Edelmetall auf vier Rädern

Im Oldtimer stilvoll niedrige Zinsen umfahren? | 06.04.2018

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© ING-DiBa

Der Trend zum Oldtimer hält viele Autobegeisterte in Atem. Ob es sich lohnt, in Zeiten niedriger Zinsen ein paar Euro in der Garage zu parken, lesen Sie hier.

Laut Institut für Demoskopie Allensbach interessieren sich 22% der Deutschen für Oldtimer. 21% der Pkw-fahrenden Frauen und Männer träumen davon, selbst einen zu besitzen.

Wer mit einem Klassiker vorfährt, kann mit der Sympathie der Passanten rechnen. Viele Deutsche schätzen die historischen Fahrzeuge als Kulturgut auf heimischen Straßen. Und seit Jahren steigen die Preise: 2016 um durchschnittlich 5,6%, laut Oldtimer-Index des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Aktuell zeichnet sich aber eine Abkühlung des jahrelangen Booms ab. 2017 ist der Index nur noch um 1,4% gestiegen.

Angesichts allgemein niedriger Zinsen denkt der ein oder andere sicher über Investmentalternativen nach. Die Preissteigerung der meisten Oldtimer kompensiert aber in der Regel nicht die stetig anfallenden Wartungs- und Erhaltungskosten.

Was ist ein Oldtimer?

Historische Fahrzeuge sind weitestgehend originale, gut erhaltene Autos, die vor mindestens 30 Jahren erstmals zugelassen wurden. Wenn sie ein H-Kennzeichen führen, fällt eine pauschale Kfz-Steuer von 191,73 Euro an.

Der teuerste Oldie der Welt

Außergewöhnliche Summen werden nur für einzigartige Fahrzeuge gezahlt. Der derzeit wohl teuerste Oldtimer ist ein Ferrari 250 GTO von 1962. Dieser wechselte 2014 auf einer Auktion für 38,1 Millionen Dollar den Besitzer. Doch die auf Auktionen erzielten Preise sind für den Oldtimermarkt insgesamt wenig repräsentativ. „In Auktionen wird der Oldtimer oft als Geldanlage in Sachwerten gekauft. Hier dominieren die Kriterien schön, schnell, offen, selten und am besten mit berühmten Vorbesitzern“, weiß Frank Wilke, Geschäftsführer von classic-analytics. Die Experten aus Bochum analysieren die Wertzuwächse für klassische Autos seit 1999.

Oldie-Hitparade

Auch wenn für viele Oldtimer-Fans der materielle Wert eher Nebensache ist – über eine Wertsteigerung freut man sich trotzdem. Für Käufer ist es wichtig, sich über das aktuelle Preisniveau zu informieren. Der Deutsche Oldtimer-Index des VDA zeigt die Wertentwicklung von 88 repräsentativ ausgewählten Fahrzeugen. Den höchsten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr erzielte 2017 der BMW 320 der ersten 3er-Baureihe. Auf Platz zwei liegt der BMW 635 CSi aus den 70ern gefolgt vom Ford Thunderbird Cabrio aus den 50er-Jahren. Unter die Top Ten haben es auch der Golf II in der GTI Version und der Opel Ascona B geschafft. Den stärksten Wertzuwachs seit 2008 kann der VW Bus der 2. Generation verbuchen.

Nach Zulassungszahlen beliebteste Oldtimer in Deutschland sind nach einer Auswertung des VDA übrigens der VW Käfer, der Mercedes W 123 und der VW Golf.

Na, wenn man das vor Jahren geahnt hätte, wäre so manchem automobilen Kleinod sicher der Schrottplatz erspart geblieben.

Autor: Ben Bernard

Dieser Artikel wurde aktualisiert am 06.04.2018


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Kommentare (6)


Kommentare

notting

06.04.2018

@Klaus: Stellt sich die Frage ob dann noch Sprit und Motoröl bezahlbar ist bzw. ob man geächtet wird, so wg. Abgase, bremst nicht automatisch wenn ein achso armer Selbstmord-Radrambo irgendeinen Scheiß macht, etc. ...
Im übrigen kann man mit heutigen Autos durchaus 300Mm schaffen, regelm. Wartung, möglichst wenig Kurzstrecke und auch sonst schonende Behandlung vorausgesetzt (ok, meine Eltern hatten Pech -> Zahnriemen runtergesprungen...).
Bei meinem dürfte das etwas mehr als 1 Jahr soweit sein. 2009 mit AWP gekauft...

notting


Udo

30.03.2016

Ich habe selbst einen Oldtimer und einen Youngtimer neben meinem Alltags Audi in der Garage stehen. Ich gehöre zu den Menschen, die das Hobby schon seit Jahrzenten mit Freude betreiben. Mein Garagengold mit seinem garantierten Spaßfaktor wird im Sommer für 6 Monate angemeldet und gefahren.
Ich möchte an dieser Stelle auch einmal im Gegensatz zu meinen Vorrednern die augenblickliche Klassiker-Szene betrachten und wiedergeben. Mein/e Augenmerk/Betrachtungsweise liegt dabei nicht auf der möglichen Rendite, die sich durch die Wertsteigerungen ergeben kann, sollte man sein Garagengold in ein paar Jahren in Euros iumwandeln wollen.
Die Preise, die momentan für Old- und Youngtimer aufgerufen und auch bezahlt werden, sind teilweise nicht mehr nachvollziehbar. Die Preise für Klassiker steigen unaufhörlich von Jahr zu Jahr und das Garagengold wird immer mehr Wert.
Das liegt einerseits daran, dass es augenblicklich einen gewissen Charme hat, einen Klassiker sein Eigen nennen zu dürfen und dadurch die Nachfrage an solchen Autos stetig anhält.
Andererseits gibt es aber auch die Spekulanten, die sich augenblicklich im Markt tummeln, wobei man unter 2 Arten von Spekulanten unterscheiden muß. Die eine Spezie legt ihr Geld in Sachwerten auf vier Rädern an (auch zwischenzeitlich bei den Brot- und Butterklassikern zwischen 10 - 60 TEuro) und stellt diese ein paar Jahre weg, bevor sie diese wieder zum Verkauf anbieten.
Es gibt jedoch auch die Sondergattung an Spekulanten in der Szene, die Reisen einmal im Jahr nach Japan oder haben Freunde in Amerika, kaufen dort günstig mehrere Porsche, Benz und andere Klassiker ein, verschiffen diese nach Deutschland, lassen diese für den deutschen Markt dürftig herrichten und aufpolieren, melden diese für ein halbes Jahr hier in Deutschland an und verkaufen diese Wagen dann aufgrund der hohen Nachfrage mit einem gesalzenen Aufschlag, um den schnellen TEuro. zu machen. Von einem Insider weiß ich, dass die Nettorendite bei bis zu 40% des eingesetzten Kapitals einmal gelegen hat, zwischenzeitlich jedoch auch hier ein Abwärtstrend sich zeigt, da die Japaner mitbekommen haben, dass ihre Autos hier in Europa für teures Geld weiterverkauft werden.

Leser könnten sich nun Fragen - moment - in Japan ist doch Linksverkehr und somit das Lenkrad rechts. Nun dazu muß man wissen, dass der Japaner bei hochwertigen Fahrzeugen wie Mercedes, Porsche und Audi Quattro die Autos so ordert, wie diese im Herstellerland gefahren werden. Deshalb gibt es viele Fahrzeuge, die als Linkslenker in Japan ausgeliefert worden sind.

Im übrigen spreche ich hier nicht über seriöse Händler, die dieses Geschäft schon seit Jahren betreiben und diese Reimporte mit hohem Kostenaufwand auf Herz und Nieren hier in Deutschland checken und ggfs. instandsetzen bevor sie diese zum Verkauf auf dem deutschen Markt anbieten.

Beide Gattungen an Spekulanten werden aber auch wieder aus dem Markt gehen, wenn sich irgendwann in ferner Zukunft die Kapitalmärkte mit einer höheren Rendite diesem Klientel anbieten werden. Ob dann noch diese augenblicklichen Wertsteigerungen erzielt werden, bleibt abzuwarten.
In den Neunzigern hatten wir schon einmal einen Einbruch in der Szene, wo die Autos weit unter den Vorjahrespreisen verkauft worden sind.

Wer heute einen Klassiker kaufen möchte, muß den Markt kennen. Es gibt viel Ungutes auf dem Markt, da viele viele auf den Zug aufgesprungen sind, um an dem Hipe zu partizipieren.

Wenn man unbedarft in die Szene einsteigt und kauft (sei es auf einer Messe oder über Angebote auf Internetplattformen), dann kann es sein, dass man nicht stilvoll mit seinem erworbenen Klassiker das momentan herrschende Zinstief umfährt, sondern ein finanzielles Grab sich vor einem auftut. Man betrachte bspweise nur die Porsche- und Mercedes-Szene mit der Schwämme an Japan-Reimporten mit wenigen Kilometern auf der Uhr, die die Leute zum Kaufen dieser verleitet, da sie um einiges günstiger sind, als die Autos mit deutscher Kennung und lückenloser Historie. Die japanischen Fahrzeuge haben unendlich viele Betriebsstunden auf dem Buckel aufgrund der Stauproblematik in Japan und der Kilometerstand gibt dies keinesfalls wieder. Wenn man Pech hat, dann ist der Motor des erworbenen Reimports sauer und nach kurzer Zeit kommt das große Erwachen in Form einer kompletten Motorrevision auf einen zu. Bei einer Komplettevision von einem luftgekühlten Porschemotor ist man dann mit 12-15 TEuro dabei.
Oder die Reimporte von Mercedes aus Japan. Die wenigsten wissen, dass Mercedes für den asiatischen Markt ab Ende der 80iger in China produzieren lassen hat. Gründe dafür waren die horrenten Zölle für eingeführte Endprodukte, die außerhalb des asiatischen Marktes produziert worden sind, Ein asiatischer Mercedes ist nicht gleich einem deutschen Mercedes von den Materialien her. Das Plastik riecht anders, als hätten die Chinesen einen anderen Weichmacher verwendet.

Wer sich als Neuling in der Szene einen Klassiker kaufen möchte, der sollte sich zuvor genau über sein Wunschauto einlesen und informieren und auch den Rat von Clubs suchen. Manche Clubs bieten sogar an, dass ein erfahrenes Clubmitglied zur Besichtigung des angebotenen Klassikers mitgeht und den Wagen mitbegutachtet oder ein Clubmitglied verkauft sogar gerade seinen Wagen. Die Zeit der Schnäppchen sind im Moment vorbei. Wer einen Klassiker sein Eigen nennen möchte, der muß aufgrund der letzten Jahre für gutes Material gutes Geld auf den Tisch legen. Inwieweit die in den letzten Jahren hohen Wertsteigerungen bei jetzigem Kauf noch damit erwirtschaftet werden können, ist fraglich. Wer einen Klassiker mit nachvollziehbarer, weitestgehender lückenloser Historie in einem guten bis sehr guten Zustand erwirbt, wird in ein paar Jahren den bezahlten Kaufpreis zumindest wieder bei Verkauf bekommen. Die Rendite ist dann im ungünstigsten Fall der Spaßfaktor, den man garantiert mit seinem Klassiker erleben wird.


Klaus

29.03.2016

Gerade Oldtimer sind was für die Zukunft. Die bei vielen Oldtimern zumeist simple Technik lässt sich auch in 20 oder 30 Jahren noch reparieren. Bei den modernen Fahrzeugen weiß Niemand, ob es die zahlreichen verbauten Steuergeräte etc in 30 Jahren überhaupt noch gibt. Fahre selber einen Oldtimer. Der steht nach 31 Jahren und 300.000 KM immer noch mit erstem Lack, Motor und Getriebe sehr gut da.
Und teuer ist relativ. Bei den derzeitigen Wertzuwächsen kann es ein sehr preiswertes Hobby sein, wenn man rechtzeitig wieder verkauft. Meiner hat nach 1,5 Jahren einen Wertzuwachs (nach Abzug aller Investitionen!) von Minimum 15 %.
Und der Spaß ist eh unbezahlbar.


Roland

29.03.2016

Ein Oldtimer ist nicht für die Zukunft geschaffen, aber es ist ein teures Hobby.


HBV

22.03.2016

habe 1993 einen R107 300SL Roadster Bj 1985
gekauft.
Das ist auch heute noch ein sehr gepflegtes und technisch einwandfreies Fahrzeug, mittlerweile
mit H-Kennzeichen. Im Strassenverkehr erregt man
nach-wie-vor einiges Aufsehen.


Thomas

22.03.2016

Habe ich so gemacht:
2002: Einen Käfer aus erster Hand gekauft mit 40TKM in wirklich guten Zustand (nur Gargae /Scheckheft) für nur 1200 Euro. Und dieses Jahr Verkauft für 6000. In der Zwischenzeit ca. 2500 Investiert (incl Service etc/viel selbst gemacht...) und 50TKM gefahren. Besser gehts nicht! Aber der Spass war unbezahlbar...