Frischer Wind in der DAX-Familie

Deutsche Börse baut im September ihre Indizes um | 06.09.2018

Paar beim Onlineshopping

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Es ist die größte Reform seit vielen Jahren, mit der die Deutsche Börse in diesem Monat ihre Index-Landschaft neu strukturiert. Der deutsche Leitindex, der noch im Juli seinen 30. Geburtstag gefeiert hatte, bildet auch weiterhin die Wertentwicklung der 30 nach Freefloat und Marktkapitalisierung größten Aktiengesellschaften des Landes ab. Bei den Titeln der zweiten und dritten Reihe sah die Deutsche Börse allerdings Handlungsbedarf. Zukünftig wird die Trennung zwischen Tech und Classic, also zwischen den Technologiegesellschaften und den klassischen Industriezweigen aufgehoben. Aktien von Unternehmen, die bislang ausschließlich im Technologie-Index TecDAX notiert waren, können fortan auch in den MDAX und SDAX aufgenommen werden. Darüber hinaus können auch DAX-Unternehmen, die den Technologie-Sektoren zugeordnet sind, in den TecDAX aufgenommen werden.

Mit der Neustrukturierung werden die Indizes zugleich breiter aufgestellt, um einerseits die Liquidität und Handelbarkeit sicherzustellen, andererseits aber auch allzu große Anpassungen zu vermeiden. So werden im MDAX, der seit 1996 die 50 größten und börsenumsatzstärksten Unternehmen nach dem DAX enthält, künftig 60 Titel notiert sein. Die Zahl der Werte im SDAX, 1999 ins Leben gerufen und Index für die größten und börsenumsatzstärksten Werte unterhalb des MDAX, steigt von bislang 50 auf 70. Beide Indizes bilden nun einen breiteren Querschnitt durch die deutsche Wirtschaft. Der TecDAX wird auch weiterhin aus jeweils 30 Mitgliedern bestehen, verliert allerdings seine Exklusivität als Technologiebarometer und dürfte in Zukunft wohl vor allem von den Marktschwergewichten aus DAX und MDAX dominiert werden.

Spicken erlaubt

Wer schon einmal vorausschauen möchte, wie sich das neue Regelwerk in der Praxis auswirkt, kann auf der Webseite der Deutschen Börse die sogenannten Schattenindizes unter die Lupe nehmen, die von der Börse zu Informationszwecken seit dem 18. Juni berechnet werden. Sie bilden fiktiv die Indizes MDAX, SDAX und TecDAX nach den neuen Regeln ab und greifen für die Zusammensetzung auf die Daten vom Mai 2018 zurück. Umgesetzt werden die im Mai dieses Jahres beschlossenen Änderungen dann am 24. September. Bereits am 5. September informiert die Deutsche Börse darüber, wie sich die Indizes ab diesem Zeitpunkt zusammensetzen werden.

In Stein gemeißelt ist die Vergabe der begehrten Index-Plätze indes nicht: Halbjährlich werden MDAX, SDAX und TecDAX im März und September nach festgelegten Regeln vollständig automatisiert überprüft. Im Juni und Dezember sind Indexanpassungen auf Basis der „Fast Entry“- und „Fast Exit“-Regeln möglich, mit denen auf signifikante Verschiebungen in den Ranglisten reagiert werden kann. Einmal pro Jahr im September findet die ordentliche Anpassung für den DAX statt, für den auf absehbare Zeit ebenfalls weitreichende Änderungen anstehen könnten. Mit lediglich 30 Indexmitgliedern hat die größte Volkswirtschaft Europas einen kleineren Index als viele andere europäische Länder, weshalb bereits über eine Aufstockung des deutschen Vorzeigeindex auf 40 oder gar 50 Werte diskutiert wird. Konkrete Pläne hierzu gibt es bislang allerdings noch nicht.

Autor: ING-DiBa


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Kommentare (1)


Kommentare

Dr. Bärbel Knödler

18.10.2018

schade, dass man das Ergebnis einer Umfrage nur erfährt, wenn man eine Antwort ausgewählt hat. Im heutigen Fall traf z.B. keine Antwort auf mich zu.