Profi oder DIY?

Schraube um Schraube zum Bau-Traum | 04.08.2017

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© ING-DiBa

Sich selber einen Bau-Traum zu erfüllen, erscheint zunächst reizvoll. Doch in der Realität stand schon manch ambitionierter Hobbyschreiner nach vielen Stunden unbezahlter Arbeit vor einer schiefen Gartenhütte oder einer halbfertigen Küche und musste anschließend doch noch einen Fachmann heranziehen. Auf einmal scheinen die 60 Euro plus, die ein Fachmann pro Stunde kostet, gar nicht mehr übertrieben. Damit das Ergebnis im Budget bleibt und der Traum nicht zum Albtraum mutiert, lohnt sich vorab die ehrliche Frage: Wieviel Erfahrung habe ich? Was gebe ich lieber ab? Für einige Bereiche sind Experten sogar vorgeschrieben.

Erfahrung macht‘s

Für diejenigen, die sich für die DIY-Variante entscheiden, rät Mareike Hermann von der DIY Academy in Köln: „Grundsätzlich gilt, dass gute Planung und Vorbereitung das A & O bei allen Heimwerkerprojekten ist.“ Beispiel Badezimmer: Neue Schränke, ein neues Waschbecken inklusive Armatur und Siphon, selbst Fliesen legen ist mit guter Anleitung an sich kein Problem. Rohre verlegen oder Anschlüsse umlegen? „Besser nicht“, sagt die Expertin und empfiehlt Sanitär- und Elektroinstallationen dem Fachmann zu überlassen.

Wem die DIY-Erfahrung fehlt, der kann den Ernstfall proben. Die meisten Baumärkte bieten, wie auch die DIY Academy, regelmäßig Handwerker-Kurse für unterschiedliche Einsatzzwecke an. Kostenpunkt: ab 15 Euro pro Nachmittag.

Küchen(t)raum

Etwas anders sieht es bei einem Küchenprojekt aus. Hier stoßen Renovierungswillige schnell an Grenze. Aus einer länglichen Küche lässt sich nun mal kein quadratischer Raum mit Kücheninsel zaubern. „Experten kennen aber Tricks und Kniffe, wie sich der Platz optimal nutzen lässt“, so Hermann. Für ganz schmale Küchen bietet sich etwa ein kompakter Küchenblock an, eine zweizeilige Küche ist für breitere Räume optimal. Wer viel Platz zur Verfügung hat, kann mit einem Fachmann überlegen, welchem Zweck die Kücheninsel dienen soll: als Arbeitsfläche, Kochinsel oder beides? „Das hängt von den Anschlüssen ab und die sind auf jeden Fall Expertensache“, so Hermann. Es gilt: Finger weg von Starkstrom-Leitungen, das kann lebensgefährlich sein und eventuelle Schäden werden unter Umständen nicht von der Versicherung übernommen.

Trend zur Gartenküche

„Der Garten wird immer mehr als erweiterter Wohnraum genutzt“, weiß Martin Breidbach, Bundesgartenberater vom Verband Wohneigentum e.V. Die beliebtesten DIY-Projekte sind Gartenküchen. Die einfache und selbst umsetzbare Variante für das Steak unter freiem Himmel sind ein selbstverlegter neuer Holzbelag für die Terrasse und ein Gasgrill. Kostenpunkt: unter 1.000 Euro. Wer sich jedoch draußen eine richtige Zweitküche mit festem Gas- und Stromanschluss inklusive Kühlschrank oder Eiswürfel-Maker einrichten möchte, bezahlt schnell eine fünfstellige Summe. Da fällt die Handwerker-Stunde für die festen Anschlüsse kaum noch ins Gewicht.

Eine Baugenehmigung braucht man für seine Zweitküche nicht, allerdings lohnt es sich, mit den Nachbarn zu sprechen. Vor allem dort, wo die Sitzbereiche nah aneinander liegen. „Es geht nicht nur um die Gespräche in der Gartenküche, sondern auch um die Gerüche“, weiß Breidbach, der für den Verband unter anderem als Schlichter bei Nachbarschaftsstreitigkeiten agiert.

Wasser im Garten

Wer in seinem Garten einen großen Pool bauen möchte, kann sich für kleine Fertigbecken oder Aufstell-Pools ab 1.000 Euro entscheiden – oder Bagger und Maschinen bestellen und ein versenktes Edelstahlbecken als Pool anlegen. Kostenpunkt: mindestens 30.000 Euro. Zudem benötigt man je nach Bundesland eine Baugenehmigung. Als Faustregel für bauliche Einrichtungen gilt zudem drei Meter Grenzabstand.

Eigener Carport vs Carport von der Stange

Ein weiteres Beispiel für DIY-Grenzen ist ein Carport fürs Auto. Wer ein fertiges Produkt (ab 250 Euro aufwärts) aus dem Baumarkt kauft, muss sich um die Statik keine Sorgen machen. „Wenn man selber bauen möchte, sollte man einen Statiker miteinbeziehen, damit das Ganze hält“, sagt der Diplom-Ingenieur Breidbach. „Dies gilt vor allem dann, wenn auch eine ökologisch wertvolle Dachbegrünung geplant ist.“

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (1)


Kommentare

Söther

10.08.2017

Auch an den Zeitfaktor denken!

Was der Profi in kurzer Zeit schafft, dafür brauch man als Laie in der Regel deutlich länger. Wir haben Gipsplatten, Oberböden im Wohn-und Schlafbereich, Malerarbeiten(ohne Verputzen), Badamaturen, Lampen, Vorhänge ,selbst angebracht/verlegt und waren damit mehr als gut beschäftigt. (4Wochen Urlaub für draufgegangen). Verputzen haben wir dann dem Malermeister überlassen und da bin ich mehr also froh drüber. So glatt bekommt man das als Laie niemals hin.

Viel Erfolg bei eurem Bauvorhaben.

Beste Grüße

Söther