„Hände hoch!"

Die spektakulärsten Banküberfälle der letzten Jahre | 08.03.2019

Die spektakulärsten Banküberfälle der letzten Jahre

© Eva-Katalin

„Überfall“ – das klingt nach Agentenfilmen in schwarz-weiß und ein „Räuber“ nach einem eher nostalgischen Tätertypus. Tatsächlich sind Raubüberfälle auf Banken oder Geldtransporte ein aussterbendes Verbrechen und nicht immer von Erfolg gekrönt. Acht spektakuläre und kuriose Raubzüge:

„Hände hoch! Das ist ein Überfall! Her mit dem Geld!“ So oder so ähnlich stellen sich vermutlich viele Menschen den Moment vor, wenn ein Bankräuber eine Bank überfällt. Solche Überfälle kommen in der Realität jedoch immer seltener vor. Im Jahr 2017 wurden laut Polizeilicher Kriminalstatistik nur noch 139 Überfälle auf Geldinstitute erfasst und damit 15% weniger als im Vorjahr. Und: Nur 90 davon waren vollendet. Der Grund? Mittlerweile werden immer öfter Geldautomaten gesprengt. Schließlich ist so ein Überfall nicht nur aufwendig, es kann dabei auch eine Menge schiefgehen – wie diese acht besonders interessanten Raubzüge.

Überfälle wie aus einem Actionthriller

Wilde Verfolgung: Am Morgen des 19. Oktober 2018 überfielen fünf maskierte und zum Teil mit Maschinenpistolen bewaffnete Männer einen Berliner Geldtransporter. Ihre vorläufige Beute: acht kleine und große Geldkisten. Schon auf der Flucht, bei der sie sich sogar einen Schusswechsel mit der Polizei lieferten, verloren sie eine Kiste. Als ihr Auto in Kreuzberg wegen eines platten Reifens nicht mehr weiterfuhr, flüchteten die Räuber in einem zweiten Fluchtwagen – ohne die übrigen sieben Kisten. Die Polizei verhaftete im Dezember einen 32- und einen 38-Jährigen, die beide in Verbindung mit einem der polizeibekannten arabischstämmigen Clans in Beziehung stehen sollen.

Ausgeklügelter Plan: Nicht nur als Räuber, sondern auch als Schauspieler taugt ein Filialleiter, der einen Überfall auf seine eigene Bank eingefädelt hatte. Ein Freund des Bankkaufmanns überfiel dessen Filiale 2016 mit einer Gaspistole sowie der Attrappe einer Handgranate, während er den ahnungslosen Chef gab. Das Landgericht Hannover verurteilte den 32-Jährigen 2017 wegen schweren Raubes zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und fünf Monaten. Sein gleichaltriger Freund und Komplize erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten. Die Männer hatten insgesamt 367.500 Euro gestohlen – ein großer Teil der Beute tauchte nicht mehr auf.

Angriff aus dem Untergrund: Im Jahr 2016 überfallen Maskierte mit vorgehaltener Panzerfaust und Schnellfeuergewehren am helllichten Tag zwei Geldtransporter in Niedersachsen – müssen aber ohne Beute flüchten. Erstaunlich: Ermittler finden danach die genetischen Spuren der untergetauchten RAF-Terroristen Daniela Klette (57), Ernst-Volker Wilhelm Staub (61) und Burkhard Garweg (47). Experten gehen davon aus, dass die Überfälle ihr Leben im Untergrund finanzieren sollten. Mehr als zwei Jahrzehnte lang war die RAF der Inbegriff von Terror und Mord. 1998 erklärte sie sich für aufgelöst. Ihrem „bewaffneten Kampf“ gegen das „imperialistische System“ fielen Dutzende zum Opfer, darunter hohe Repräsentanten von Wirtschaft und Politik.

Dreister Coup: Im März 2017 entwendeten Räuber aus einem Berliner Museum über Nacht eine 3,75 Millionen Euro teure Goldmünze. Ein Wachmann des Museums soll zuvor die Örtlichkeiten ausgekundschaftet haben. Abtransportiert haben die Täter die 100 Kilogramm schwere kanadische Münze „Big Maple Leaf“ mit dem Bildnis von Königin Elizabeth II. in einer Schubkarre. Auftauchen wird das Ausstellungsstück wohl nicht wieder: Ermittler gehen davon aus, dass die Münze in Stücke zerteilt und verkauft wurde. Im Januar begann der Prozess gegen vier Tatverdächtige. Drei der deutschen Angeklagten gehören laut Angaben zu einer arabischstämmigen Berliner Großfamilie.

Vier wirklich bizarre Überfälle

Versteckte Kamera? Eine besonders kuriose Vorstellung lieferte ein Mann im April 2018 bei dem Versuch ab, eine Bank im Frankfurter Stadtteil Schwanheim mit zwei komplett eingegipsten Unterarmen auszurauben. Zuerst wollte er 5.000 Euro abheben, erhielt aber von Bankangestellten als Antwort, dies sei nicht möglich. Nach kurzer Zeit erschien er erneut, sprach von einem Banküberfall und forderte 50.000 Euro. Als man ihm erklärte, es sei kein Bargeld da, formte er laut Polizei beide Hände zu Pistolen, zielte in Richtung Decke und rief: „Ich bin der Wolf of Wallstreet!“ Er verließ die Bank, kehrte kurz darauf aber nochmal zurück und betonte, es habe sich wirklich um einen Überfall gehandelt. „Das ist schon eine sehr ungewöhnliche Tatbegehungsweise“, sagte ein Sprecher der Polizei.

Erfinderisch: Mit brachialer Gewalt sind bislang unbekannte Täter in eine Bankfiliale im nordrhein-westfälischen Borken eingebrochen. Mit einem gestohlenen Trecker durchbrachen die Täter rückwärts das Sicherheitsglas der Bankfiliale und zogen einen der Geldautomaten an einem Schleppgurt nach draußen. Dort hoben sie den 700 Kilogramm schweren Automaten in einen Kastenwagen und flüchteten. Die Fahndung blieb erfolglos, den Sachschaden am Gebäude schätzt die Polizei auf 50.000 Euro.

Halbherziger Raubzug: Als wenig hartnäckig, dafür aber als leicht zu beeindrucken, hat sich ein Bankräuber im März 2017 in München gezeigt. Der Mann bedrohte eine Bankangestellte mit einem schlagstockähnlichen Gegenstand und forderte die Herausgabe von Bargeld. Als die Frau dem Mann deutlich machte, dass er kein Geld bekommen werde, ließ der frustrierte Räuber von der Frau ab. Die inzwischen eingetroffene Polizei konnte den 24-Jährigen festnehmen. Verletzt wurde niemand.

Dramatischer Überfall: Nicht immer gehen Banküberfälle glimpflich aus. Besonders für die Bankangestellten kann daraus ein echter Alptraum werden. Zwei Mitarbeiter einer Bankfiliale in Waldshut werden den 21. April 2017 sicher nicht so schnell vergessen. Bei einem Überfall auf ihre Bank hatte ein 57-Jähriger zunächst einen fünfstelligen Geldbetrag erbeutet, wurde dann aber von der Polizei aufgehalten. In dem anschließenden Schusswechsel wurde der Räuber verletzt. Die Bankmitarbeiter mussten sich in einem Nebenraum in Sicherheit bringen. Nach zweieinhalb Stunden nahm ein Spezial-Einsatzkommando den Bewaffneten in der Bankfiliale fest, den Haftbefehl erhielt der Täter nach einer Notoperation im Krankenhaus.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (5)


Kommentare

brigitte

18.03.2019

Ihre Infos lese ich immer gern.
Da sind interessante Fälle dabei, aber Sie können in Ruhe darüber erzählen. Sie haben doch nur das internet......


Peter

14.03.2019

Ganz schön mutig für ne Bank, über die spektakulärsten Banküberfälle zu berichten ... XDD


Morst

12.03.2019

Für die Hälfte von 367500 Euro 3,5 Jahre hinter Gitter zu wandern halte ich nicht unbedingt für "ausgeklügelt" ;-)


notting

08.03.2019

Kenne da noch andere Geschichten: Doof wenn jmd. versucht mitten in der Nacht in einem Dorf den Geldautomaten mitgehen zu lassen, der zufällig den Moment erwischt wo ausnahmsweise eine Streife vorbeikommt und dann eben wg. spontaner Abfahrt bzw. mangelnder Ladungssicherung die komplette Beute vom Pickup runterfällt - die zudem nur aus einem Kontoauszugsdrucker besteht... :-D

notting


Horst

08.03.2019

Zum Thema Banküberfälle:
Der Dumme überfällt eine Bank, der Kluge aber gründet selber eine Bank.
In diesem Sinne einen schönen Tag