Geld macht glücklich

Es kommt nicht darauf an, wie viel Geld Sie ausgeben, sondern wie Sie es ausgeben | 03.11.2017

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© Strandperle GmbH – iStock.com

Viele von uns kennen das Zitat „Glück kann man nicht kaufen”. Die Forschung stützt diese These: Ab einem bestimmten Mindestbetrag bedeutet mehr Geld nicht unbedingt mehr Glück. Einige Wissenschaftler sind jedoch der Ansicht, dass es nicht auf die Höhe der ausgegebenen Summe ankommt, sondern vielmehr darauf, wofür das Geld ausgegeben wird. Das kann unser Glücksempfinden nämlich stark beeinflussen.

Die Psychologen Elizabeth Dunn, Dan Gilbert und Timothy Wilson behaupten: „Wenn Geld Sie nicht glücklich macht, geben Sie es vermutlich nicht richtig aus“.

In ihrer unter demselben Titel (auf Englisch „If money doesn’t make you happy, then you probably aren’t spending it right”) veröffentlichten Forschungsarbeit führt das Trio acht Strategien auf, die Sie beim Geldausgeben im Hinterkopf haben sollten, um glücklicher zu werden.

1. Kaufen Sie Erlebnisse statt Dinge

Wenn wir uns an etwas gewöhnen, lässt unsere Freude darüber nach. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass sich Menschen im Allgemeinen schneller an materielle Dinge gewöhnen, z.B. an ein neues Sofa als an Erlebnisse, beispielsweise einen Tischlerkurs.

Wir freuen uns stärker auf Erlebnisse als auf Materielles und erinnern uns intensiver daran. Kennen Sie die Vorfreude auf ein Konzert oder im Nachgang die Erinnerungen an einen schönen Urlaub? Zusätzlich teilen wir sie oft mit anderen Menschen und das macht doppelt glücklich.

2. Helfen Sie anderen, nicht sich selbst

Es gilt als gesichert, dass es uns glücklicher macht, Geld für andere Menschen auszugeben oder es für wohltätige Zwecke zu spenden als davon Rechnungen zu bezahlen oder uns selbst etwas zu kaufen.

Dazu gaben Forscher einigen Menschen Barbeträge von bis zu 20 US-Dollar, die sie für sich selbst oder für andere ausgeben durften. Eine Befragung der Teilnehmer ergab, dass diejenigen, die ihr Geld für andere ausgegeben hatten, sich durchschnittlich glücklicher fühlten.

3. Gönnen Sie sich viele kleine Vergnügen, anstelle weniger großer

Da wir uns an Anschaffungen schnell gewöhnen, kann es sinnvoller sein, statt einer großen Anschaffung sein Geld auf mehrere kleine Vergnügen aufzuteilen. Damit schaffen Sie viele neue Glückserlebnisse.

In einer Studie aus dem Jahr 2008 gaben Forscher den Teilnehmern entweder eine lange oder zwei kürzere Massagen, zwischen denen eine Pause von 20 Sekunden lag. Die Gruppe, die zwei kürzere Massagen erhielt, war insgesamt zufriedener und auch bereit mehr Geld dafür auszugeben, obwohl sie aufgrund der kürzeren Gesamtdauer eine objektiv schlechtere Massage bekam. Wenn Sie also Ihren großen Jahresurlaub planen, probieren Sie zwei kurze Urlaube aus. Das kann den Glückseffekt verstärken.

4. Schließen Sie nur Versicherungen ab, die Sie wirklich brauchen

Wir versichern uns, um uns vor möglichen Problemen zu schützen. Ab einem gewissen Punkt können Versicherungen jedoch über das Ziel hinausschießen. So wie wir uns an schöne Dinge gewöhnen, gewöhnen wir uns auch an Unannehmlichkeiten. Spielt also beispielsweise der Fernseher verrückt, gewöhnt sich der Besitzer tatsächlich schnell an den kaputten Knopf auf der Fernbedienung oder an die Probleme mit der Lautstärkeregelung.

Studien zufolge haben wir mehr Freude an etwas, wenn wir nicht die Möglichkeit haben es auszutauschen. Überlegen Sie sich im Vorfeld, ob sich teure Garantien oder ein Umtauschservices tatsächlich lohnt.

5. Sofort bezahlen, später konsumieren

Der umgekehrte Slogan „Jetzt kaufen, später zahlen” ermutigt uns zu finanziell kurzsichtigem Handeln. Bezahlen Sie lieber sofort. Das vermeidet nicht nur Schulden und eventuelle Rückzahlungsschwierigkeiten, sondern kann auch Ihr Glücksgefühl steigern. Zum einen müssen Sie sich keine Gedanken mehr über die spätere Rechnung machen, zum anderen gewinnen Sie durch das Zahlen im Voraus Zeit, um sich auf das Erlebnis zu freuen. Denn Vorfreude macht glücklich, manchmal sogar mehr als das Erlebnis selbst.

6. Bedenken Sie, was Sie nicht bedenken

Wir sind nicht gut darin unsere emotionale Reaktion auf zukünftige Ereignisse vorherzusehen. Darum können wir oft schlecht beurteilen, wie sehr sich eine Anschaffung wirklich lohnen und wie viel Glück sie uns bereiten wird. Das liegt unter anderem daran, dass wir uns zu sehr auf bestimmte Aspekte konzentrieren.

Sie glauben vielleicht, dass Sie beispielsweise ein größeres Haus glücklich machen wird, denken dabei aber vermutlich nicht an die ganz banalen Herausforderungen eines größeren Hauses, z. B. Folgekosten oder die mehr zu putzende Fläche. Wenn Sie auch solche Details berücksichtigen, können Sie besser beurteilen, ob Ihre Pläne wirklich zu einem glücklicheren Leben führen werden.

7. Schwimmen Sie ruhig ab und zu mit dem Strom

In Finanzangelegenheiten kann es teuer werden, der Masse zu folgen. In anderen Situation kann die Meinung der Masse tatsächlich hilfreich sein. Bewertungen von Produkten zum Beispiel können uns oft eine bessere Vorstellung vermitteln als eine Auflistung objektiver Produkteigenschaften. Und warum ein Buch kaufen, nur weil der Autor viele Literaturpreise gewonnen hat? Lesen Sie sich lieber die Kundenbewertungen zum Buch. Das kann hilfreicher sein.

8. Übertreiben Sie es nicht mit dem Vergleichen

Wenn wir einkaufen gehen und Produkte vergleichen, tun wir das in einer anderen Situation als der, in der wir die Produkte dann einsetzen. Im Laden mag es wichtig erscheinen, dass eine Kamera mehr Megapixel hat als eine andere. Aber im Urlaub sind Sie vielleicht einfach nur froh, eine Kamera dabei zu haben, mit der Sie Ihre Schwester beim Füttern eines Papageis knipsen können. Das bedeutet nicht, dass Sie nicht nach dem besten Angebot schauen sollten. Es kann helfen sich beim Vergleichen nicht in Details zu verlieren. Denken Sie besser darüber nach, was Sie überhaupt von einer Anschaffung erwarten.

Manche Menschen zweifeln daran, ob Geld überhaupt glücklich machen kann. Andere sind überzeugt, dass Sparsamkeit eher für mehr Glücklichsein sorgt.

Die Wissenschaftler Joseph Chancellor und Sonja Lyubomirsky führen mehrere Studien an, laut derer sich materialistische Menschen unglücklicher und unfähiger fühlen und schlechtere soziale Beziehungen haben als sparsame Menschen. Und viele Dinge und Erlebnisse, die uns glücklich machen, sind ohnehin nicht für Geld zu haben.

Aber der Grundgedanke ist auch nicht, mehr Geld auszugeben, sondern es anders auszugeben. So machen Sie das meiste aus Ihrem Geld, wenn es um Ihr Glück geht.

Autor: Aneta Meyer


Ihre Meinung

Kommentare (7)


Kommentare

Anton

21.11.2017

Habe heute den Wohlstandsreport von ARD gesehen, kam gestern. Kann man sicher in Mediathek ansehen.

Bei Netto 1.064 Euro im Monat ist man armutsgefährdet.
Bei Netto 1.774 Euro im Monat ist man in der Mitte.
Bei Netto 3.654 Euro im Monat ist man Vermögend.
Ich bin jetzt erst wieder mit ca. 1.864 Euro im Monat Netto in der Mitte.
Hatte schon 1.000 Euro, war also armutsgefährdet.

Heute kann es schnell gehen...nach unten...nach oben eher langsamer bis sehr schwer.
11 Jahre hatte ich 700 bis 1.300 Euro, mal mehr, mal weniger....

Also so gesehen macht Geld erst ab 1.800 Euro im Monat glücklich, da kann man im Augenblick davon leben.
Schön wären 2.200 bis 2.500 Netto im Monat.


Hannes

13.11.2017

Geld zum ausgeben macht auch nur glücklich, wenn man welches zum ausgeben übrig hat.
Geld macht auch nur glücklich, wenn man für Notfälle 5.000 bis 15.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto für schnelle Fälle zur Verfügung hat.
Das Ansparen dauert wenn man mtl. 25, 50 oder vielleicht sogar 100 Euro zurücklegen kann ewig...nehmen wir mtl. mal 100 Euro - einfacher zu rechnen, dann sind es bei 5.000 Euro ja 50 Monate und das sind 4,17 Jahre. Wenn bis dahin was kaputt geht oder schnell anfällt, fällt man zum sparen wieder zurück.
Das einzige was einem da helfen kann ist mtl. Sparplan in eine Aktie und das die dann regelmäßige gute Dividende gibt und auch im Kurs gut steigt.
Dann könnte man die Zeit auf 2,5 bis 3 Jahre verkürzen.


Jens Müller

07.11.2017

@Pesto

Da stimme ich Dir zu, fahre selber einen Toyota Hybrid RAV4 und der macht viel Freude.

@Eddie

Danke für den Hinweis. Es fehlen allerdings auch noch viele andere wichtige Versicherung - je nach dem, deshalb schrieb ich am Ende nur noch "etc. etc."
z.B. hast Du Haustiere bzw. "größere" wie ein Pferd, sollte man hierfür eine Krankenversicherung abschließen und falls "bissiger" Hund für den Hund eine Schadens- / Beißübernahmeversicherung (keine Ahnung wie die genau heißt). Könnte auch in die private Haftplicht fallen, womöglich mit Zusatz.

@ Olli

Sehr richtig, allerdings darauf achten, dass wenn man in Rente geht oder gehen muss sofort kündigen :-)

Olli, die private Rentenversicherung auf Fondsbasis legt so viel an Geld zurück bzw. erwirtschaftet viel mehr als alles andere, das Du Steueränderungen getrost vergessen kannst.
Selbst wenn später mal 90% der Staat einbehalten sollte, hast Du sicherlich mehr als einer der einen Banksparplan oder ähnliches gemacht hat, selbst da greift der Staat oder so zu.

De Facto: Willst Du Rente haben musst was machen, so oder so wie Du sagst...bist gear**** oder auch nicht.

Und selbst wenn ein (Mindest-)Rente angerechnet wird, bei der privaten ist es Dein Privatvermögen...wenn Du jahrelang einzahlst...z.B. für Dein Kind und Dein Kind weiter spart...kannst auf die gesetzliche Rente später verzichten!
Man sollte sparen und zusehen, dass man sich eine Immobilie leisten kann. Allerdings gibt es dann wieder viele andere Kriterien:
- Man muss oder möchte woanders arbeiten.
- Staat baut Straße oder so oder was anderes direkt in der Nähe oder
dort wo das Haus steht. Wer nicht weg will wird enteignet usw.

100% Risikolos ist gar nichts. Aber gar nichts tun oder zu wenig ist sehr falsch.


Olli

06.11.2017

Berufsunfähigkeitsversicherung!
Teuer aber wichtig.

Private Rentenversicherung? Da bin ich sehr skeptisch. Die Chance in 30 Jahren bei der Auszahlung benachteiligt zu werden steht gut. Wer weiß was bis dahin für eine Regierung an der Macht ist und welches Steuersystem bis dahin aktuell ist. Selbst heute haben sich Geringverdiener mit einer privaten Rentenversicherung selbst ins Knie geschoßen, weil diese bei der Mindestrente mit angerechnet wird.


Eddie

04.11.2017

Danke, Jens Müller, für die Auflistung. Die wichtigste Versicherung fehlt allerdings: Die Privathaftpflicht


Pesto

03.11.2017

Guter Beitrag, regt zu Diskussionen an.
Auch materielle Dinge können glücklich machen. Mein Auto, ein Hybrid, macht mich nach fast 2 Jahren immer noch glücklich. An meiner Wohnungs -Einrichtung freue ich mich täglich, ich fühle mich wohl.
Zudem gibt es auch Erlebnisse, an die man lieber nicht erinnert werden möchte. Grundsätzlich macht es doch glücklich, einen guten Deal gemacht zu haben.


Jens Müller

03.11.2017

Zu Punkt 4:
Schließen Sie nur Versicherungen ab, die Sie wirklich brauchen

Woher weiß man was man braucht und was nicht?

Zum Beispiel:

Unfallversicherung - wichtig.

Hausratversicherung - wichtig.

Lebensversicherung - nicht mehr relevant, da keine gut verzinste und steuerfreie Kapitalversicherung -> jetzt am Besten nur Risikolebensversicherung um Familie ab zu sichern.

Rechtschutzversicherung (Berufs-, Verkehrs-Privatrecht) - wenn man Arbeitgeber nicht so recht verklagt, kann Berufsrecht weg fallen. Verkehrsrecht, halbe halbe und Privatrecht sollte man zur Abwehr auf jeden Fall haben, zum verklagen...schwierig.

Sterbegeldversicherung - absoluter Humbug.

Autoinsassenversicherung - absoluter Humbug.

Haftplichtversicherung Auto - vorgeschrieben!

Teilkaskoversicherung Auto - sinnvoll.

Vollkaskoversicherung Auto - bei teuren oder neuen Autos sinnvoll, später? Hm...

Pflegeversicherung - gute Frage...schließt man sie richtig ab, in der richtigen Höhe und wenn es mal so weit sein sollte - zahlt die auch? Reicht die Zahlung? -> kann man alles noch nicht beantworten.

Private Rentenvorsorge (am besten auf Fondsbasis - man partizipiert am Anlageerfolg - Wachstum) - sehr sinnvoll in der Rentenlage.

Riester Rente - teils teils...nach ein paar Jahren kam raus, das diese nicht für alle Sinnvoll ist und wenn dann auch auf Fondsbasis (Banksparpläne bringen bei der Zinslage nichts).

Ausbildungsversicherung - Humbug.

Versicherung für Smartphone - Humbug, außer man ist so doof und kauft sich nur noch Apple -> neuester Preis: 1.200 Euro - HALLO!!! Das ist für viele heut zu tage ein Monatslohn.

etc. etc.

So und nun, wenn man alle wichtigen und die ein oder andere sinnvolle Versicherung nimmt. Dann kommt man auch schon auf ein viele Euros die man zahlen muss.

Viele sparen an Versicherungen, weil sie nicht so viel verdienen...aber hier spart man falsch...ein Schaden kann heute einen in Hartz IV und Privatinsolvenz treiben.