Langzeitpolicen

Wann es sich lohnt, Versicherungen zu kündigen | 28.05.2018

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Beiträge für Riester-, Renten- oder Lebensversicherungen können den Geldbeutel ziemlich belasten und die niedrigen Zinsen bringen kaum Erträge. Wer deshalb auf einen bestimmten Schutz oder Absicherung verzichten will, sollte vorher jedoch genau rechnen.

Niedrige Zinsen, niedrige Erträge

Ein Ende der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist noch nicht in Sicht. Das führt sogar dazu, dass manche Lebensversicherer keine neuen Policen mehr anbieten wollen. Viele Verbraucher fragen sich daher: Lohnt es überhaupt, weiterhin für meine bestehenden Verträge zu zahlen? Wäre eine Kündigung nicht angemessen? Eine pauschale Antwort gibt es auf diese Frage nicht. Aber eine Bestandsaufnahme kann eine Grundlage für eine Entscheidung schaffen.

App hilft beim Verwalten von Versicherungen

Bei der notwendigen Bestandsaufnahme kann eine App für das Smartphone helfen: Clark. Mit der lassen sich alle Policen online verwalten, ohne Papierkrieg – Haftpflicht-, Kfz- oder auch Hausratversicherungen. Praktisch: Mit der App kann geprüft werden, wie gut der momentane Versicherungsschutz ist. Zudem findet Clark bei einigen Versicherungen Angebote von anderen Anbietern, die entweder günstiger sind oder einfach mehr Leistung für dasselbe Geld anbieten.

Wer monatlich zahlt, zahlt zu

Ist die hohe finanzielle Belastung durch die monatlichen Zahlungen an die Versicherungen der Grund für eine mögliche Kündigung, sollten Verbraucher zunächst prüfen, ob sie womöglich weniger zahlen können. Eine Möglichkeit: Ein Jahresbeitrag statt monatlicher Zahlungen, denn für letztere verlangen manche Anbieter teure Ratenzuschläge. Die können laut Verbraucherschützern bezogen auf den Jahresbeitrag bis zu fünf Prozent betragen. Es kann daher günstiger sein, auf jährliche Zahlungen umzustellen. "Das müsste man beim jeweiligen Versicherer nachfragen", sagt Thomas Menning, Lebensversicherungsexperte beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. "Entweder verringert sich die Beitragszahlung, oder die Versicherungssumme steigt leicht."

Erst rechnen, dann handeln

Ob es sich rentiert, eine bestehende Lebens- oder Rentenversicherung zu kündigen, hängt in erster Linie davon ab, wie viel Geld der Kunde im Kündigungsfall erhält. Auf Anfrage müssen Versicherungsunternehmen darüber Auskunft geben. Die Verbraucherzentrale Nordrhein Westfalen hat dazu einen Musterbrief entworfen, der hier heruntergeladen werden kann.

Rückabwicklung prüfen

Die günstigste Variante für Versicherungsnehmer ist laut Verbraucherschützern, einen Vertrag komplett rückabzuwickeln. Das ist jedoch laut Rechtsprechung nur bei bestimmten Verträgen möglich. Diese Möglichkeit sollten Verbraucher von unabhängigen Fachleuten dennoch prüfen lassen.

Altverträge besser nicht aufgeben

Grundsätzlich gilt für eine Kündigung: Vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossene Lebensversicherungen sollten nur im Notfall gekündigt werden, raten Verbraucherschützer. Der Vorteil hierbei sei, dass sie steuerfrei zur Auszahlung kommen. Policen, die nach Anfang 2005 geschlossen wurden, sind bei der Auszahlung nicht steuerfrei. Und Garantiezinsen, die bis zu vier Prozent betragen, sind heute mit keiner festverzinsten Anlage mehr zu erzielen. Seit Jahren schon nimmt die Garantieverzinsung kontinuierlich ab und eine Trendwende ist bei der derzeitigen Zinspolitik nicht in Sicht.
 
Will oder muss ein Versicherungsnehmer Altverträge dennoch kündigen oder zu einem anderen Anbieter wechseln, gehen diese Zins- und Steuervorteile verloren. Kunden sollten daher sich auf jeden Fall – beispielsweise bei einer Verbraucherzentrale – beraten lassen, ob sich eine Vertragskündigung lohnt und was es für Alternativen gibt.

Riester-Vertrag: Bei Kündigung müssen Zulagen zurückbezahlt werden

Wer beispielsweise einen Riester-Vertrag vorzeitig beenden möchte, sollte keine voreilige Entscheidung treffen. "Kündigen ist die Ultima Ratio", sagt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Achtung: Wer kündigt, muss die erhaltenen Steuererstattungen sowie alle staatlichen Zulagen rückwirkend zurückzahlen. Der Verbraucherschützer rät daher, vor einer Kündigung genau auszurechnen, welche Kosten dadurch entstehen.
 
Eine Alternative zur Kündigung: Der Vertrag kann beitragsfrei gestellt werden. Der Verbraucher müsse dann keine Beiträge mehr zahlen, die erhaltenen Zulagen und bisher genutzten Steuervorteile jedoch nicht zurückzahlen, erklärt Scherfling.
 
Eine zweite Möglichkeit: Verbraucher können sich für ein anderes Riesterprodukt entscheiden und das Kapital in den neuen Vertrag übertragen. Hier fällt in der Regel eine Wechselgebühr an. Aber: "Zulagen und Steuervorteile müssen nicht zurückgezahlt werden", sagt der Experte.

Vorsicht bei Verträgen mit BU-Schutz

Verbraucher, die eine Lebens- oder Rentenversicherung mit einer Berufsunfähigkeits-Police (BU) kombiniert haben, sollten eine Kündigung sehr genau prüfen. Denn wer den Hauptvertrag beendet, beendet auch den Nebenvertrag. Bietet die Police gute Bedingungen, die BU wird gebraucht und man bekommt keine neue, sollte man den Altvertrag behalten.

Autor: ING-DiBa


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