Teure Krankheitskosten

Wann sich Krankenzusatzversicherungen lohnen | 10.05.2017

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Zusatzversicherungen versprechen etwa bei Krankenhausaufenthalten oder Brillenverlust Hilfe. Aber für wen sind die Verträge sinnvoll und was muss der Kunde beachten?

Eine Zahn-OP kann teuer werden. Genauso wie die neue Brille oder die Zuzahlung fürs Einzelzimmer im Krankenhaus. Denn die gesetzliche Krankenkasse übernimmt als Teilkasko-Versicherung immer nur einen Teil der Kosten. Sie orientieren sich dabei an der Diagnose und nicht an den Wünschen des Patienten, etwa nach einem ästhetischeren Zahnersatz. Die Kunden haben aber die Möglichkeit, sogenannte Wahlpakete oder separate private Versicherungen abzuschließen. Die Anbieter locken mit einer hohen Kostenübernahme oder attraktiven Sonderleistungen. Um herauszufinden, was zu Ihnen passt, sollten Sie Folgendes bedenken.

Umfrage:

1. Was kann ich mir leisten?

Was ist für den Patienten schwieriger: Die hohe Rechnung des Arztes oder die monatlichen Beiträge für die Zusatzversicherung? "Eine Zusatzversicherung kann dann sinnvoll sein, wenn es den Versicherten in Bedrängnis bringen würde, wenn er die Leistungen selbst bezahlen müsste", sagt Cornelia Nowack von der Stiftung Warentest in Berlin. Gerade beim Beispiel Zahnarzt ist das die Frage. Die gesetzliche Krankenversicherung zahle hier einen festen Zuschuss, der vom zahnmedizinischen Befund abhängt. Er beträgt 50 bis 65 Prozent der Kosten, die für eine günstige, medizinisch ausreichende Versorgung entstehen, sagt Nowack. Wähle der Patient eine teurere Versorgung, erhöht sich der Kassenzuschuss nicht. Das bedeutet: Ohne Zusatzversicherung kommen etwa für eine Krone Kosten von einigen hundert Euro auf den Patienten zu, für ein Implantat können es auch gut 2.000 Euro werden. Mit einer Zusatzversicherung reduziert sich zwar diese Rechnung, dafür fällt ein monatlicher Betrag an.

2. Welchen Schutz brauche ich wirklich?

Manche Zusatzversicherungen werben mit einem Schutz von bis zu 100 Prozent – je nach Tarif. Die Angebote sind vielfältig. Es gibt Basis- und Komforttarife, die verschiedene Kostenerstattungen beinhalten. Manche Versicherungen kosten zehn Euro im Monat, andere gut 35 Euro. "Versicherungswillige sollten zunächst überlegen, welche Leistungen ihnen wichtig sind, welche wünschenswert scheinen und auf welche sie vielleicht auch verzichten wollen", rät Nina Schultes vom Verband der Privaten Krankenversicherung in Berlin. Sie empfiehlt Patienten, Angebote verschiedener Unternehmen miteinander zu vergleichen. "Diese unterscheiden sich nicht nur im Preis, sondern aufgrund der vielen versicherten Leistungen auch in einzelnen Details des Versicherungsschutzes", sagt Schultes. Das empfiehlt auch Nowack und warnt: "Lassen Sie sich nicht verwirren, wenn Versicherer mit hoher Erstattung in Prozent werben." Vor allem bei Zahnersatz- und Heilpraktikerleistungen beziehe sich dieser Prozentsatz oft nur auf einen Teil der Rechnung.

3. Wann sollte ich eine Zusatzversicherung abschließen?

Der jeweilige Beitrag hängt Nina Schultes zufolge nicht nur vom Umfang der versicherten Leistung ab, sondern auch vom Alter des Versicherten bei Versicherungsbeginn sowie seinem Gesundheitszustand zu diesem Zeitpunkt. "Bereits vorhandene Erkrankungen sind zusätzliche Gesundheitsrisiken, die in den Beitrag zur Krankenversicherung einkalkuliert werden müssen", sagt Schultes. Cornelia Nowack rät daher: "Schließen Sie eine Zusatzversicherung möglichst frühzeitig ab – idealerweise mit Anfang 40 oder früher." Das gelte besonders für Krankenhauszusatz- und Pflegezusatzversicherungen, die beim Abschluss im Seniorenalter extrem teuer seien.

4. Ich habe Vorerkrankungen – was tun?

Die Versicherten müssen Vorerkrankungen angeben. Vergessen sie es, können Anbieter in den ersten drei Jahren vom Vertrag zurücktreten, sofern sie die Person mit dem Wissen um diese Krankheit sonst nicht versichert hätten, sagt Nowack. Lässt ein Kunde absichtlich etwas weg, könne der Versicherer den Vertrag jederzeit wegen arglistiger Täuschung anfechten.

5. Kann ich sofort Leistungen beanspruchen?

In der Regel nicht. Die Frist, bis ein Versicherungsnehmer Arzt- oder Arzneikosten erstattet bekommt, beträgt laut Nowack drei Monate: "Für Zahnersatz oder für Entbindungen im Krankenhaus beträgt die Wartezeit sogar acht Monate." Gut zu wissen ist auch: Für bereits begonnene Behandlungen gibt es keinen Versicherungsschutz.

Autor: ING-DiBa


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Kommentare (6)


Kommentare

Jan, 26

20.05.2017

Interessant wäre ein Vergleich zwischen Zusatzversicherung und dem eigenständigen Zurücklegen der Beiträge in Form einer Geldanlage gewesen. Immerhin können mit diesem finanzielle Polster am Ende genau die anfallenden Kosten bezahlt werden. Nicht wie bei einer Versicherung, die in schlimmsten Fall nur Kosten abdeckt, die bei mir ohnehin nicht anfallen, weil ich an der falschen Stelle krank geworden bin.
Außerdem finde ich die pauschale Empfehlung möglichst früh eine Versicherung abzuschließen nicht objektiv. Im genannten Bsp. ist von ca. 25 Jahren die Rede. Mit den gezahlten Beiträgen dieser Zeit kann im Alter ein höhere Beitrag über eine nennenswerte Dauer gut beglichen werden, bzw. können auch Krankenkosten direkt gezahlt werden. Auch hier wieder der Vorteil: Im Alter kann ich viel besser abschätzen an welchen Bereichen des Körpers allmählich Leiden auftreten und Kosten entstehen. Mit 40 muss ich raten und kann mich maximal an Statistiken orientieren.
Aufgrund der fehlenden Information ist darüber hinaus der Titel des Artikels falsch gewählt. Er lautet: "Wann sich Krankenzusatzversicherungen lohnen". Die Punkte 1 - 5 sprechen einiges an, jedoch finde ich nirgends die Info, wann sich die Versicherung nun lohnt. Das liegt vermutlich daran, dass die Option keine Versicherung abzuschließen nie angesprochen wird.
Ein sehr einseitiger Artikel!


viola-b

19.05.2017

Ich finde es zwar nicht schön mit vielen Patienten in einem Zimmer im Krankenhaus zu schlafen, jedoch vollzieht sich öfter ein Patientenwechsel und es haben sich schöne Gespräche, hilfsbereite Mitpatienten und sogar eine nette Freundschaft ergeben. Nicht jeder ist bettlägrig und somit hilft einer dem anderen. Bitte positiv denken.
Was eine Zahnzusatzversicherung betrifft, bin ich jetzt zu alt, über 60 Jahre, um die hohen Beiträge bezahlen zu können. Ich spare jeden Monat soviel ich übrig habe und hoffe mir mal schöne Zähne kaufen zu können, wenn es nötig ist.


Cornelia M., 61 J.

18.05.2017

Ich habe mit ca. 27 Jahren eine private Zusatzvers. für den stationären Aufenthalt abgeschlossen und einige Jahre später auch für Zahnbehandlungen.
Nun mit 61 Jahren und div. OP's mit anschl. Krankenhausaufenthalt (sogar im Ausland) muss ich sagen, dass sich die Zusatzvers. lohnt. Diese kostet mich mtl. rd. 47,00 € und beinhaltet Chefarztbehandlung und Zweibettzimmer und bei Zahnbehandlungen (Krone, Implantate, Brücken) eine Erstattung von rd. 30 %, die gesetzl. Krankenvers. bezahlt ja auch ihren Anteil, d. h. ich bleibe zwar noch auf dem Rest hängen, der z. B. bei Implantaten auch locker über 1.000 € gehen kann, aber unter Strich hat sich der frühe Abschluss gelohnt.
Und Fakt ist auch: wenn Ärzte feststellen, dass man eine Zusatzversicherung hat, werden sie plötzlich in der Terminierung flotter und auch intensiver in der Betreuung. Es kam allerdings auch vor, dass kein Einzelzimmer frei war. Hier habe ich die Erfahrung, dass man hart bleiben und darauf bestehen muss, falls kein Notfall, auch OP-Termin verschieben; dann klappt das.


J.A. 63 Jahre alt.

17.05.2017

Ja, neuerdings klappt nichts mehr. Trotz 100% Wahlleistung Arzt. Ich sehe keine Unterschiede mehr, wurde einfach nach 5 Tagen Schlaganfall (MIT Folgeschäden) heim geschickt. Ist nicht die Schuld der Zusatzversicherung bei der Allianz .

Einzelzimmer? Habe ich ebenfalls versichert, bekomme ich jedoch nicht. Warum? Diese Frage beantwortet mir keiner.


Jochen

11.05.2017

Gute Krankenversicherungen zahlen in einem solchen Fall eine Entschädigung (ca. 50 EUR pro Tag).


Anne

10.05.2017

Für ein Einbettzimmer im Krankenhaus habe ich jahrzehntelang in die Zusatzversicherung eingezahlt und dann keines bekommen. In manchen Kliniken gibt es grundsätzlich keine Einbettzimmer. Das hat mir niemand gesagt.