Von Steuer bis Sorgerecht

Welche Rechte und Pflichten haben Verheiratete? | 09.06.2017

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Sie wollen heiraten oder sind schon ein Ehepaar? Glückwunsch! Dann gehören sie zu den über 400.000 Deutschen, die sich laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2015 das Ja-Wort gegeben haben. Bei all der Romantik vergisst man schnell, sich dem nüchternen Thema der Rechte und Pflichten zu widmen – dabei ist das durchaus sinnvoll.

Steuerklasse – welche ist die beste?

Eine Ehe kann steuerliche Vorteile mit sich bringen. Es gibt drei mögliche Steuerkombinationen: IV/IV, III und V sowie IV mit Faktor. Grundsätzlich rutschen nach einer Heirat beide Ehepartner in Steuerklasse IV. Dies ist auch der Fall, wenn ein Partner nicht erwerbstätig ist. Die zweite Kombination der Steuerklassen III und V lohnt sich dann, wenn ein Ehepartner deutlich mehr verdient als der andere. Es gilt die Faustregel: Derjenige, der 60 bis 75% der Gesamteinkünfte verdient, sollte Steuerklasse III wählen; der Partner mit geringeren Einkünften die Klasse V. In dieser Kombination ist ein höheres Nettoeinkommen möglich, allerdings sind im Gegenzug auch höhere Steuernachzahlungen nicht auszuschließen.

Eine andere Variante ist die Kombination aus Steuerklasse IV mit Faktor: „Mit den voraussichtlichen Löhnen und Freibeträgen wird ein Faktor berechnet, bei dem die Steuer ziemlich genau abgeschätzt werden kann“, sagt Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) in Berlin. „Eine automatische Zusammenveranlagung gibt es übrigens nicht. Voraussetzung ist die Abgabe der Steuererklärung und der Antrag auf Zusammenveranlagung.“

Falls Sie verheiratet sind: Hat es sich auch steuerlich gelohnt?

Adoption und Sorgerecht

Laut Statistischem Bundesamt wurden 2015 in Deutschland insgesamt 3.812 Kinder und Jugendliche adoptiert. Wichtigste Voraussetzung dafür: Einer der Ehepartner muss mindestens 25 Jahre, der andere mindestens 21 Jahre alt sein. Ein Höchstalter gibt es nicht. Das gilt auch für diejenigen, die ein Kind aus der Verwandtschaft oder das Kind des Ehepartners adoptieren möchten. Bei unverheirateten Paaren und nicht eingetragenen Lebenspartnerschaften kann nur einer der Partner ein Kind adoptieren. Eine Inlandsadoption ist Aufgabe der Jugendhilfe und als solche gebührenfrei; eine Auslandsadoption kostet 800 Euro. Hinzu kommen in beiden Fällen Gebühren für beispielsweise Beglaubigungen, Führungszeugnisse und Notare.

Lassen sich die Ehepartner scheiden, gilt in Bezug auf ihre gemeinsamen Kinder folgendes: „Das Sorgerecht bleibt bei beiden Eltern gemeinsam. Nur wenn sie sich insgesamt oder in einzelnen Punkten nicht einigen können, wird das gesamte oder Teilbereiche des Sorgerechts auf einen Elternteil übertragen“, erklärt Ulrike Köllner, Fachanwältin für Familienrecht aus München. „Das ganze Sorgerecht wird nur dann auf einen Elternteil übertragen, wenn es zwischen den Eltern völlig unüberbrückbare Differenzen gibt, die sich zulasten des Kindes auswirken, wenn nicht ein Elternteil alleine entscheiden kann.“

Unterhaltspflicht – wer muss zahlen?

Egal, ob es um den Unterhalt des Kindes oder den eines getrennten Ehepartners geht – entweder wählen Sie den außergerichtlichen Weg oder es wird eine Einigung über ein Gerichtsverfahren erzielt. „Der Kindesunterhalt bemisst sich nach dem Einkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils und wird nach der sogenannten Düsseldorfer Tabelle errechnet“, sagt Anwältin Köllner. Beim Ehegattenunterhalt seien die Gerichte verpflichtet, in jedem Einzelfall eine Ermessensentscheidung zu treffen. „Ganz grundsätzlich soll es nach der Trennung und zumindest für eine befristete Zeit nach der Scheidung so sein, dass nach Abzug aller Belastungen und der Kindesunterhaltszahlungen derjenige, der mehr Nettoeinkommen übrig hat, an den anderen so viel Unterhalt zahlen muss, dass beide Ehegatten ein etwa gleich hohes Einkommen zur Verfügung haben.“

Schulden bleiben beim Verursacher

Eines der häufigsten Streitthemen bei Scheidungen sind Schulden. Laut Gesetz gilt: Der Ehepartner, der Schulden durch Kreditverträge oder Unterhaltsansprüche vor oder während der Ehe verursacht hat, muss für diese aufkommen. Es tritt keine gemeinsame automatische Haftung ein. Das gilt auch im Falle einer vertraglich festgelegten Gütertrennung. Es sei denn, Sie haben ausdrücklich für das Mittragen der Schulden unterschrieben. Eine Ausnahme bildet das gemeinsame Girokonto: Im Falle einer Trennung haften beide Ehepartner für etwaige Schulden.

Und wie verhält es sich bei unverheirateten Paaren? „Ohne eine Bürgschaft oder Mitunterzeichnung eines Kreditvertrags entsteht keine Haftung für die Schulden des anderen Partners“, sagt Rechtsanwalt Prof. Dr. Thieler aus München. „Es sollte daher genau durchdacht werden, welchen Umfang die jeweils abgegebene Erklärung hat.“

Todesfall und Krankenpflege

Möchte ein Ehepartner seinen schwer erkrankten Gatten oder seine Ehefrau pflegen, kann er oder sie Sonderurlaub nach § 616 BGB einreichen. Als Ehepaar ist es in jedem Fall sinnvoll, frühzeitig eine Patientenverfügung festzulegen. Denn sollte einer der Partner nicht mehr in der Lage sein, eigene Entscheidungen zu treffen, sind dem anderen ohne eine entsprechende Vollmacht die Hände gebunden. Ein neues, noch nicht verabschiedetes Gesetz soll bald jedoch mehr Rechte für Verheiratete oder eingetragene Lebenspartner schaffen.

Sollte der Ehepartner sterben, so kümmert sich laut den Bestattungsgesetzen der Bundesländer zunächst der Ehepartner oder der eingetragene Lebensgefährte, dann die Kinder, die Eltern, die Geschwister und schließlich die Enkelkinder um die Beerdigung. Wenn Sie nicht verheiratet sind und Ihr Partner stirbt, haben Sie keinerlei Rechte – ausgenommen, es gibt ein Testament.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (8)


Kommentare

Lea F.

22.06.2017

Ich möchte jetzt ungern die Ehe-Gatten-Splitting-Debatte aufmachen, die können Sie ja selbst nachrecherchieren. Gehen wir mal davon aus, die Ehe hält nicht ein leben lang, dann beraten Sie ihre weiblichen Kundinnen mit diesem Artikel allerdings nicht wirklich gut- sollten Sie mal weiter überlegen...
Da Frauen meist die weniger verdienenden in einer Ehe sind, bedeutet dies nach einer Scheidung auch weniger Geld, was dazu fühlen kann, dass die Frauen in Altersarmut rutschen...
Ihr Artikel ist einfach mega undifferenziert


ING Kunde

21.06.2017

Hallo liebes ING-DiBa- Team,

in ihrem Beitrag heißt es: "...In dieser Kombination ist ein höheres Nettoeinkommen möglich..." Diese Aussage ist, hinsichtlich der Höhe des Nettoeinkommens auf das Jahr gerechnet, nicht korrekt.

Die Wahl der Steuerklassen hat lediglich eine Auswirkung auf die Vorauszahlungen (=Lohnsteuer). Die Verringerung der Vorauszahlungen, entsteht durch die unterschiedliche Berechnung der Lohnsteuer. Hierbei werden verschiedene Freibeträge, in den jeweiligen Steuerklassen zur Berechnung der Lohnsteuer, berücksichtigt.

Der Vorteil besteht darin, dass Sie das Geld nicht erst am Ende des Jahres erstattet bekommen, sondern dieses durch die Verringerung der Lohnsteuer monatlich auf ihrem Konto landet!
Bitte beachten Sie, dass bei der Wahl einer III/V Kombination, die Gefahr einer Nachzahlung droht! Man geht hierbei von folgender Verteilung aus: III (ca. 60%) und V (ca. 40%) des Gesamteinkommens. Findet eine Abweichung dieser Zuordnung statt, droht die Gefahr der Nachzahlung! - Mithin besteht bei dieser Kombination die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung!

Egal in welcher Steuerklasse Sie sich befinden - unterm Strich kommt am Ende der Steuererklärung immer das Gleiche raus!

Viele Grüße


Helmut Hüsam

16.06.2017

Da ich ca. das doppelte verdient habe wie meine Frau, haben wir uns
für die Steuerklasse IV entschieden. Dies brachte den Vorteil, das wir
vom Finanzamt jährlich immer zwischen 1.400 und 1.600 Euro erstattet
bekamen.


notting

13.06.2017

@Ing-Diba: In Ihrem Link steht "Im Jahr 2015 haben 400 000 Paare(!) den Bund der Ehe geschlossen. Das ist eine Steigerung um 14 000 beziehungsweise 3,6 % gegenüber 2014 (386 000)."
Ein "Paar" besteht typ. aus 2(!) Personen, ergo haben 800.000(!) Personen in Deutschland geheiratet ("Deutsche" beschreibt ja eine Untergruppe von Personen).
Eine klare Aussage woher der Daten stammen habe ich so direkt nicht gefunden, aber sieht für mich stark nach "von den dt. Standesämtern" aus.

Also wenn Sie wenigstens das mit den 400.000 Paare bzw. 800.000 Personen in Ihrem Artikel korrigieren könnten...

notting


ING-DiBa

13.06.2017

Hallo Gast2, am besten erkundigen Sie sich noch einmal bei einem Steuerberater. Wir können Ihnen dazu keine Auskunft geben. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Gast2

13.06.2017

Und welche Lohnsteuerklasse bekommt man, wenn der Ehepartner Freiberufler ist?
Da geht man meistens davon aus, dass der angestellte Ehepartner in die Lohnsteuerklasse 3 wechselt, mein Finanzamt scheint irgendwie nicht der gleichen Meinung zu sein...!


ING-DiBa

12.06.2017

Hallo notting, hm, gute Frage! Die Zahl haben wir direkt vom statistischen Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/EhenLebenspartnerschaften/EhenLebenspartnerschaften.htm Viele Grüße, Ihr Social Media Team


notting

10.06.2017

"Dann gehören sie zu den über 400.000 Deutschen, die sich laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2015 das Ja-Wort gegeben haben."
-> Wie wurde diese Statistik erstellt?! Was ist wenn in Deutschland eine Ehe zwischen einem Deutschen und einem Ausländer geschlossen wurde? Was wenn ein Deutscher im Ausland geheiratet hat?
So wie ich das verstehe was ich bei einer Kurzrecherche herausgefunden habe, stimmt diese Aussage im Artikel wohl nicht -> es wurden einfach die Zahlen der dt. Standesämter herangezogen, also ein Deutscher der im Ausland heiratet zählt wohl nicht, dafür aber alle Ausländer die in Deutschland heiraten, egal ob bei der Ehe ein Teil Deutscher ist oder nicht.
-> Einfach schreiben "Über 400.000 Personen haben 2015 in Deutschland geheiratet".

notting