Trends für die Zukunft

Megatrends: Was beeinflusst die Welt von morgen? | 02.07.2018

Armut und Reichtum in Deutschland

© ING-DiBa

Die Welt, in der wir leben, unterliegt einem ständigen Wandel. Längerfristige Entwicklungen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Sogenannte Megatrends beeinflussen nicht nur die Art und Weise, wie wir in Zukunft leben. Sie bieten zugleich Chancen für Unternehmen und Anleger, an diesen Trends teilzuhaben.

Was sind Megatrends?

Die Geschichte der Menschheit ist seit jeher geprägt von großen Strömungen und Entwicklungen, die die Zukunft in neue Bahnen lenkt. Man denke nur an den Siegeszug der Eisenbahn oder des Verbrennungsmotors, die den Transport von Waren und eine individuelle Mobilität in vorher nicht gekanntem Ausmaß ermöglichten. Industrialisierung, Massenproduktion, Elektronische Datenverarbeitung und Internet sind weitere Beispiele für Megatrends, die unser Leben auch Jahrzehnte nach ihrer Einführung noch entscheidend beeinflussen.

 Als Megatrends kann man tief greifende Veränderungen bezeichnen, die sich nicht von heute auf morgen vollziehen, sondern über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten stattfinden. Solche langfristigen Trends können gesellschaftliche, politische und ökonomische Veränderungen maßgeblich vorantreiben und weitere Entwicklungen (Subtrends) anstoßen. Zudem beeinflussen sich Megatrends mitunter auch gegenseitig. Aktuelle Beispiele für solche Megatrends sind der demografische Wandel, die Urbanisierung, der technologische Fortschritt, die Verlagerung der wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse sowie der Klimawandel und die zunehmende Knappheit an Ressourcen.

Demografischer Wandel

Einer der auffälligsten großen Trends ist die wachsende und zugleich alternde Weltbevölkerung. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge wird diese von 7,6 Mrd. Menschen im Jahr 2017 auf 9,8 Mrd. Menschen im Jahr 2050 anwachsen. Gleichzeitig wird sich die Anzahl der Personen, die 60 Jahre oder älter sind, ausgehend von weltweit 962 Mio. im Jahr 2017, bis zum Jahr 2050 auf 2,1 Mrd. mehr als verdoppeln. Quelle: United Nations, World Population Prospects: The 2017 Revision;

Die wachsende Anzahl älterer Menschen wird, insbesondere bei niedrigen oder sinkenden Geburtenraten, die Tragfähigkeit der Sozial- und Rentensysteme auf die Probe stellen. Auch das Gesundheitswesen muss sich auf höhere Ausgaben einstellen, denn mit steigendem Alter gewinnt die medizinische Versorgung immer mehr an Bedeutung. Dem Arbeitsmarkt wiederum gehen in einer alternden Gesellschaft zunehmend erfahrene Arbeitskräfte verloren. Neben diesen Herausforderungen bietet der Trend aber auch Chancen. So hat die Wirtschaft die sogenannten „Silver / Best Ager“ bereits als attraktive und kaufkräftige Zielgruppe ausgemacht.

Urbanisierung

Ein weiterer großer Trend ist die Urbanisierung. Damit ist die Entwicklung gemeint, dass immer mehr Menschen in Metropolen oder großen Ballungsräumen leben wollen und dorthin ziehen. Die Motive liegen auf der Hand: In Großstädten ist die Infrastruktur oftmals besser, angefangen von der ärztlichen Versorgung, über Bildungsmöglichkeiten und Einkaufsmöglichkeiten bis hin zum kulturellen Angebot. Zudem sind die Aussichten auf einen attraktiven Arbeitsplatz in Ballungsgebieten in der Regel besser als auf dem Land. Leben heute 55 % der Weltbevölkerung in Städten, werden Prognosen der Vereinten Nationen zufolge im Jahr 2050 schon 68 % der Weltbevölkerung in Städten zu finden sein. Bereits im Jahr 2030 wird es weltweit 43 Metropolen mit jeweils mehr als 10 Mio. Einwohnern geben. Quelle: United Nations, 2018 Revision of World Urbanization Prospects;

Diese Entwicklung ist nicht unproblematisch. So führt die konzentrierte Nachfrage nach Wohnraum bei mangelnder Verfügbarkeit oft zu steigenden Mietpreisen. Darüber hinaus müssen stark wachsende Städte ihre Infrastruktur (Abfall- und Abwasserentsorgung, Verkehr, medizinische Versorgung, Kinderbetreuung) ausbauen und modernisieren.

Technologischer Fortschritt

Neue Technologien waren seit jeher ein Antriebsmotor für die Entwicklung der Menschheit. Ein großer Trend, der bereits zu einem grundlegenden Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft führt, ist die Digitalisierung. Damit hängen zahlreiche Entwicklungen zusammen, angefangen vom Internet der Dinge (Vernetzung von Geräten untereinander und mit der umgebenden Infrastruktur) über Big Data (Erfassung und Analyse von Daten aller Art) und Automatisierung (Einsatz von Robotern und autonom agierender Systeme) bis hin zur künstlichen Intelligenz. Die Perspektiven, die die Digitalisierung bietet, scheinen aus heutiger Sicht nahezu unerschöpflich.
 
Im privaten Bereich gehören Roboter, die den Rasen mähen oder Staub saugen schon zum Alltag. Auch in der Industrie herrscht ein hoher Grad an Automatisierung. Der Weltbranchenverband International Federation of Robotics (IFR) geht davon aus, dass im Jahr 2020 weltweit mehr als 3 Mio. Industrieroboter in Fabriken genutzt werden. Damit wird sich die Anzahl der operierenden Einheiten innerhalb von sieben Jahren (2014-2020) mehr als verdoppeln. Quelle: ifr.org

Die Digitalisierung zeigt sehr gut, dass die gegenseitige Beeinflussung von Megatrends Vorteile bietet. So kann gerade der technologische Fortschritt dabei helfen, Lösungen für die Probleme unserer Zeit zu entwickeln. So lässt sich das Problem drohender Verkehrsinfarkte in Großstädten z. B. durch Echtzeitdatenerfassung und die zunehmende Vernetzung in den Griff bekommen. In sogenannten Smart Cities interagieren Autos mit der Infrastruktur und finden eigenständig alternative Routen oder freie Parkplätze.

Verlagerung der wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse

Schaut man sich das Wirtschaftswachstum und die Handelsströme rund um den Globus an, so fällt auf, dass sich die Bedeutung zunehmend in Richtung Asien verschiebt. Insbesondere China ist für viele Nationen ein wichtiger Handelspartner, wenngleich es aufgrund seiner hohen Exporte auch in der Kritik steht. Die Führung des Landes hat nicht zuletzt aus eigenem Interesse auf diese Entwicklung reagiert. Eine Stärkung des Dienstleistungssektors und der Inlandsnachfrage soll die Abhängigkeit vom Export verringern. Mit der wachsenden Nachfrage einer zunehmend kaufkräftigeren Mittelschicht wird China künftig noch stärker Waren importieren.
 
Da auch andere Länder des asiatisch-pazifischen Raums ein dynamisches Wirtschaftswachstum aufweisen, wird die Bedeutung der Region für die Weltwirtschaft weiter zunehmen. Die Experten der Unternehmensberatungsgesellschaft PWC prognostizieren in ihrem „The World in 2050“-Report, dass im Jahr 2030 sieben der zwölf weltweit größten Volkswirtschaften aus den Emerging Markets kommen. Im Jahr 2050 werden den Prognosen zufolge China und Indien zu den beiden größten Volkswirtschaften der Welt aufgestiegen sein. Quelle: PwC, The World in 2050;

Klimawandel und Ressourcenknappheit

Untrennbar verbunden mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Industrie- und Schwellenländer ist das Thema Klimawandel und Ressourcenknappheit. So wurde die Erwärmung der Erde durch die Industrialisierung und den damit einhergehenden vermehrten Ausstoß von Treibhausgasen beschleunigt. Um den Klimawandel zu verlangsamen, wurde im Jahr 2015 auf der UN-Klimakonferenz in Paris die Vereinbarung getroffen, den vom Menschen erzeugten Temperaturanstieg deutlich unter 2,0 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu halten. Quelle: bpb.de

Mit der steigenden Produktivität ging auch ein steigender Verbrauch an Rohstoffen wie Kohle oder Erdöl einher, die jedoch nur in begrenztem Umfang verfügbar sind. Der Austausch solcher Rohstoffe durch erneuerbare Energieträger bzw. nachwachsende Rohstoffe wird an Relevanz gewinnen. Zudem wird es in Zukunft darauf ankommen, noch stärker mit vorhandenen Ressourcen zu haushalten, Energie zu sparen und verarbeitete Rohstoffe wiederzuverwenden. Der Trend zur Sharing Economy, also dem Teilen von Gütern, kann einen Teil dazu beitragen, verantwortungsvoller mit den Ressourcen unseres Planeten umzugehen.

Welche Chancen bieten Megatrends aus Anlegersicht?

Für Anleger kann es sinnvoll sein, sich mit Megatrends zu beschäftigen und bei einer möglichen Anlageentscheidung solche Unternehmen zu berücksichtigen, die von den längerfristigen Entwicklungen profitieren könnten. Dies sind im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel Unternehmen aus den Sektoren Tourismus, Konsumgüter Pharma/Gesundheit, Medizintechnik, Biotechnologie. Vom Ausbau wachsende Städte könnten Bauunternehmen, Versorger und nicht zuletzt Anbieter von Soft- und Hardware für die Digitalisierung profitieren. Die Digitalisierung selbst bietet zahlreichen Unternehmen Wachstumsperspektiven, angefangen von der Chipindustrie über Anbieter von Anwendungs- und Sicherheitssoftware bis hin zur Automobilindustrie, die mit dem autonomen Fahren und der Elektromobilität auf die Entwicklungen mehrere Megatrends reagiert.
Mit Blick auf die Verlagerung der wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse sollten sich Anleger bei der Unternehmensauswahl nicht nur auf den heimischen Markt beschränken, sondern global denken. Dabei können sowohl Unternehmen aus den Schwellenländern berücksichtigt werden, sofern sie einen der genannten Megatrends bedienen. Alternativ kann z. B. mit Investmentfonds oder ETFs gezielt auf Regionen wie die Emerging Markets oder einzelne Schwellenländer gesetzt werden. Die Berücksichtigung von Unternehmen aus verschiedenen Sektoren und Regionen ist zugleich im Hinblick auf die Risikoverteilung im Depot sinnvoll. So kann eine schwächere Wertentwicklung einer Branche möglicherweise durch eine bessere Wertentwicklung anderer Branche ausgeglichen werden.
Bei allen Chancen, die Megatrends mit sich bringen, sollten Anleger aber auch mögliche Risiken bedenken. Schließlich ist bei keinem Wertpapier eine positive Entwicklung garantiert.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (2)


Kommentare

ING-DiBa

16.07.2018

Hallo Herr Hellmann, der Link geht bewusst auf unser Depot. In welche Fonds Sie dann genau investieren, müssten Sie dann selbst entscheiden. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Bruno Hellmann

13.07.2018

hre Ausführungen zu "Megatrends" sind interessant; wenn ich jedoch in Ihre Auswahlmöglickeiten klicke, finde ich keine Fonds/ETFs, die sich darauf konzentrieren?