Kindererziehung

Dafür gibt es im Alter eine Mütterrente | 10.08.2018

Erziehungszeit und Mütterrente

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Für die Zeit der Kindererziehung nimmt ein Elternteil oft, zumindest für eine gewisse Zeit, eine Auszeit vom Job. Dadurch erwerben Eltern aber zum Teil wesentlich weniger Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung als Kinderlose. Um diesen Nachteil auszugleichen, werden Kindererziehungszeiten seit Juli 2014 mit der sogenannten Mütterrente rentenrechtlich besser anerkannt.

Was ist die Mütterrente überhaupt?

Die Mütterrente ist keine eigenständige Rente, sondern eine Erweiterung der anrechenbaren Kindererziehungszeiten. „Kindererziehungszeiten sind Zeiten der Erziehung eines Kindes in dessen ersten drei Lebensjahren“, heißt es im Sozialgesetzbuch VI (§ 56). Für diese Zeiten schreibt der Staat Rentenpunkte – auch Entgeltpunkte genannt – gut.

Das heißt: Diejenigen, die Kinder erziehen, können dadurch ihre spätere gesetzliche Rente erhöhen oder sogar erstmals einen Rentenanspruch erwerben. Das gilt auch für Mitglieder in berufsständischen Versorgungswerken wie Ärzte oder Architekten – Beamte können dies allerdings nicht.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Seit Juli 2014 werden Müttern oder Vätern für Kinder, die vor dem Jahr 1992 geboren wurden, zwei Jahre Erziehungszeit angerechnet – vor 2014 war es in diesem Fall nur ein Jahr.
  • Für Mädchen und Jungen, die ab 1992 geboren wurden, werden drei Jahre angerechnet.
  • Ein Jahr Kindererziehungszeit entspricht einem Versicherungsjahr

Fünf Jahre Beitragszeiten sind Voraussetzung für die Mütterrente

Um einen Anspruch auf Mütterrente zu besitzen, müssen Mütter oder Väter mindestens fünf Jahre Beitragszeiten in der Rentenversicherung vorweisen. Die als Erziehungszeit anerkannten Jahre zählen hier bereits mit hinein.
Liegen Eltern mit ihren Zeiten unter dieser Grenze, haben sie die Möglichkeit, für die fehlenden Versicherungsjahre Beiträge in die Rentenversicherung nachzuzahlen und erhalten damit einen Anspruch auf Mütterrente. Ob sich das am Ende rechnet, klärt ein kostenloses Beratungsgespräch mit der Deutschen Rentenversicherung.

So viel Geld bringt ein Rentenpunkt bei der Mütterrente

Ein Rentenpunkt beziehungsweise Entgeltpunkt entspricht aktuell 32,03 Euro (alte Bundesländer) beziehungsweise 30,69 Euro (neue Bundesländer). Bei den Beträgen handelt es sich um Bruttowerte und es erfolgen noch Abzüge wie zum Beispiel Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge. Die Rente muss gegebenenfalls auch versteuert werden.
 
Übrigens: Die Punkte für die Kindererziehungszeiten gibt es für alle gleich – der Verdienst spielt dabei keine Rolle.

So bekommt man die Mütterrente

Die gesetzliche Rentenversicherung schickt Versicherten spätestens ab ihrem 43. Lebensjahr einmal im Jahr einen sogenannten Versicherungsverlauf. Dieses Schreiben sollten Versicherte genau unter die Lupe nehmen und schauen, ob sämtliche für die Rente relevante Zeiten korrekt erfasst wurden – zum Beispiel auch beitragsfreie Zeiten wie Erziehungs- oder Ausbildungszeiten. Dem Schreiben liegt zudem ein Antrag bei, mit dem Kindererziehungszeiten beantragt werden können. Um einen Antrag stellen zu können, müssen Kindererziehungszeiten bereits abgeschlossen sein.

Die Mütterrente gibt es auch für Väter

Der Anspruch auf die Anrechnung der Erziehungszeiten für ein Kind kann auch auf den Vater übertragen werden. „Die Mütterrente für Väter ist zwar ein Sonderfall, aber grundsätzlich möglich“, sagt Samuel Beuttler-Bohn, Rentenexperte beim Sozialverband VdK Deutschland in Berlin. Die Mütterrente kann auch von Kind zu Kind getauscht werden – also für die Tochter etwa bekommt der Vater Mütterrente, für den Sohn die Mutter. Pro Kind muss der Anspruch auf Mütterrente allerdings bei einer Person liegen. „Eine Aufteilung ist nicht möglich“, betont Beuttler-Bohn.

Wie Väter eine Mütterente beantragen können

In der Regel gibt es eine Mütterrente für Väter nur mit Einwilligung der leiblichen Mutter. Dafür müssen Mutter und Vater eine gemeinschaftliche Erklärung bei der Deutschen Rentenversicherung abgeben. Diese Erklärung gelte immer nur für die Zukunft und lediglich für maximal zwei Monate rückwirkend, erläutert Beuttler-Bohn.
 
Ein Vater kann die Zeiten bei der Rentenversicherung unter bestimmten Voraussetzungen aber auch für die Vergangenheit einfordern. Dazu muss er nachweisen, dass er tatsächlich mit der Erziehung betraut war. „War der Vater in Elternzeit, während die Mutter gearbeitet hat, ist dies beispielsweise ein klares Indiz“, so Beuttler-Bohn.
 
Aber: Nicht vorgesehen ist die rückwirkende Übertragung von Erziehungszeiten der Mutter an den Vater, wenn diese verstorben ist.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (9)


Kommentare

Oma 68 J.

17.08.2018

Sind 1 oder 2 Kinder weniger Wert als 3. Alleinerziehende mit ein oder zwei Kinder haben viel aufgegeben an Freizeit und sich allein um die Kinder gekümmert. Wo bleibt hier ihre Anerkennung???


ING-DiBa

17.08.2018

Hallo Joachim, wir wollten mit dem Artikel den aktuellen Stand darstellen. Bei den Neuregelungen ist ja noch einiges ungeklärt. Wir werden den Artikel aber natürlich aktualisieren, wenn die Änderungen beschlossen und umgesetzt sind. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Marianne V.

17.08.2018

Warum bekommen Mütter für vor 1992 geborene Kinder
noch ein Jahr zusätzlich pro Kind angerechnet, wenn sie mindestens
3 Kinder vor 1992 geboren haben und für 1 oder 2 Kinder gibt es kein zusätzliches Rentenjahr angerechnet ?
Das ist doch ungerecht !
Jedes Kind bzw. jede Mutter müsste doch gleichgestellt sein !


W.Franz

17.08.2018

Die so genannte Mütterrente ist ein vernünftiger Baustein im Rentenrecht und sollte weiter entwickelt werden. Wichtig ist aber, dass dieser Baustein als politischer Wille aller Personen, auch steuer finanziert sein muss und nicht zu Lasten der Beitragszahler gehen darf.
Das der Baustein im Rentenrecht passen muss ist logisch. Da gibt es auch schon mal Grenzen in der Beitragsbemessung , und wer die "Spitze" erreicht hat kann weitere Anrechnung erwarten. Darin liegt keine Ungerechtigkeit sondern ist Bestand ,des für alle geltenden Rentenrechts. Wer da Fragen hat sollte zur Beratungsstelle gehen,
oder notfalls zum Fachanwalt.
Wichtig ist auch auf die Politiker einwirken, denn Gesetze sind veränderbar, zum Vor - und Nachteil. Viele die jetzt Ungrerechtigkeiten beklagen, habe es wortlos - tatenlos geschehen lassen.
Darum, beobachtet das Geschehen um die Rente und werdet tätig durch
Leserbriefe, Petitionen, Gespräche mit Abgeordneten und Verbände
nicht nur nach den besser gestellten Ländern sehen sondern die gleichen Bedingungen einfordern neue Wege finden....


Sybille Großpietsch

16.08.2018

Gerade Mütter, die vor 1992 Kinder bekommen haben hatten in Westdeutschland und Westberlin größte Schwierigkeiten die Kinder für Berufstätigkeit 57fwcbetreuen zu lassen. Deshalb besteht hier eine große Ungerechtigkeit fehlender Gleichbehandlung.


Auch eine Oma

16.08.2018

meine 2. Kind hat wahrscheinlich keine Hände und Arme. Ich bekomme für dieses nur ca 75 % Mütterrente gezahlt. Ungerechtigkeit!!!


Joachim

16.08.2018

Warum werden die Neuregelungen zur Mütterrente nicht erwähnt?


Klaus

16.08.2018

Sie schreiben: "Der Anspruch auf die Anrechnung der Erziehungszeiten für ein Kind kann auch auf den Vater übertragen werden. „Die Mütterrente für Väter ist zwar ein Sonderfall, aber grundsätzlich möglich“, sagt Samuel Beuttler-Bohn, Rentenexperte beim Sozialverband VdK Deutschland in Berlin."
Leider funktioniert es in der Praxis nicht. Trotz gemeinsamer Erklärung von Mutter und Vater sowie Nachweis der Nicht-Erwerbstätigkeit des Vaters bei der Erziehung des Kindes hat die DRV Bund diesen Antrag abgelehnt. Das Argument: Wenn die Mutter das Kind im ersten Jahr erzogen hat, wird es automatisch auf das zweite Jahr übertragen. Der Vater hat nicht das Recht, das zweite Jahr der Kindererziehungszeit auf sich übertragen zu lassen, auch wenn er überwiegend das Kind erzogen hat. Das Argument wurde auch vom Sozialgericht angeführt. Es ist letztlich eine mittelbare Diskriminierung von erziehenden Vätern...


Eine Oma

15.08.2018

Es stimmt nicht, dass der Verdienst keine Rolle spielt. Ist der höher als der Durchschnitt, so dass gezahlte Rentenbeiträge plus Mütterpunkte in der Zeit über der Maximalgrenze liegen, wird nur der Höchstbetrag (etwa 2 Rentenpunkte pro Kalenderjahr?) gezahlt.
Dies benachteiligt Paare, die beide gemeinsam ihre Kinder erziehen und dafür beide im Beruf kürzer treten - da die Mütterrentenpunkte nicht aufgeteilt werden können, gehen sie teilweise verloren!