Fed und EZB

Wie Zentralbanken mit dem Leitzins unsere Welt verändern | 17.03.2017

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Wollten Sie schon immer mal wissen, warum Kredite zurzeit günstig und Sparzinsen niedrig sind? Wie die Entscheidungen der Zentralbanken auch Ihre Welt verändern, lesen Sie hier:

Die aktuelle Zinspolitik der USA

Die aktuelle Niedrigzinsphase betrifft bestimmt auch Sie: Als Darlehensnehmer schweben Sie aktuell im siebten Zinshimmel, wenn Sie Geld sparen, freuen Sie sich nicht so sehr.

Bei der Frage, warum die Zinsen aktuell so niedrig sind, hilft Ihnen ein Blick ins Jahr 2008. Die Finanzkrise in den USA hat ihren Höhepunkt erreicht und die US-Notenbank Fed versucht, durch das schrittweise Absenken des Leitzinses einen schnellen Verfall der Preise zu verhindern. Aufgrund der starken wirtschaftlichen Verflechtungen schwappt die Welle auch nach Europa über. Der Leitzins erreicht bald erstmals die historische 0-%-Marke.

Für 2017 deutet sich in den USA eine Zinswende an. In den letzten Jahren hat sich die Weltwirtschaft erholt. Durch die Ankündigung einer Investitions-Offensive des neuen US-Präsidenten könnte die US-Wirtschaft dieses Jahr noch stärker wachsen. Im Dezember 2016 erhöht die Fed den Leitzins erstmals und bestätigt ihre Entscheidung mit einer weiteren Erhöhung am 15.03.2017. Weitere Zinsschritte in diesem Jahr werden erwartet. Steigen nun auch bei uns bald die Zinsen?

Was bedeuten niedrige Zinsen für Sie?

Bei einem niedrigen Leitzins bekommen Sie günstige Kredite, Ihre Ersparnisse werden aber unattraktiv verzinst. Wie verhalten Sie sich also? Sie werden dazu neigen, Ihr Geld auszugeben. Durch Ihren Konsum wird die Wirtschaft angekurbelt und durch die höhere Nachfrage steigen die Preise. Für Unternehmen werden Kredite billiger, was Investitionen begünstigt.

Ein niedriger Leitzins kann also bedeuten, dass die Wirtschaft einen Wachstumsschub bekommt, ein hoher Leitzins hemmt den Konsum – die Wirtschaft ist bereits stark genug.

Wie beeinflusst die Fed Europa?

Wenn Sie sehen, dass die Zinsen in den USA steigen, wird es vielleicht attraktiv für Sie, Ihr Geld dort anzulegen. Sie fragen Dollar nach. Gehen viele Europäer so vor, steigt die Nachfrage nach Dollar – er erstarkt im Verhältnis zum Euro. Die jüngste Zinserhöhung hatten die Märkte allerdings bereits weitgehend eingepreist; außerdem äußerte sich Fed-Chefin Janet Yellen hinsichtlich zukünftiger Erhöhungen zurückhaltender als erwartet. So kam es zu der auf den ersten Blick kuriosen Situation, dass trotz der Zinserhöhung der Fed der Euro gegenüber dem Dollar zulegte.

Bei einem schwachen Euro wiederum ist es für amerikanische Abnehmer günstig, europäische Produkte zu kaufen. Der europäische Export steigt und die Wirtschaft erstarkt – sie muss nicht weiter angeregt werden. Niedrige Zinsen bringen nicht mehr den gewünschten Effekt. Im Gegenteil, je niedriger der Zins, desto mehr konsumieren Sie und die Preise steigen – womöglich auch über die Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp unter 2% hinaus.

Um das zu verhindern, könnte die EZB die Zinsen erhöhen. So ist es für Sie wieder lukrativer, Ihr Geld auf einem Sparkonto anzulegen und Sie geben weniger aus. Eine Zinserhöhung durch die EZB wird aber von Experten in absehbarer Zeit nicht erwartet.

Wie wird Geldpolitik gemacht?


Für die Geld- und Währungspolitik der USA ist der Offenmarktausschuss (FOMC) der Federal Reserve zuständig. Der FOMC trifft sich regulär achtmal im Jahr. Über die zukünftige Geldpolitik und den Leitzins in Europa entscheidet der Rat der Europäischen Zentralbank, der seine Beschlüsse alle sechs Wochen auf einer Pressekonferenz bekannt gibt.

Nachdem Sie die Zentralbanken jetzt vielleicht besser verstehen, fiebern Sie doch einfach selbst mit: Die nächste Entscheidung des FOMC steht am 03.05.2017 an, der EZB-Rat lädt am 27.04.2017 zur Pressekonferenz ein.

Autor: ING-DiBa



Ihre Meinung

Kommentare (10)


Kommentare

Nvckel, Harald

03.10.2017

Es ist eine Sauerei, dass die Zinsen so niedrig sind. Vor allen, da die Bundesregierung mit der Riesterrente und der privaten Vorsorge den Sparer enteignet. Es rächt sich jetzt, dass die gesetzliche Rente heruntergestuft wurde. Die Rente seien nicht mehr sicher, so das Argument der Politiker, insbesondere der SPD-Regoierung. Die Finanzkrise hat aber gezeigt, wie fragwürdig solche private Vorsorge ist.


tgv

21.09.2017

@Chris:
Ich glaube nicht, dass Dummheit die Welt regiert, sondern es Leute sind, die über die Maßen gierig sind, Andere und die Allgemeinheit schädigen um ihre Großvermögen aufzubauen, die sie in KEINEM Leben ausgeben können. Es ist die Gier dieser Leute/Institutionen/Firmen, die inzwischen die Welt regieren – nicht mehr die Politik. Die hat nichts mehr zu bestellen!
Das leider kürzlich verstorbene CDU-Mitglied Heiner Geißler schreibt in seinen letzten Büchern vom Kapitalismus, der in Deutschland Einzug gehalten hat. Auf Nachfrage sagt er, dass die Soziale Marktwirtschaft, gehalten hat. Auf Nachfrage sagt er, dass die Soziale Marktwirtschaft, Geschichte sei und in den 1980ern vom Kapitalismus, der reinen Lehre, abgelöst wurde. U. a. auch mit Hilfe des „Sozialdemokraten“ Schröder ab 1998.
Zustimmen kann ich der Aussage, dass durch diese Politik, der „Dumme immer der Kunde“ - oder - der "Normalverbraucher“ (oder „die Mitte", ...). ist.
Leider wird sich unter den jetzt regierenden Parteien an diesen Zuständen nichts ändern – im Gegenteil: Es wird noch schlimmer kommen.
Ich selbst habe nichts gegen Menschen mit Vermögen – bin selbst von einer Armut weit entfernt. Aber das zunehmende Ungleichgewicht zwischen Vermögenden und Armen ist sozialer Sprengstoff. Auch „Vermögende“ sollten die Pflicht empfinden, etwas an die abzugeben (wenn die Politik unfähig ist entsprechende Abgaben zu verordnen), mit denen es das Schicksal nicht so gut gemeint hat.
Ich allein kann die Welt nicht retten – aber gebe von meinen Mitteln freiwillig etwas ab und werde dennoch nicht „arm“!


siegfried dondl

27.03.2017

der Niedrigzins hat nur 2,allerdings gewichtige Gründe
1) Hr Schäuble kann weiter auf einen ausgeglichenen Haushalt spekulieren
2)Frankreich, Italien und Spanien können auch in Zukunft Ihre
verfehlte und gefährliche Schuldenpolitik weiterführen

der deutsche Sparer wird bald begreifen,dass er der Finanzier
eines maroden Europakurzes ist
die fetten Jahre sind wohl bald vorbei
und die deutschen Arbeiter werden den verantwortlichen
Parteien am Wahltag die rechten Augen öffnen
bedauerlich ist eigentlich nur der Verlust jeglicher sozialen und demokratischen Verordnung


Chris

24.03.2017

Jedoch bewirkt eine Preissteigerung gerade das Gegenteil. Statt einer erhöhten Nachfrage kommt es zu einem Rückgang der Nachfrage. Dies wiederum hat einen Umsatzrückgang zu Folge, welcher eine Gewinnschmälerung nach sich zieht. Dies versucht man durch Kosteneinsparung bzw. Preiserhöhung zu kompensieren.

Das alles nur, weil die oberen Konzernbosse und Firmenchefs einfach nicht genug bekommen können. Haben schon Kohle ohne Ende und wollen immer noch mehr haben.


Chris

20.03.2017

Der dumme immer der Kunde. Dummheit regiert die Welt.


Bernd

20.03.2017

Die FED wurde 1913 von Privatpersonen gegründet und gehört weiterhin Privatpersonen, die ihre eigenen Interessen verfolgen und Geld mittlerweile aus dem "Nichts" erzeugen.
Es ist ein Schuldgeld-System, das durch nichts gedeckt ist und nur auf Vertrauen basiert. Beim Euro ist dies nicht anders.
Die letzten "Zentralbanken" (was für ein Name, wenn man weiß, wem diese gehören und wie sie funktionieren) nach amerikanischem Vorbild wurden für den Interessierten in Afghanistan, Irak und Libyen installiert... Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Syrien ist wahrscheinlich der nächste Staat mit ähnlichem Zentralbanksystem.


KB

20.03.2017

Netter Erklärungsversuch für "Geld- und Währungspolitik" wie man das eben aus der Schule kennt.
Leider haben die Entscheidungen der Zentralbanken, bedingt durch Risikopolitik, nachträgliches "Krisenmanagement" statt Krisenvermeidung, üble Auswirkungen auf ganze Wirtschaftszweige und die damit verbundenen Personen.
Hier werden durch EZB-Politik die Bausparkassen und die Träger von Renten- und Lebensversicherungen massiv geschädigt. Die Unternehmen und ihre Kunden schauen in die Röhre, deren anderes Ende noch nicht in Sichtweite ist.


Uwe Land

19.03.2017

Durch die Ankündigung einer Investitions-Offensive des neuen US-Präsidenten könnte die US-Wirtschaft dieses Jahr noch stärker wachsen

Kommentar: Systembegründet wird der Name des lieben Donald Trump bei zunächst positiv wahrnehmbaren Nachrichten strategisch "vergessen"!

Demnach darf der liebe Donald Trump auch mal vergessen der ehemaligen Stasi Funktionärin IM Erika im Rahmen ihrer Einbestellung nach Washington D.C.
einen Handschlag zur Begrüßung zu geben!


SK

18.03.2017

"Im Dezember 2016 erhöht die Fed den Leitzins erstmals und bestätigt ihre Entscheidung mit einer weiteren Erhöhung am 15.03.2017"

Die erste Erhöhung der Federal Funds Rate nach der Finanzkrise erfolgte bereits im Dezember 2015.


DEUS

17.03.2017

Die FED ist ein Betrüger an der Druckmaschine der Papier druckt welches nichts wert ist und andere Länder sind durch die NOCH Dollarbindung gezwungen bei sich als Reserve dieses Papier zu lagern. Wenn nicht bald ein Krieg losbricht am besten von 2 Atommächten wie China.Russland,Nordkorea ist der Dollar am a.... bei 20 Billionen US schulden die Täglich wachsen müsse die Amis das System neustarten. Dollar kaputtgehen lassen und neue währung her. Restart vom Finanzsystem auf Kosten Millionen von Leben ist für die FED und EZB in ordnung.