Von Flugschein bis Versicherung

Was Drohnenpiloten wissen müssen | 16.06.2017

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Mindestens 400.000 Drohnen gibt es zurzeit in Deutschland. Und bis Ende 2017 könnte ihre Zahl nach Schätzungen der Deutschen Flugsicherung weiter wachsen – um bis zu 600.000. Die Hersteller bewerben ihre Fluggeräte gerne mit Formulierungen wie „Auspacken und losfliegen“. Ganz so einfach ist es aber nicht. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was macht Drohnen so reizvoll?

Ein Modellflugzeug in der Luft zu halten, ist für Anfänger alles andere als einfach. Und geht etwas schief, ist die teure Technik schnell kaputt. Multicopter stehen dagegen förmlich in der Luft und sind daher auch von Laien gut zu beherrschen. Außerdem sind sie extrem wendig und haben in der Regel eingebaute Kameras. Von Luftaufnahmen bis zum Hindernisparcours in großer Höhe lassen sie sich daher vielfältig einsetzen.

Was kostet der Spaß?

Einsteigermodelle gibt es schon für 50 bis 150 Euro. Einem Test der Zeitschrift „Computerbild“ zufolge sind die meisten sehr leicht und damit windempfindlich: Schon leichte Böen reichen, um die Billig-Drohnen aus der Bahn zu werfen. Ein Glück, dass sie relativ robust sind. Teure Profi-Multicopter für 600 bis 1.400 Euro seien zwar meistens empfindlicher, machen dafür aber bessere Fotos und Videos – teilweise sogar in 4K-Auflösung. Bei günstigen Drohnen dürfen Käufer dagegen nicht zu große Erwartungen an die eingebauten Kameras haben.

Darf ich mit einer Drohne überall fliegen?

Nein. Im Umkreis von Flughäfen haben Drohnen nichts verloren. Genauere Informationen dazu gibt es auf der Webseite der Deutschen Flugsicherung. Auch über Polizei- und Feuerwehrstationen, Krankenhäusern, Gefängnissen, Militär- und Industrieanlagen, Naturschutzgebieten, manchen Behörden und Straßen sowie über Menschenmengen gilt ein generelles Flugverbot. Über Wohngebieten dürfen Drohnen nur noch fliegen, wenn sie erstens nicht mehr als 250 Gramm wiegen und zweitens keine Kamera an Bord haben – oder wenn die jeweiligen Grundstückbesitzer dem Flug ausdrücklich zustimmen.

Wie hoch und weit darf meine Drohne fliegen?

In der Regel ist bei 100 Metern Schluss – höher aufsteigen dürfen Multicopter und vergleichbare Geräte laut Bundesverkehrsministerium nur auf einem Modellflugplatz. Für die Distanz zum Piloten gibt es keine feste Grenze, die Drohne muss aber stets in Sichtweite und -feld des Piloten bleiben. Manche Drohnenpiloten setzen beim Modellflug eine Videobrille auf, um die Manöver ihres Multicopters hautnah zu erleben. Das geht aber nur, wenn eine zweite Person aufpasst. Soloflüge per Videobrille sind nur mit ganz leichten Drohnen bis 250 Gramm und bis zu einer Höhe von 30 Metern erlaubt.

Brauche ich eine Art Flugschein?

Eine Erlaubnis ihrer Landesluftfahrtbehörde brauchen Drohnenpiloten nur, wenn das Gerät mehr als fünf Kilogramm wiegt oder wenn sie bei Nacht fliegen wollen. Für alle Drohnen ab zwei Kilogramm Gewicht benötigen Piloten aber künftig einen Kenntnisnachweis, etwa in Form einer gültigen Pilotenlizenz. Einfacher ist es, sich von einem Luftsportverein in der Nähe eine Einweisung geben zu lassen – schriftliche Bestätigung inklusive. Diese reicht als Kenntnisnachweis aus. Und: Alle Drohnen ab 250 Gramm Gewicht brauchen künftig eine Plakette, auf der Name und Adresse des Besitzer stehen.

Was halten Sie von Drohnen?

Was darf die Kamera in meiner Drohne fotografieren?

Das hängt vom Motiv ab. Wohngebiete und Privatgrundstücke sind als Flugzone ohnehin nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Bewohner erlaubt – das gilt dann auch für Aufnahmen und deren Veröffentlichung. Wer öffentliche Gebäude aus der Luft fotografiert oder filmt, sollte sich vorher an die zuständigen Behörden wenden, rät die Anwaltskanzlei Hoesmann. Filmaufnahmen von öffentlichen Events kann der Veranstalter erlauben oder verbieten, Aufnahmen von Menschen können das Recht am eigenen Bild verletzen. Hier sollten Drohnenpiloten also jeweils eine schriftliche Erlaubnis abholen.

Welche Strafen drohen?

Wer gegen Flugverbote und andere Auflagen wie etwa den Kenntnisnachweis verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss eventuell ein Bußgeld bezahlen. Seit Anfang 2016 verschicken die Behörden vermehrt derartige Bescheide, berichtet das Online-Portal heise.de. Fällig werden meist 300 bis 450 Euro – möglich sind aber bis zu 50.000 Euro. Besonders gemein: Um belangt zu werden, müssen sich Piloten nicht zwingend auf frischer Tat ertappen lassen. Berichten zufolge haben die Behörden Bußgeldbescheide auch schon aufgrund von Youtube-Videos gefilmt, die verbotene Manöver zeigen. Wer unerlaubt fotografiert oder filmt und die Bilder sogar veröffentlicht, muss darüber hinaus mit Schadenersatzklagen der Betroffenen rechnen.

Was für eine Versicherung brauche ich?

Drohnen stehen zwar in der Luft, können aber auch abstürzen und Schäden verursachen. Die reguläre Haftpflicht zahlt in solchen Fällen meistens nicht, warnt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Für Drohnen, bei denen es sich nicht eindeutig um Spielzeug handelt, sollten Piloten daher eine Luftfahrt-Haftpflicht abschließen – oder zumindest bei ihrem Versicherer nachfragen, ob die reguläre Haftpflicht Drohnen einschließt.

Darf ich mich gegen Drohnen wehren, die über meinem Grundstück schweben?

Theoretisch schon. Allerdings nicht mit Gewalt, also zum Beispiel per Steinwurf, erklärt die Kanzlei Hoesmann. Technische Abwehrmaßnahmen existieren zwar, sind aber noch in der Erprobungsphase – und vermutlich auch die sprichwörtliche Kanonenkugel auf Spatzen. Stattdessen rät die Kanzlei Hoesmann, das Gespräch mit dem Piloten zu suchen oder im Notfall die Polizei zu rufen.

Autor: ING-DiBa


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