Altersvorsorge

Ehefrauen droht Rentenlücke | 02.10.2017

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© ING-DiBa

Verliebt, verlobt – und jetzt wird geheiratet. In einer solchen Lebensphase denkt das Hochzeitspaar nicht unbedingt an den Lebensabend als Rentner. Das ist ein mitunter kostspieliger Fehler. „Sich frühzeitig Gedanken zu machen und an das Alter zu denken ist wichtig“, sagt Cornelia Jurrmann, Sprecherin des Sozialverbands VdK Deutschland. Ansonsten droht vor allem Frauen, dass sie als Rentnerinnen in die Armutsfalle tappen.

Frau verdient weniger

Der durchschnittliche Betrag, den Frauen im Alter von der gesetzlichen Rentenversicherung ausgezahlt bekommen, liegt bei monatlich 634 Euro. Das sind etwa 40 Prozent weniger als die Summe, die Männer im Schnitt erhalten. Diese Differenz hat viele Gründe.

Frauen verdienen per se weniger. Viele sind im sozialen Bereich tätig oder haben einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund. Solche Jobs sind oft schlechter bezahlt als sogenannte klassische Männerberufe. Je niedriger der Verdienst, desto weniger fließt in die Rentenkasse.

Frau pausiert öfter

Stehen Ehepaare vor der Entscheidung, wer sich um den Nachwuchs kümmert und dazu vom Job pausiert, trifft es meist denjenigen, der weniger verdient – also tritt meist die Frau kürzer. Auf deren Rente wirkt sich das zunächst nicht negativ aus. Denn es gibt einen gesetzlichen Ausgleich.

Demnach bekommen Mütter (oder Väter) bei Geburten ab 1992 bis zu 36 Monate Kindererziehungszeit pro Kind in der gesetzlichen Rentenversicherung gutgeschrieben. Bei Geburten vor 1992 sind nur es zwei Jahre. Konkret bedeutet das: Pro Jahr gibt es einen Entgeltpunkt in Höhe von etwa 30 Euro, bei drei Jahren dann also drei Entgeltpunkte und 90 Euro mehr Rente. Diese Rentenbeiträge zahlt der Bund. Berechnungsgrundlage ist der Durchschnittsverdienst aller Versicherten, der aktuell 37.103 Euro pro Person im Jahr beträgt.

„Wer jedoch über die bis zu dreijährige Erziehungszeit hinaus zu Hause bleibt, dem drohen später deutliche Einschnitte bei der Rente“, sagt Marina Herbrich, Präsidentin des Bundesverbands der Rentenberater.

Frau arbeitet oft Teilzeit

Sind die Kinder größer, nehmen viele Frauen einen Teilzeitjob an. Ein solches Beschäftigungsverhältnis haben knapp 50 Prozent aller erwerbstätigen Frauen in Deutschland. Doch eine Teilzeitarbeit kann die Rentenlücke nur bedingt auffüllen. Wie hoch der durchschnittliche finanzielle Ausfall durch Teilzeitarbeit und Auszeiten für die Kindererziehung ist, lässt sich nicht sagen, wie Herbrich betont. Eine individuelle Beratung ist daher wichtig.

Informationen einholen

Die Rentenversicherung verschickt jährlich eine Renteninformation. „Anhand derer kann jede Arbeitnehmerin die zu erwartende gesetzliche Rente kalkulieren“, sagt Jurrmann. Bei Fragen kann sie sich an die Rentenversicherung oder an einen Rentenberater wenden.

Freiwillig einzahlen

Nur unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Frau freiwillig selbst in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Allerdings: „Die Frau darf nicht bereits pflichtversichert sein, etwa aufgrund einer Erwerbstätigkeit“, sagt Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Um überhaupt Anspruch auf eine Rente zu haben, ist eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren Voraussetzung. Hat eine Frau ein Jahr gearbeitet und dann eine dreijährige Kindererziehungszeit gehabt, fehlt ihr ein Jahr – für das nachgezahlt werden kann.

Der Mindestbeitrag liegt derzeit bei monatlich 84,15 Euro, der Höchstbeitrag bei 1.187,45 Euro. Die Frau kann, vorausgesetzt, sie ist nicht pflichtversichert und bezieht auch noch keine Altersvollrente, so lange einzahlen, wie sie will. Einen Antrag auf freiwillige Zahlungen kann sie beim Rentenversicherungsträger stellen.

Nach einem Jahr Zahlung freiwilliger Mindestbeiträge (12 mal 84,15 Euro) erhöht sich der monatliche Rentenanspruch um rund 4,43 Euro, bei Zahlung des Höchstbeitrags (12 mal 1.187,45 Euro) sind es 62,54 Euro mehr. Legt man die derzeitige Durchschnittsrente von Frauen (634 Euro) zugrunde, erhöht sich diese nach einem Jahr freiwilliger Einzahlung auf 638,43 Euro (Mindestbeitrag) oder 696,54 Euro (Höchstbeitrag).

Umgerechnet bedeutet das: Damit diese freiwillige Einzahlung wieder komplett als Rente in den eigenen Geldbeutel zurückfließt, muss knapp 19 Jahre lang Rente bezogen werden.

Private Vorsorge treffen

Diese Situation zeigt auch, wie wichtig eine private Altersvorsorge ist. So kann beispielsweise der Ehemann eine private Rentenversicherung für seine Gattin abschließen. „Wichtig ist in einem solchen Fall, dass die Frau als versicherte Person eingetragen wird“, sagt Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. Weitere Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge sind beispielsweise Banksparpläne oder Investmentfonds. „Hier spielt es grundsätzlich keine Rolle, wer dieses Produkt abschließt, sofern bei den Ehegatten eine Zugewinngemeinschaft besteht“, so Oelmann. Hier wird bei einer möglichen Trennung das angesammelte Kapital ab dem Zeitpunkt der Eheschließung geteilt, unabhängig vom Vertragsinhaber.

Übrigens: Steuerliche Vergünstigungen gibt es für den Ehemann, der für seine Gattin privat fürs Alter vorsorgt, bei keiner der möglichen Optionen.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (16)


Kommentare

Markus H.

22.10.2017

Was hier vergessen wird ist, dass Frauen die Rente 7-10 Jahre länger beziehen als Männer. Faktisch kommt es durch unser Rentensystem zu ein Benachteiligung der Männer, da unterschiedliche Lebenserwartungen nicht berücksichtigt werden.


R. St.

17.10.2017

Rente: Demnach bekommen Mütter (oder Väter) bei Geburten ab 1992 bis zu 36 Monate Kindererziehungszeit pro Kind in der gesetzlichen Rentenversicherung gutgeschrieben. Das stimmt so nicht mehr.
Seit dem 01.08.2017 bekommen beide Eltern je 36 Monate gutgeschrieben.


Mr. Money

13.10.2017

Mühlbauer Holding, eine meiner Lieblingsaktien mit der ich bis jetzt nicht realisierten Gewinn gemacht habe geht sehr runter....verkaufe ich.
Also ein wenig muss man schon gucken...

Mies ist nur das man 25% Kapitalertragsteuer zahlen muss, das ist eindeutig zu viel und mindert den Kursgewinn ungemein.... ca. 1.142,74 Euro für den Staat - FRECHHEIT!!!


Jan

12.10.2017

@Susanne Kroll
In was für einer Wohnung leben Sie alleine? 3 Zimmer? 4 Zimmer?
Dann ziehen Sie in eine 1 Zimmer Wohnung um. Ganz einfach.
Klar sind mieten teurer geworden...

Meine Mutter ist auch von 3 Zimmer in ein Appartment gezogen.
Zahlt ca. 550 Euro mit Stellplatz - Neuvermietungen sind 650 Euro.
Wenn das die Hälfte vom Gehalt ist, dürften Sie gerade mal 1.200 Euro haben.
Logopädie: Über 10 Jahre Berufserfahrung: 2.000 bis 3.600 Brutto
Ich habe nicht mal 3.000 Brutto. Und mit 1.800,00 Netto (2.900 Brutto) kann man sich wohl eine Wohnung für 650 Euro Netto leisten?!

Oder wo haben Sie noch Luxusausgaben? Rauchen? Trinken? Kino, Theater etc?


Mr. Money

12.10.2017

@ Klaus
Wer hat Ihnen denn erzählt das Fonds unsicher wären und Totalverlust?
Genau das Gegenteil...in Fonds sind zig Aktien / Unternehmen enthalten.
Wenn Sie nur auf eine Aktie / Unternehmen setzen, wie Air Berlin, dann haben Sie Pech.
Aber nehmen Sie doch mal einen Fonds aus Flugaktien wie sagen wir Lufthansa, Air Berlin, Emirat, Rynair, etc.
Dann macht das Null-Komma-Null aus wenn Air Berlin abschmiert.
Die anderen fangen es auf...der Fonds knickt ein wenig ein, je nach dem wie hoch der Anteil war...aber ein erfahrener Manager sieht das schon eher und baut frühzeitig Positionen ab, bevor Sie als Einzelanleger auch nur ein mal Äh sagen können.

Ich empfehle ein paar Fonds und ein paar einzelne Aktien - empfohlen wurden von Experten bisher 3 bis 5 Aktien / Unternehmen oder aber auch nicht mehr als 10 Positionen in Einzelwerten.
Ich halte zur Zeit 16 - hatte schon bis zu 20 / 25 - mein Depot ist im Plus mit 10.000 Euro.
Hier und da habe ich Verluste hingenommen...und?
Welche Anlage ist schon sicher? In Gold und Silber hatte ich einen Verlust von 4.000 Euro rum und sogar noch Safegebühren bei der Spaßkasse!

Bei der Aktienauswahl vertraue ich auf mein Bauchgefühl und den Angaben der ING DiBa (Charts, etc.)

Sie müssen sich nur überlegen, kennen Sie die Art des Unternehmens? Gehen Sie nach KGV? Nach Dividende? Nach Marktkapitalisierung? etc.

Ich habe z.B. Tencent im Depot (China - Internet) - Gefahren: Währung, Politik, Dividende magere 0,23% aber Kursanstieg von etlichen Prozenten, wäre ich früher dabei gewesen, nageln Sie mich nicht fest, sehen Sie sich den Chart an, von über 1.000% - persönlich habe ich bei Anlage von 2.000 Euro schon plus knapp 1.700 Euro gemacht.


horsti

12.10.2017

Ein typischer Angst-Mach-Artikel vom "Versicherungsvertreter". Bei Doppelverdienern ist die Versorgung im Alter meist gar nicht so kritisch, und für die Ehefrauen sollte doch wohl zuerst eine Beurteilung der Situation inkl. der Witwenrente erfolgen, ob dann evtl. eine zu große Lücke entsteht.
Sehr kritisch ist es dagegen für alleinerziehende, geringverdienende Frauen. Aber die haben ja auch nichts übrig zum anlegen und sind deshalb für die Banken uninteressant.


Klaus

12.10.2017

Mr.Money, Fonds sind sehr unsicher, bis hin zum Totalverlust. Was dann???


Hobby-Anleger

12.10.2017

Die Ursache überhaupt für die Probleme der eigenen finanziellen (Alters-)Vorsorge liegt für mich im unzureichenden Finanz-Wissen der breiten Bevölkerung. Dazu kommt das bislang große Vertrauen in staatliche Maßnahmen (z. B. Riesterrente etc.) und die Angebote von Finanzdienstleistern (Banken, Versicherungen etc.). Das Vertrauen auf diese fördert die Trägheit, sich um die eigene Vorsorge selbst aktiv zu kümmern. Von Seiten des Staates scheint eine breite finanzielle Bildung nicht gewollt zu sein - von der Finanz-Lobby ganz zu schweigen.
Dennoch muss man sich mit deren Produkten beschäftigen.
Eröffnen sie doch über vielfache Weise die Möglichkeiten der privaten zusätzlichen Vorsorge.

In der gesetzlichen Rentenversicherung ist die Beratung kostenlos und nur zu empfehlen. Bevor man monatlich über 80 € freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt sollte geprüft werden, ob nicht evtl. ein Mini-Job mit 450 € angenommen werden kann. Dann ist man pflichtversichert mit einem geringen Zusatzbeitrag von etwas über 16 €. Diese Pflichtbeiträge haben rentenrechtlich eine viel stärkere Wirkung .

Eine aus eigenen (versteuerten) Mitteln selbst aufgebaute Altersvorsorge muss bei einer evtl. Anrechnung bei der Grundsicherung außen vor bleiben. Wer langfristig denkt und spart / anlegt würde dann auch noch bestraft. Darüber sollte politisch massiv nachgedacht werden.


Susanne Kroll

11.10.2017

Wer so wenig verdient wie ich ( Vollzeit als Logopädin im Angestelltenverhältnis), hat keine finanziellen Möglichkeiten für das Alter zu sparen.
Ich zahle fast die Hälfte meines Nettolohns für Miete, ich werde genötigt GEZ zu bezahlen, obwohl ich gar keinen Fernseher besitze, ich zahle immer noch den Soli und werde als Geschiedene Mutter zweier erwachsener Kinder auch ansonsten steuerlich benachteiligt, etc. etc.
Wenn ich mir noch nicht mal einen eigenen Internetanschluss leisten kann oder gar eine neue Brille oder gar Zahnersatz, wie soll ich da etwas fürs Alter zurück legen.


Frau mit Kind

11.10.2017

Ich gebe nobody zu 100% recht. Leider gibt es aber auch viele, sehr viele Alleinerziehende und diese fallen durch "sämtliche Raster" ! Es gibt keine flexiblen Sparpläne, Fonds usw.


Dieter Borchers

11.10.2017

Hier steht: "Diese Rentenbeiträge zahlt der Bund.". Gemeint ist die Mütterrente. Das ist sachlich falsch. Die Mütterrente, die Frau Nahles in der vergangenen Legislaturperiode eingeführt hat, zahlen komplett die anderen Rentenbeitragszahler. Der Finanzminister hat sich sehr darüber gefreut, das ihn die Mütterrente nichts kostet. Diese Umverteilung der Beiträge geht natürlich zu Lasten derjenigen, die für diese Beiträge gearbeitet haben. Deshalb ist diese Gruppe gut beraten diese zusätzliche Lücke durch eigene zusätzliche Vorsorge auszugleichen.


Gabriele-erdinger@web.de

07.10.2017

Was würde die Welt tun wenn's kennen
Nachwuchs mehr gebe......
Man wird dafür noch bestraft
Ist alles ungerecht


Mr. Money

06.10.2017

Bei einer anderen Bank kann man einen Fonds für 25,00 Euro mtl. Sparplan anlegen - sollte DiBa auch endlich mal machen!!!

Dies sind 300,00 Euro im Jahr, dazu kommt der Fonds-Wachstum. Wer möchte kann auch noch Extra Zahlungen leisten, dies steigert die Einlage um ein weiteres. Wenn man einen Thesaurierenden Fonds nimmt, werden Erträge / Zinsen / Dividenden (je nach Fonds) gleich wieder mit angelegt.

Oder wäre es der DiBa nicht möglich oder zu teuer einen Rentenplan zu machen mit Fonds, die sich der Kunde selber aussucht, verkaufen kann innerhalb des Rentenplans bzw. tauschen?
Der Kunde legt monatlich zwischen 10,00 und 50,00 Euro an, kann Sonderzahlungen leisten und DiBa legt das in den Fonds anteilsmäßig an. Das wäre doch mal ein super flexibles Produkt. Natürlich bis zur Rente gesperrt.

Erwachsene sollten für Ihre Kinder gleich einen oder mehrere verschiedene Fonds für die Rente anlegen und den Kindern dies einbläuen, weiter zu machen für das Alter.

Dummerweise quängelt einen der Staat oder Gläubiger dies auf zu lösen, wenn man Schulden hat. Deshalb oberstes Prinzip, lieber auf Apple Smartphone für 1.000,00 Euro und mehr verzichten und lieber eines für 50,00 bis 100,00 Euro kaufen, reicht voll und ganz.
Und am Besten keine Schulden machen bzw. weitgehendst kontrolliert (Haus, Auto, etc.) nur kein Luxus.


Raupe1

06.10.2017

Auch ein Geringverdiener kann , wenn er früh beginnt, etwas zurücklegen, wenn es nur 50 € sind. Dafür weniger Rauchen und Trinken oder Party machen. Bloß daran denken die Berufs Anfänger leider nicht. Frei nach dem Motto....*ich lebe jetzt* oder der Staat wird mir schon helfen....


nobody

04.10.2017

Alles Quatsch, wer schon nicht viel verdient kann nicht noch geld für die Rente zurücklegen. Man schafft gerade mal ein par euro zurück zulegen um die Dinge zu bezahlen, die man nicht vorher sehen kann. Wie Waschmaschine, kühlschrank u.s.w , wenn die mal kaputt gehen.
Bei 1000€ -1200€ netto bleibt da kein Geld übrig, um etwas für die Rente bei Seite zu legen. Wenn dann noch Frau und 2 Kinder dazu kommen, bleibt nix am Ende des Monats. Kein Urlaub, kein Kino u.s.w. alle die was anderes sagen , haben keine Ahnung oder haben zu viel Geld und langweilen sich nur.


r.diersch

03.10.2017

so ist es-denn wer zu spät kommt den bestraft das leben.!