Besserer Schutz im Schadensfall

Mit Inventarlisten bei der Hausratversicherung sparen | 10.11.2017

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Egal ob durch Wasser oder durch Feuer – Schäden am Hausrat können schnell teuer werden. Erstattet werden solche Schäden von einer Hausratversicherung. Sie übernimmt die Kosten in Höhe der vereinbarten Versicherungssumme. „Diese muss aber dem Wert des Hausrats entsprechen“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Und diesen Wert müssen Sie als Versicherungsnehmer selbst ermitteln.
 
Während Sie bei einer Überversicherung mehr zahlen, als eigentlich nötig ist, liegt die Versicherungssumme einer Unterversicherung unter dem Wert Ihres Hausrats. Im Fall eines Schadens werden Ihnen also nur Teile der Kosten erstattet. Um die richtige Versicherungssumme festzulegen, haben Sie verschiedene Möglichkeiten.

1. Schema F für Faule

Viele Versicherer bieten die Möglichkeit, die Versicherungssumme nach Quadratmetern zu berechnen. Eine übliche Faustformel sind beispielsweise 650 Euro pro Quadratmeter. Bei einer 80 Quadratmeter großen Wohnung liegt die Versicherungssumme also etwa bei 52.000 Euro. Das kann aber problematisch werden, wenn der Hausrat sehr hochwertig, die Wohnung aber sehr klein ist. „In einem solchen Fall ist es sinnvoller, den Hausratwert individuell zu ermitteln“, erklärt Bianca Boss. Der Hightech-Freak zum Beispiel, der auf 20 Quadratmetern Schätze aus Metall und Kunststoff anhäuft, wäre nach Schema F unterversichert. Der Bewohner eines WG-Zimmers dagegen, dessen Mobiliar aus Second-Hand-Läden und Omas Restekiste besteht, zahlt bei einer Pauschalsumme drauf.

2. Einmal mit der Liste durchs Haus

Auf der sicheren Seite sind Sie mit einer Inventarliste. Dort werden alle zum Hausrat zählenden Gegenstände inklusive ihres Werts festgehalten. Wichtig zu wissen: Ihr Hausrat besteht nicht nur aus Möbeln, sondern auch aus Kleidung, Geschirr, Büchern, Elektrogeräten oder Wertsachen. „Und auch Vorräte in der Küche gehören dazu“, so Boss. Hier sollte also festgehalten werden, welche Lebensmittel sich üblicherweise in der Speisekammer befinden. Wer teuren Champagner lagert, sich von Trüffeln und Kaviar ernährt, sammelt in der Vorratskammer vielleicht mehr Wertgegenstände als andere im Wohnzimmer oder im Schuhschrank.

3. Der Video- oder Fotobeweis

„Am besten ist es, wenn Sie von jedem Raum ein Video machen, das Sie dann an einem sicheren Ort aufbewahren“, rät Boss. „Im Leistungsfall können Sie so außerdem nachweisen, dass zum Beispiel Ihr Sofa tatsächlich ein Designer-Stück war.“ Alternativ können exklusive Antiquitäten oder wertvolle Elektrogeräte auch fotografiert werden.

4. Kaufbelege für teures Hab und Gut

Für kostspielige Gegenstände sollten Sie die Rechnungen und Kaufbelege sicher bewahren, das ist sowohl für Sie als Versicherten als auch für die Versicherungen im Schadensfall einfacher. Denken Sie bei der Berechnung der Summe an den Wiederbeschaffungswert: Gerade bei getragenen Markenklamotten oder älteren Elektrogeräten sollte der Wert also nicht zu niedrig angesetzt werden.

5. Neuer Fernseher? Neue Versicherungssumme

Sie haben Ihre Flimmerkiste gegen ein größeres Modell eingetauscht oder die teure Sound-Anlage erstanden, auf die Sie schon lange ein Auge geworfen haben? Neuanschaffungen steigern den Wert Ihres Hausrates. Daher sollten Sie bei Ihrer Hausratversicherung die Versicherungssumme überprüfen und gegebenenfalls anpassen lassen.

6. Fahrrad nicht vergessen

Einer der wertvollsten Gegenstände steht häufig auf der Straße herum: Fahrräder können bei den meisten Versicherungen gegen einen Aufpreis mitversichert werden. Mit dieser Zusatzversicherung ist der Drahtesel unter bestimmten Voraussetzungen auch außerhalb des Versicherungsortes abgesichert. Genau nachzulesen ist das auch noch einmal hier.

7. Schäden durch Zwischenmieter absichern

Was, wenn die Mieter auf Zeit Schäden anrichten? „Zu prüfen ist, ob der Tarif auch greift, wenn das Zimmer oder die Wohnung untervermietet wird“, erklärt Julia Wagner vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland in Berlin. Ist dies nicht der Fall, ist eine Ausweitung des Tarifs ratsam. In jedem Fall ist der Versicherung mitzuteilen, dass die Wohnung zwischenvermietet wird. Bringt der Zwischenmieter Inventar mit, ist dies über die Hausratversicherung des Hauptmieters nicht abgedeckt.

Autor: ING-DiBa


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Kommentare (4)


Kommentare

Dan

21.11.2017

Mir fehlt bei Kommentaren zu Versicherungen immer der Hinweis, dass nur Menschen, die durch den Schadensfall finanziell ruiniert wären, eine Versicherung benötigen. Das trifft für jemanden mit Rücklagen aber nicht zu.

Wer seinen Hausrat einfach ersetzen kann, braucht keine Hausratsversicherung. Ebenso braucht er wahrscheinlich keine Rechtsschutzversicherung und auch keine Voll-/Teilkaskoversicherung, Zahnzusatzversicherung, etc. .

Den Schadensfall bezahlt man locker durch die gesparten Versicherungsprämien und die darauf erzielte Rendite. Selbst im ungünstigsten Fall, in dem man "Verlust" gemacht hat, was jedoch gar nicht so einfach ist, darf man sich nicht ärgern, sondern muss einsehen, dass eine Versicherung keinen Sinn gemacht hätte. Dafür hat man im Schadensfall außerdem keine Arbeit mit Forderungen an die Versicherungen.

Haftpflicht- und Krankenversicherung machen aber aus unterschiedlichen Gründen Sinn, aber ein Selbstbehalt ist empfehlenswert.


ING-DiBa

14.11.2017

Hallo Herr Hamm, gerne geben wir Ihre Anregung weiter. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Johannes Hamm

14.11.2017

Es wäre schön, wenn man diesen Artikel auch ausdrucken könnte oder es ihn als pdf-Datei gäbe. Mit der Druckfunktion meines Browsers bekomme ich nur die 1. Seite. Auch wäre eine solche Liste ganz sinnvoll, bevor man sich selbst die Mühe macht oder das Netz durchstöbert.


AG

10.11.2017

Ein ganz wichtiger Punkt fehlt in diesem Artikel aber. Alle Hausratversicherungen, die ich bisher gesehen habe gewähren einen Unterversicherungsverzicht, wenn man "nach Schema F" versichert. Es stimmt, dass maximal diese Summe erstattet wird, also wenn der Gesamtschaden die Versicherungssumme überschreitet wird nur die Summe (plus 10% Vorsorge) erstattet, bei einem Teilschaden wird aber die Prozentregelung nicht angewendet.