten Fall, so Brandes, drohe dem Investor der Totalverlust. „Selbst wenn die Projekte gut laufen, gibt es Fallstricke. Mitunter sind in den Verträgen viele Voraussetzungen definiert, an die die Rückzahlung des Kapitals gebunden ist.“ Das ermögliche es dem Kreditnehmer, die Rückzahlung des Darlehens immer wieder hinauszuschieben. Deswegen sollten Anleger prüfen, ob die in Aussicht gestellte Rendite angesichts des hohen Risikos angemessen erscheint.
 

Betrug sei immer möglich. Der Verbraucherschützer rät daher: „Gute und vollständige Informationen sind das A und O.“ Wenn die Angaben des Kreditnehmers unverständlich oder sogar widersprüchlich sind, sollten Anleger die Finger davon lassen. „Der Markt für Crowdinvesting ist noch jung, doch zukünftig dürfte in diesem Bereich verstärkt mit Verbraucherbeschwerden zu rechnen sein“, glaubt Brandes.
 
Der Rechtsanwalt Tommy Kujus aus Leipzig skizziert eines der Horrorszenarien für Anleger: „Eine Gefahr bei Crowdfunding-Angeboten besteht - wie im Grunde bei allen Internetangeboten - darin, dass das beworbene Projekt tatsächlich gar nicht existiert“, sagt er. Dies bedeute, dass es dem Anbieter lediglich darum ginge, Gelder zu kassieren.

Crowdinvesting ist ohnehin ein Hochrisikogeschäft

„Abgesehen von ganz offensichtlichen Betrügereien ist es schwer, den Anbietern ein vorsätzliches Handeln nachzuweisen“, sagt Kujus. Gleichzeitig verberge sich nicht hinter jedem gescheiterten Projekt zwingend eine vorsätzliche Betrugstat. „Handelt es sich tatsächlich um einen Betrug, kann der Anbieter – sofern er namentlich bekannt gemacht werden kann – zusätzlich zivilrechtlich auf Erstattung der vereinnahmten Gelder verklagt werden“, sagt der Anwalt. Sollte ein Anleger Opfer eines Betrugs geworden sein, bedeute dies jedoch nicht, dass ein Strafverfahren dazu führt, „automatisch“ das Geld zurückzubekommen.
 
Fazit: Für Anleger gilt bei dem risikoreichen Crowdinvesting somit, äußerst aufmerksam die Angebot zu studieren, die Nutzen und Gefahren gegeneinander abzuwägen und gegebenenfalls das Risiko des Kapitalverlusts mit einzukalkulieren – mit einer solchen Risikobereitschaft können Investoren im Gegenzug von hohen Renditen und dem guten Gefühl, etwas Sinnvolles zu unterstützen, profitieren.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (13)


Kommentare

Harry

01.02.2018

@der Doc
Du kennst Dich mit Crowdinvesting überhaupt nicht aus oder?
Lies Dir das erst mal durch und dann "sappeln".
Du sagst - ZITAT:
Gier frisst Hirn !
"Warum versprechen diese Crowdinvesting-Anbieter so hohe Renditen?
Warum besorgen sie sich das Geld nicht am regulären Kapitalmarkt, wo doch die Zinsen im Moment so niedrig sind ??
Eben !!!"
Sieh Dir mal die Aufteilung an!!! Das Crowdinvesting sind vielleicht so ca. 2% bis 5% was auch immer bei der jeweiligen Anfrage vom Objektleiter. Der Rest, überwiegende Teil kommt von Banken etc.

ALSO ERST MAL KUNDIG MACHEN UND DANN DOOF "sabbeln".


Frank

25.01.2018

Man sollte sein Geld verteilen.
Private Rente (Fondsbasis), Riester Rente - Steuerersparnis und Zulage ab 2018 - 157 Euro (Fondsbasis), Lebensversicherung (jetzt nicht mehr, gibt zu wenig Zinsen), Aktien / ETF -depot (vielleicht Anleihen), Crowdfunding ab 100 Euro relativ sicher bei .... & .... Capital (Immobilien).

Man sollte auf jeden Fall davon ausgehen, dass Aktien und das Crowdfunding in Immobilien auch Totalverlust bedeuten können.

Anderweitiges Crowdfunding in irgendwelche Ideen sind viel zu Risikoreich - also privates Crowdfunding oder Geldverleih P2P glaube ich nennt sich das.


Manuela

11.01.2018

@der Doc
Wieso hohe Renditen bei Crowdinvesting? Sind 5,10% viel?
Finde ich angemessen.
Bei Aktien kann man durchschnittlich von 8% ausgehen, auch höher ist da noch okay.
Wer allerdings eine Rendite von mehr als 30% verspricht wäre ich skeptisch...irgendwo muss das Geld ja auch her kommen.


Clara

11.01.2018

Aktien sind immer noch die Beste und einfachste Anlagemöglichkeit.


der Doc

10.01.2018

Gier frisst Hirn !
Warum versprechen diese Crowdinvesting-Anbieter so hohe Renditen?
Warum besorgen sie sich das Geld nicht am regulären Kapitalmarkt, wo doch die Zinsen im Moment so niedrig sind ??
Eben !!!


Hannes

08.01.2018

Typisch der Anonym gibt seinen Kommentar auch nur Anonym ab, sehr verdächtig.
Ist auch nicht besser wie andere.


Jens

08.01.2018

@Wolfgang Fischer
Crowdinvesting im Bereich Immobilien ist genau so riskant wie Aktienanlagen.
Bei beiden könnte man Totalverlust erleiden.
Also wenn man davon ausgeht, kann man da schon anlegen.
Was bleibt einen sonst übrig bei Negativzinsen und Niedrigverzinsung, da verliert man auch ca. 1,0 bis 2,0 Prozent durch Infaltion.
Also nichts anlegen ist genau so schädlich, wie mal auf die Nase fallen.


Anonym

06.01.2018

..Zu dem Herrn: Würden Sie in der Bank ihrem Kundenberater auch Heuchler ins Gesicht sagen?
Kommentieren Sie doch bei Facebook da gehört dieses Niveau hin.
Und ja...Warum sollte eine Bank sich nicht selbst nennen bzw. loben dürfen...
Welche Firma tut das nicht?
Natürlich möchten sie auch zusätzliche Kunden gewinnen.
Das ist normales Geschäftsgebaren.
Mann man man ... Es nervt das überall immer solche niveaulosen... anonym rummeckernden unsozialisierten Weltbewohner zu Wort melden!
Wortwahl beachten!
Du kannst deine Meinung haben!
Aber respektiere und achte dein Gegenüber!


Wolfgang Fischer

05.01.2018

Crowdinvesting ein Hochrisikogeschäft
Ich habe mir die Vertragsunterlagen zu einer Reihe von Vorhaben angesehen, die aus dem Immobiliensektor stammten und habe letztlich in kein einziges Objekt investiert! Selbst bei Angeboten die sich vertraglich als relativ seriös darstellten würde ich nicht mehr als 100 € pro Projekt und Projektbetreuer investieren. Da ist es besser, wenn man nicht in Aktien investieren will in eine Reihe von ETFs zu investieren und diese über Jahre laufen zu lassen


ING-DiBa

05.01.2018

Hallo Unterschlagen, wir ändern die Kommentare in unserem Blog nicht ab - entweder der Kommentar entspricht unseren Hausregeln oder nicht. Natürlich kann der Verfasser ihn gern nochmal ohne Nennung des Unternehmens einstellen. Wir geben niemals eine Anlageempfehlung, wie es im Initialkommentar der Fall war, da wir uns hier im beratungsfreien Geschäft befinden. Teilen Sie gern Ihre Erfahrungen mit uns, egal ob positiv oder negativ. Doch auch beim Thema Bitcoin informieren wir über ein für viele interessantes Thema – das wir nicht einmal anbieten. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Unterschlagen

05.01.2018

Dann bringt doch den Beitrag ohne das Unternehmen zu nennen. Ihr bringt aber oft etwas als "Werbung" z.B. wenn es um Bitcoin geht...wird breit diskutiert und viele machen Ihre Meinung Kund wie gut man da investieren und gewinnen kann. Das bringt "Anfänger" oft dazu den Sch*** zu kaufen.
Außerdem macht Ihr auch viel Eigenwerbung und "Werbung" mit bestimmten Fonds die man "haben muss" - nur weil Ihr Provision bekommt.
Und wenn im Beitrag öfter mal die DiBa erwähnt wird wie toll die ist. Auch "Werbung" dann gebt Ihr den Artikel frei.

HEUCHLER !!!!


ING-DiBa

04.01.2018

Hallo Unterschlagen?, wir prüfen jeden Kommentar entsprechend unserer Hausregeln und der gestrige war doch eine ausgesprochene Werbung für ein bestimmtes Unternehmen. Daher haben wir entschieden, den Beitrag nicht einzustellen. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Unterschlagen?

04.01.2018

Hier wurde gestern morgen ein langer Text von mir eingegeben.
Bisher nicht ersichtlich. Diesmal doch unterschlagen oder
wird erst noch die Freigabe diskutiert bzw. geschwärzt?