Krankmacher Smartphone?

Milliardenkosten durch psychische Erkrankungen | 15.03.2017

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© GaudiLab – fotolia.com

Schlafstörungen und psychische Erkrankungen nehmen zu. Das spürt auch die deutsche Wirtschaft. Die vielen Fehltage verursachen einen Milliardenschaden. Das Smartphone gilt als einer der Übeltäter. Höchste Zeit einfach mal abzuschalten?

Ist Ihr Smartphone auch mal aus?

Ob im Beruf oder privat. Das Handy ist aus keinem Lebensbereich mehr wegzudenken. Doch neben den zahlreichen Vorteilen gibt es auch ganz neue Probleme. Der intensive Gebrauch von Mobiltelefonen steht im Verdacht, seine Nutzer krank zu machen – und damit auch mehr Fehltage im Beruf zu verursachen. Doch was ist an dieser These dran?

Mehr Fehltage wegen Schlafstörungen

Laut dem aktuellen „DAK-Gesundheitsreport“ haben die Fehltage aufgrund von Schlafstörungen seit 2010 um 71% zugenommen. Interessant ist dabei, dass rund 13% der Menschen, die dienstlich ein hohes und sehr hohes Maß an Erreichbarkeit haben, an diesen Schlafstörungen leiden. Insgesamt hat bereits knapp jeder zehnte Erwerbstätige Probleme beim Schlafen – und das über alle Altersgruppen hinweg. Tendenziell fällt es Frauen (10,9%) schwerer, gut und damit erholsam zu schlafen, als Männern (8,0%).

Längst ist auch das Schlafzimmer keine handyfreie Zone mehr. Dabei warnen Wissenschaftler: Das blaue Licht der Smartphone-Displays hemmt die Produktion des Schlafhormons Melatonin. Wer also kurz vorm Einschlafen seine E-Mails checkt oder im Internet surft, schläft tendenziell eher schlechter ein.

Depressionen auf Höchststand

Aber auch Depressionen und andere psychische Erkrankungen sind im hektischen Berufsalltag auf dem Vormarsch. Mit knapp 2,5 Fehltagen pro Versichertem folgen Krankmeldungen aufgrund psychischer Beschwerden auf Platz zwei. Erstplatziert: Muskel-Skelett-Erkrankungen mit knapp 3,2 Fehltagen. Damit haben psychische Erkrankungen einen neuen Höchststand bei den Fehltagen erreicht. Auffallend: Knapp ein Viertel der Beschäftigten, das im hohen oder sehr hohen Maß auch außerhalb der regulären Arbeitszeit erreichbar ist, leidet an einer Depression.

Psychische Erkrankungen nehmen zu

Insgesamt hat sich der Krankenstand in Deutschland laut DAK seit 2006 um 19% erhöht – und das vor allem wegen eines Anstiegs bei psychischen sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen. Durchschnittlich ist demnach jeder Arbeitnehmer rund 14 Tage wegen Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2016 ausgefallen.

Nur weil die Anzahl der Atemwegserkrankungen zwischen 2015 und 2016 um 15% gesunken ist, fällt der Vergleich der DAK zwischen diesen Jahren insgesamt positiv aus: Die Zahl der Krankheitsfälle ging zurück. Waren 2015 noch durchschnittlich mehr als 50 Prozent der Beschäftigten mindestens einmal krankgeschrieben, waren es 2016 weniger als 45 Prozent. Gestiegen sind jedoch die Krankmeldungen wegen psychischer Erkrankungen (plus 1%).

Milliardenkosten für die Wirtschaft

Die Folgen für die deutsche Wirtschaft sind gewaltig: Auf 29 Milliarden Euro beziffert die Hans-Böckler-Stiftung die Folgen psychischer Erkrankungen. Die Denkfabrik Rand Europe kommt auf mehr als 200.000 Krankheitstage und einen Schaden von rund 57 Milliarden Euro im Jahr in Deutschland durch Schlafstörungen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO berechnet, dass psychische Gesundheitsprobleme weltweit einen Verlust von circa 900 Milliarden Euro verursachen – vor allem durch Fehlzeiten und Produktionsausfälle.

Körperliche Beschwerden sind möglich

Ob schlechter Schlaf wegen des Handydisplays, Dauerstress wegen permanenter Push-Benachrichtigungen oder innerer Drang, das Smartphone ständig und dauernd nutzen zu müssen – all das zeigt, wie eine exzessive Nutzung des Smartphones die Psyche beeinflussen kann. Doch auch physisch hat das Handy Nebenwirkungen, weil bestimmte Körperpartien überanstrengt werden. Die Resultate können sein:

•           ein Handynacken, also schmerzhafte Verspannungen im Nacken von der permanent
            gebeugten Kopfhaltung;
•           ein Handydaumen, also eine Sehnenscheidenentzündung im Daumengelenk durch Dauer-
            Tippen und Dauer-Wischen;
•           Hörschäden durch die Dauerbeschallung mit Smartphone-Kopfhörern – ein wachsendes
            Problem gerade bei Jugendlichen;
•           Kurzsichtigkeit durch das stundenlange Starren auf den kleinen Monitor – auch hier warnen
            Experten vor einer Zunahme gerade bei den Jüngeren.

„Digital Detox“: 5 Tipps zum Abschalten

Es gibt also Gründe genug, unsere digitalen Begleiter auch mal abzuschalten. Hier sind 5 Tipps zum „Digital Detox“:

1. Reflektieren: Smartphone-Nutzung überdenken. Sich öfter mal die Frage stellen, ob jeder Griff zum Handy überhaupt notwendig ist.
2. Deaktivieren: Reizüberflutung reduzieren. Push-Nachrichten lassen sich oft einfach über die Handy-Einstellungen abstellen.
3. Ignorieren: Nachrichten einfach mal warten lassen. Selten ist es wirklich brandeilig und meistens kommt es nicht auf die Minute an, sodass eine Antwort statt am späten Abend auch am nächsten Vormittag reicht.
4. Telefonieren: Die ganz klassische Kommunikation. Das Smartphone zum Telefonieren zu nutzen spart Zeit und transportiert mehr Empathie.
5. Pausieren: Bewusste Pausen machen. Manche Orte und Zeitpunkte machen handyfrei mehr Spaß und sind so erholsamer – zum Beispiel der Urlaub oder das Schlafzimmer.

Fazit: Jährlich kosten Fehltage wegen psychischer Erkrankungen oder Schlafstörungen die deutsche Wirtschaft viele Milliarden – und die Zahl wächst. Die ständige Erreichbarkeit ist bei vielen Erkrankten laut DAK-Report hoch bis sehr hoch. Das Smartphone spielt dabei sicherlich eine Rolle, schließlich verstärkt es die eng getaktete Dauer-Kommunikation. Da ist es doch gut, dass die Geräte auch einen Ausschaltknopf haben.

Autor: ING-DiBa



Ihre Meinung

Kommentare (8)


Kommentare

Gila

11.05.2017

Man wird das Rad der Zeit nicht mehr zurück drehen. Aber Medien bewusst nutzen und sich auch einmal Gedanken über Abhängigkeiten machen und gegensteuern. Man bekommt Aus einer Flut von täglichen Infos, sind einige durchaus nützlich, allerdings gibt es auch viele Infos, die die Welt nicht braucht.
Was die Gesundheit und ein guter Schlaf angeht; Handy und Tablet aus- und WLAN des Routers abschalten. Es schützt mich aber leider nicht vor den DECT- und Handy-Telefonen des Nachbarn hinter der Schlafzimmerwand, und auch nicht vor dem Funkmast bei mir gegenüber, der ggf. auch direkt in das Schlafzimmer sendet.


Petra

22.03.2017

Kathi spricht mir aus der Seele. DANKE.


baldacci

22.03.2017

Danke Kathi (v. 16.03.)
Ich stimme voll zu.
Wie zu den meisten Dingen im Leben, gehören auch hier zwei Komponenten. In diesem Fall wohl das augenscheinlich krank machende Mobiltelefon, dass in den Augen vieler Menschen ebenso zu einem gewissen Grad an "Verlust sozialer Kompetenzen " führt und zum anderen denjenigen, der sich dem ergibt..


Berufsschullehrer

20.03.2017

Wenn man bedenkt, dass man mit diesen kleinen Geräten Zugriff auf die größte Wissensdatenbank aller Zeiten hat und dann sieht wofür es tatsächlich verwendet wird...
Smart macht es die meisten Nutzer jedenfalls nicht. Ein großes Problem ist übrigens die immer weiter sinkende Aufmerksamkeitsspanne. Durch das täglich über mehrere Stunden ausgeübte "Wischen" kann sich das Gehirn bei vielen jungen Menschen nur noch für Augenblicke auf eine Sache konzentrieren. Einen etwas komplexeren Gedanken zu fassen und wirklich nachzudenken fällt immer mehr Menschen immer schwerer.


Mande

16.03.2017

Mit Smartphone-Nutzern über eine Abstinenz zu reden ist genauso wirkungsvoll, wie einen Kettenraucher vom Rauchen abzubringen.
Es könnte einem ja auch egal sein, wenn nicht die Gefährdung im Straßenverkehr so überhand nehmen würde.
Täglich sehe ich Autofahrer im Auto daddeln oder solche, die das Handy während dem Fahren ans Ohr halten und vom Gegenverkehr wenig mitbekommen. Auch Dienst- oder Lieferwagenfahrer erhalten zu jedem ungünstigen Moment ihre Anweisungen von ihrer Firma.
Da kann man nur hoffen, dass bald das autonome Fahren zum Standard wird und das smarte Auto selbsttätig mit abgelenktem Fahren Schluss macht.


Tiroler

16.03.2017

Leider stimmt ihr Artikel komplett und wenn Mensch (ich)darauf hinweist wird man auch noch angefeindet.
Schauen Sie sich mal in den öffentlichen Verkehr um 80 % starren wie bekloppt in Ihre Mobilen Geräte. Da bin ich gerne als Audist verschrien. Es geht auch ohne sehr gut, ihr müsst es nur konsequent umsetzen und es geht euch besser.


Kathi

16.03.2017

Oh, das Smartphone ist schuld! Ja klar, weil permanent steigender Leistungsdruck, Ratings und unentwegt steigende Produktivitätserwartungen einen Menschen völlig kalt lassen. Genauso könnte man sagen "Atmen macht krank - jeder Mensch der krank ist atmet, es muss das Atmen sein!" Liebe Wirtschaft, solange Artikel wie diese geschrieben werden, in denen es eigentlich nicht um die Sorge um die Mittmenschen geht, sondern nur darum das der Wirtschaft Arbeitskraft entgeht, ist in nicht das Smartphone schuld daran das Menschen krank werden. Ich will nicht abstreiten das es Auswirkungen haben kann, vielleicht ist es wirklich hochgradig schädigend, aber dann müssen wir mal realistisch auf alle Bereiche unseres Lebens blicken. Und Da schneidet die "Wirtschaft" meiner Meinung nach schlechter ab als ein Smartphone. Das Prinzip "MEHR" ist meiner Meinung nach der Übeltäter, alles muss immer schneller, weiter und mehr werden. Autohersteller müssen ihre Produktion permanent steigern damit sie in ihren Rankings gut sind, aber ihr vergesst das dieser ganze Produktionsüberschuss auch verkauft werden muss, es reicht schon lange nicht mehr nur noch so viel zu produzieren wie auch benötigt wird, wenn eine Firma in diesem Jahr 2 Euro Gewinn macht dann wird von ihr erwartet das sie im nächsten Jahr mindestens 4 Euro Gewinn macht, ob das nötig ist oder nicht spielt keine Rolle und als Antwort auf die Frage nach dem warum "wir sind den Aktionären verpflichtet" Ja, die sollen ihr Stück vom Kuchen abbekommen, aber was uns Menschen wirklich krank macht, ist das wir uns selbst mit Ängsten, druck und Leistungserwartungen in die Knie zwingen. Ich schätze mal das 90% der Menschen die wegen der ständigen Erreichbarkeit krank sind, nur deshalb ständig erreichbar sein müssen, weil sie Angst haben ihren Job sonst zu verlieren. Ich will nicht behaupten es sei gesund permanent von einem Smartphone umgeben zu sein, ob und welche Auswirkungen das hat kann ich nicht sagen aber es bringt auch nichts immer nur mit dem Finger auf andere zu zeigen. Deine kranken Angestellten sind etwas, liebe Wirtschaft, dass Du dir selbst auf die Flagge schreiben musst. Dennoch wäre es besser wenn die Benutzung von Mobiltelefonen und Smartphones vernünftiger erfolgen würde, es telefonieren immer noch viel zu viele Menschen beim Autofahren und es ist auch nicht so schön wenn man mit 4 Personen zusammensteht und 3 davon starren auf das Display ihres Mobiltelefons.


Daniel

16.03.2017

Man sollte das Smartphone in Dumbphone umbenennen, denn das ist es, was ein Smartphone macht, den Nutzer langsam aber stetig verdummen.