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Wenn es ohne Visum nicht geht | 26.03.2018

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© opolja - istock.com

Mit einem deutschen Reisepass genießen Reisende eine privilegierte Position: Deutsche können in 177 Länder einreisen, ohne ein Visum beantragen zu müssen. Und dennoch: Wer in ein ihm unbekanntes Land reist, sollte sich über die Visafrage informieren. „Erste Anlaufstelle kann immer die Homepage des Auswärtigen Amtes sein, wo aktualisierte Reise- und Sicherheitshinweise zum jeweiligen Reiseland für deutsche Staatsbürger veröffentlicht sind”, sagt Katrin Heinzel von der Visum-Agentur Servisum in Berlin.

Wovon die Expertin abrät, ist Einreiseinformationen einfach zu „googlen“: „Wer beispielsweise nur die Stichworte ‘Indien Visum online beantragen’ in das Suchfeld eingibt, stößt auf eine Flut von Internetseiten. Für einen Laien ist es hier schwierig, offizielle Seiten zu finden”, sagt Heinzel. Vielmehr drohe die Gefahr, auf Falschaussagen und Abzocken herein zu fallen.

Andere Länder – viele andere Sitten

Immer mehr Staaten digitalisieren ihre Visaerteilung. Das verschlankt die Verwaltung. Ebenso ist ein elektronischer Visumantrag im Regelfall schnell und einfach gestellt. Aber: Der Visa-Dschungel kann wirr sein, und die Vorschriften ändern sich ständig. Jedes Land hat seine Besonderheiten. „Für Kenia beispielsweise kann man das Visum entweder online beantragen oder nach Ankunft auf dem Flughafen kaufen – eine reine Formalie“, sagt Heinzel.

Viele große Reiseländer haben die Antragstellung für Visa an Vertragsunternehmen vergeben – wie zum Beispiel China. Deutsche Touristen müssen sich an eine offizielle Visaagentur wenden. Generell würden Anträge, die über Agenturen gestellt werden, meist schneller bearbeitet als andere, sagt Heinzel: „Schon deswegen, weil die von Agenturen ausgefüllten Formulare keine Fragen offenlassen.“ Außerdem habe man Kontakte zu Botschaften und Konsulaten entwickelt.

Elektronische Visa – nicht ohne Gebühr

Wer sich im Dschungel der Visa-Anträge unsicher fühlt, kann eine Agentur beauftragen – mit einem oftmals überschaubaren Aufpreis. Die Kunden solcher Agenturen sind vor allem Geschäftsleute, die unter zeitlichem Druck stehen oder als Kreuzfahrtreisende gleich mehrere Visa brauchen. Und noch eine andere Zielgruppe nutzt den Service von Visum-Agenturen: „Die ältere Generation tut sich da oft schwer”, sagt Heinzel. „Manche haben auch Angst, dem Internet persönliche Daten anzuvertrauen.”

Ob auf eigene Faust oder mit Unterstützung von Profis: Ist das Antragsformular ausgefüllt, ist eine Gebühr fällig, die von Land zu Land variiert. Ein elektronisches Visum zum Beispiel für Indien ist vier Monate gültig und kostet 50 US-Dollar (ca. 40 Euro). Sind die Gebühren bezahlt, erhält der Antragsteller eine Bestätigung per E-Mail. Diese müssen Reisende nach der Ankunft auf dem Flughafen vorzeigen. Ein indischer Grenzbeamte etwa gleicht dies dann mit den Informationen auf seinem Bildschirm ab.

So ähnlich funktionieren auch die ESTA-Einreisegenehmigung für die USA oder die eTA-Genehmigung für Kanada. ESTA und eTA sind zwar keine Visa – fühlen sich aber so an: Beide müssen unbedingt vor Antritt der Reise beantragt und bezahlt werden. „Die Airline würde Sie ohne ESTA-Genehmigung oder Visum gar nicht transportieren. Falls doch würden Sie bei ihrer Ankunft vermutlich von den Immigration Authorities festgehalten und unter Auflagen des Landes auf eigene Kosten wieder verwiesen werden”, sagt Heinzel.

Einreise-Genehmigungen nach Kanada und in die USA im Überblick:

  • ESTA (USA): Die Genehmigung ist zwei Jahre gültig und kostet 14 US-Dollar (ca. 12 Euro).
  • eTA (Kanada): Hier ist die Genehmigung fünf Jahre gültig und kostet 7 Kanada-Dollar (ca. 5 Euro).

Visum ist keine Einreisegarantie

Doch aufgepasst: Ein gültiges Visum garantiert nicht automatisch die Einreise in ein Land. Die Entscheidung über die Einreise trifft immer der diensthabende Grenzbeamte am Zielort. „Das Visum berechtigt zur Reise zum Zielort, aber nicht zur Einreise”, sagt Alexander Braun vom Visa Dienst Bonn.

Es könne begründete, aber auch nicht nachvollziehbare Ursachen haben, dass ein Grenzbeamter trotz Visums die Einreise verweigert. Hat ein deutscher Tourist beispielsweise vor der Einreise in die USA seine Passnummer falsch in das ESTA-Formular eingetragen – etwa statt der Null den Buchstaben O – kann der Antrag vor Ort nicht aufgerufen oder zugeordnet werden. Im schlimmsten Fall müssen Reisende auf eigene Kosten wieder die Heimreise antreten.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (3)


Kommentare

Claus

31.03.2018

Im Fallle Indien verlasse ich mich nicht auf das E-Visum und beantrage lieber über die Botschaft. Ich habe schon zwei mal erlebt, dass die Daten des E-Visum nicht im Rechner am indischen Flughafen ablesbar waren. Wartezeiten bei der Einreise von über einer Stunde waren dann normal. Im Pass eingeklebtes Visum führt i.d.R. zur vereinfachten Einreise.


ING-DiBa

27.03.2018

Hallo Nick, die Information zur Einreisegenehmigung für die USA, so wie es im Text steht, ist korrekt. Selbst ein gültiges US-Visum gleicht nicht einem Rechtsanspruch auf die tatsächliche Einreise in die USA, sondern berechtigt nur für den Reiseantritt bis zur Einreisestelle. Das letzte Wort (ob und wie lange man einreisen kann) hat immer der Grenzbeamte vor Ort, egal ob ESTA-Genehmigung oder Visum. Wir hoffen, wir konnten alle Unklarheiten klären. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Nick

26.03.2018

Die Tatsache, daß der deutsche Tourist mit ESTA-Einreisegenehmigung für die USA trotzdem bei der Ankunft in USA von der Immigration an der Einreise gehindert werden darf war mir bekannt. Andrerseits war ich jedoch informiert, daß einem dies mit einem gültigen US-Visum eben gerade nicht passieren könnte. Stimmt das doch nicht ?