Versicherungen für Paare und Familien

Wo lässt sich mit gemeinsamen Policen sparen? | 01.08.2018

Familie und Sicherheit

© Erin Lester - gettyimages.de

Aus zwei mach eins: Wer als Paar oder Familie einige Versicherungen zusammenlegt, kann Kosten für die Beiträge sparen. Dafür braucht es nicht mal eine Heiratsurkunde: „Es macht keinen Unterschied, ob man verheiratet ist oder nicht. Man muss nur einen gemeinsamen Wohnsitz haben“, erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Die Konditionen für gemeinsame Policen – auch Familienverträge genannt – sind oft günstiger als zwei Einzelverträge. In der Regel genügt es, den Versicherer über die neue Wohnsituation zu informieren und einen der beiden Verträge spätestens drei Monate vor Ablauf des Versicherungsjahres kündigen.
 
Aber: Das Paar-Prinzip funktioniert nicht bei allen Versicherungen. „Grundsätzlich gilt: Bei allen Personenversicherungen lässt sich als Paar nichts sparen, denn diese Policen sind eben nur auf eine bestimmte Person zugeschnitten“, sagt Boss. Dazu zählt beispielsweise die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Welche Versicherungen lassen sich als Paare überhaupt zusammenlegen?

  • Privathaftpflichtversicherung
  • Hausratversicherung
  • Rechtsschutzversicherung
  • Auslandsreisekrankenversicherung
  • Kfz-Versicherung
  • Risikolebensversicherung

Bei der Privathaftpflicht darf eine Klausel nicht fehlen

Die Haftpflichtversicherung zählt zu den wichtigsten Absicherungen. Hierin steckt ein großes Sparpotenzial: „Bei der Privathaftpflicht spart man als Paar einen ganzen Vertrag“, sagt Boss. Denn sobald zwei Partner unter einem Dach wohnen, können sie sich eine Versicherung teilen. In der Regel lasse sich die „jüngere“ Police problemlos vorzeitig kündigen. Manchmal kann der jüngere Vertrag aber günstiger sein und mehr Schutz bieten. Daher gilt: „Man sollte die Police nicht vorschnell kündigen, sondern genau prüfen, welcher der beiden Verträge besser ist“, sagt Boss.
 
Vorsicht: Beim Teilen der Privathaftpflicht lauert ein potenziell teurer Stolperstein. Unverheiratete Paare haben im Gegensatz zu verheirateten keine gegenseitigen Schadensersatzansprüche. Laut Verbraucherzentrale Bremen können dadurch riskante Lücken entstehen: Verletzen sich die Partner unbeabsichtigt, beispielsweise bei einer Fahrradtour, und einer der beiden muss ins Krankenhaus, kann dessen Krankenkasse die Behandlungskosten einfordern. Wer nicht verheiratet ist, sollte deshalb darauf achten, dass die gemeinsame Police eine Klausel enthält, worin Regressansprüche von Sozialversicherungsträgern, Sozialhilfeträgern, privaten Krankenversicherungen und Arbeitgebern mitversichert sind.

Hausratversicherung: Alles unter einem Dach

Zieht ein Paar in eine gemeinsame Wohnung, schrumpfen zwei Hausräten zu einem zusammen. Da liegt es nahe, den neuen Haushalt mit einer gemeinsamen Police zu versichern. Wichtig: Wer zusammenzieht hat am Ende oft einen größeren Hausrat und sollte deswegen daran denken, die Versicherungssumme anzupassen – sonst läuft man Gefahr, unterversichert zu sein, sagt Boss. Auch Silke Kursawe, Versicherungsexpertin bei Finanztip Verbraucherinformation, ermuntert zum Zusammenlegen: „Die Versicherung wird bei einer höheren Deckungssumme zwar erst einmal teurer, aber dafür entfällt ja der andere Vertrag und am Ende spart man trotzdem Beiträge.“

Gemeinsame Rechtsschutzversicherung möglich

Schnell kann sich ein größerer Streit mit dem Vermieter oder Arbeitgeber entwickeln. Damit die Anwaltskosten nicht in unermessliche Höhe steigen, kann eine Rechtsschutzversicherung absichern. Hat einer der Partner bereits eine Police, ist es möglich, den anderen mitzuversichern. Kursawe rät aber nicht immer zum Zusammenlegen der Rechtsschutzversicherung: „Paare müssen schauen, welche Bereiche in ihren Verträgen versichert sind. Falls unterschiedliche Bereiche abgedeckt sind, es ist manchmal auch am besten, beide Policen zu behalten.“ Denn wollen Versicherungsnehmer einen neuen Bereich wie etwa den Berufschutz in den Vertrag aufnehmen, müssen sie sich zunächst auf längere Wartezeiten einstellen, bis sie für diesen neuen Bereich Leistungen erhalten.

Mit einer Familien-Reisekrankenversicherung in den Urlaub

Damit der langersehnte Urlaub nicht zum finanziellen Desaster wird, ist ein Reisekrankenschutz sinnvoll und wichtig, denn die meisten Krankenkassen übernehmen im Ausland höchstens einen Teil der Kosten und selten einen Krankenrücktransport. Auch hier können Paare sparen: Einige Auslandsreisekrankenversicherungen können von einer Single-Police zu einem Familien-Vertrag geändert werden. Boss rät: Am besten einfach bei der Versicherung nachfragen. Laut Stiftung Warentest lohnt sich auch für kinderlose Paare ein gemeinsamer Vertrag.

Mitfahrer angeben bei der Kfz-Versicherung

Wer ein Auto besitzt, braucht in Deutschland auch verpflichtend eine Kfz-Haftpflichtversicherung. Teilt sich das Paar das Auto oder lässt gemeinsame Kinder hinters Steuer, können zwei einzelne Kfz-Versicherungen bei einem Anbieter zusammengelegt werden. Nicht vergessen: Alle Fahrer müssen der Versicherung gemeldet werden.

Zusammengelegte Risikolebensversicherung nur bedingt sinnvoll

Wenn der Verlust des Partners existenzbedrohende finanzielle Risiken mit sich bringt, kann der Abschluss einer Risikolebensversicherung sinnvoll sein. Aber: Wenn sich ein Paar gemeinsam absichert, zahlt die Versicherung nur einmal eine Summe aus, beispielsweise wenn beide Eltern bei einem Unfall sterben. Hier sollte genau überlegt werden, welche Police die richtige ist.

Fazit

Die Frage, wie viel sich letztlich beim Zusammenlegen von Versicherungen wirklich sparen lässt, kann nicht pauschal beantwortet werden: „Jede Versicherung und dazugehörige Lebenssituation ist so unterschiedlich, dass man keine genauen Angaben über die tatsächlichen Ersparnisse machen kann“, sagt Boss. Doch in vielen Fällen kann sich eine gemeinsame Police durchaus lohnen und der jüngere Vertrag problemlos gekündigt werden. Wie immer bei Versicherungen ist auch hier besonders wichtig: das Kleingedruckte lesen.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (0)