Mieter- oder Vermietersache?

Wer für Reparaturkosten aufkommen muss | 07.04.2017

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© ING-DiBa

Wer zur Miete wohnt, wird früher oder später einmal mit Schäden in der Wohnung konfrontiert. Doch wer ist verantwortlich, wenn der Wasserhahn streikt oder die Heizung ausfällt?

Generell gilt: Bei Schäden, die durch Verschleiß entstehen, braucht der Mieter nicht zu zahlen. Lässt sich beispielsweise die Wohnungstür aufgrund eines defekten Schlosses nicht mehr öffnen, muss der Vermieter die Kosten für den Schlüsseldient übernehmen.

Anders verhält es sich, wenn der Mieter den Schlüssel verliert oder in seiner Wohnung vergisst. Denn ist der Schaden selbst verschuldet, müssen auch die Reparaturkosten aus eigener Tasche bezahlt werden. Es gibt allerdings Ausnahmen.

Auf das Kleingedruckte kommt es an

Die meisten Mietverträge enthalten Klauseln, die den Mieter zu Kleinreparaturen oder Schönheitsreparaturen verpflichten. Zu letzteren zählt etwa das Streichen und Tapezieren der Wände. Die Kleinreparaturklausel besagt, dass der Mieter Reparaturkosten übernehmen muss, die verhältnismäßig gering ausfallen und Bagatellschäden betreffen. Dazu zählen defekte Lichtschalter oder tropfende Wasserhähne. Dies bedeutet aber nicht, dass der Mieter beliebig oft zur Kasse gebeten werden darf. Denn die Klausel ist nur gültig, wenn folgende Regeln beachtet wurden:

  • Es muss eine angemessene Kosten¬grenze angegeben werden. Was unter angemessen zu verstehen ist, ist gesetzlich nicht geregelt. Gerichte halten in den meisten Fällen eine Grenze zwischen 75 und 100 Euro für zulässig. Übersteigen die Reparaturkosten hingegen den im Mietvertrag vereinbarten und angemessenen Höchstbetrag, handelt es sich nicht um eine Kleinreparatur. Daraus folgt: Der Vermieter muss die vollen Kosten übernehmen.

    Ein Beispiel: Kostet die Reparatur des Wasserhahns 50 Euro und der Mietvertrag enthält eine Klausel für Kleinreparaturen bis zu 75 Euro, muss der Mieter für die Kosten aufkommen. Entstehen aber Reparaturkosten in Höhe von 120 Euro, ist die vereinbarte Höchstgrenze von 75 Euro überschritten: Der Vermieter muss deshalb die vollen Kosten tragen.

    Für den Fall, dass im Laufe des Jahres mehrere Kleinreparaturen in der Wohnung anfallen, muss zudem eine Jahreshöchstgrenze festgelegt werden. Diese beträgt in der Regel acht Prozent der jährlichen Kaltmiete (der Prozentsatz kann sich von Bundesland zu Bundesland geringfügig unterscheiden). Wird die Grenze überschritten, muss der Vermieter alle weiteren Reparaturkosten zahlen.
  • Außerdem darf sich die Klausel nur auf Dinge in der Wohnung beziehen, die der Mieter häufig benutzt. Hierzu zählen beispielsweise Wasserhähne, Fensterläden oder Türschlösser. Muss hingegen das Licht im Treppenhaus oder die Außensprechanlage repariert werden, geht das zulasten des Vermieters.

Werden diese Regeln nicht beachtet, ist die Reparaturklausel unwirksam und der Vermieter muss die vollen Kosten tragen.

Vermieter schnellstmöglich informieren

Kleinreparatur hin oder her: Der Vermieter ist dafür verantwortlich, Mängel beseitigen zu lassen. Allerdings ist es die Pflicht des Mieters, Schäden zu melden. Geschieht dies nicht und es entstehen Folgeschäden, ist der Mieter schadenersatzpflichtig. Deshalb empfiehlt es sich, bei einem Schaden folgendermaßen vorzugehen:

  • Zunächst sollte der Mieter seinen Vermieter schriftlich benachrichtigen und auffordern, den Mangel innerhalb einer bestimmten Frist zu beseitigen – in der Regel gelten 14 Tage als angemessen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte die Mängelmeldung per Einschreiben mit Rückschein verschicken. Alternativ kann man den Brief auch persönlich bei der Hausverwaltung abgeben und sich den Empfang bestätigen lassen. Das hat den Vorteil, im Nachhinein beweisen zu können, den Schaden gemeldet zu haben.
  • Kommt der Vermieter seiner Pflicht, die Mängel schnellstmöglich und fachgerecht zu beseitigen, nicht nach, empfiehlt es sich, ihn schriftlich mit einer Mahnung daran zu erinnern.
  • Erst wenn dieser trotz Mahnung nicht tätig wird, kann der Mieter die Handwerker beauftragen und sich die Kosten anschließend erstatten lassen. Alternativ kann er sie auch von der nächsten Miete abziehen. Hierbei muss aber der Vermieter über die Gründe der Mietkürzung informiert werden. Wer allerdings eigenmächtig einen Handwerker beauftragt und nicht nachweisen kann, dass der Vermieter trotz Mängelmeldung und Mahnung nicht reagiert hat, bleibt im schlimmsten Fall auf den Kosten sitzen.

Handelt es sich um einen Notfall, gelten andere Regeln. Fällt beispielsweise an einem Wochenende im Winter die Heizung aus und der Vermieter ist nicht zu erreichen, kann der Mieter selbst die Handwerker beauftragen. Die Kosten muss dennoch der Vermieter übernehmen – vorausgesetzt, die Reparaturen waren notwendig. Lässt der Mieter hingegen die Heizkörper austauschen, obwohl diese noch funktionstüchtig sind, muss er für die entstehenden Mehrkosten aufkommen.

Tipp: Wer hilft bei Ärger mit dem Vermieter?

Gibt es Probleme mit dem Vermieter, helfen Mietvereine, die deutschlandweit aktiv sind. Auch der Mieterbund ist Ansprechpartner in Bezug auf Streitfälle zwischen Mieter und Vermieter. Kommt es dennoch zu keiner Einigung, bleibt noch der Gang zum Anwalt.  

Autor: ING-DiBa



Ihre Meinung

Kommentare (10)


Kommentare

V.Stoehr

24.04.2017

Da sich mittlerweile die Handwerkerstundenlöhne bei ca 50 € netto sind, dann noch Material und Wegekosten ist eine Kleinbetragsgrenze Illusion. Der Vermieter zahlt stets selbst.


Gerald Sander

22.04.2017

Leider wird wegen solcher Berichterstattung die Vermietung immer teurer. Einigungen ohne Gericht gibt es nicht mehr. Weiter so, dann haben wir leider in ein paar Jahren unbezahlbare Mieten wegen hunderttausend Vermieterpflichten die umgelegt werden. Laut Rechtsprechung ohne Einigung nach gesundem Menschenverstand. (In welcher Wohnung werde ich nach viel Suchen wohl keinen Kleinstbefall von Schwarzschimmel finden? Das ist menschheitsbegleitend ). War das früher eine Katastrophe??? Diese Entwicklung ist in keiner Weise gut.


Alwin Bayer

20.04.2017

Haben nur Vermieter Pflichten !!!!


Wolfgang Walter

13.04.2017

Vielen Dank der ING-DIBA für das Informationsangebot zum Mietrecht.
Das betrifft ja jeweils beide Parteien, Mieter und Vermieter - da liegt keine Parteinahme zugunsten einer Seite vor. Solche Informationen helfen, unnötigen Streit zu vermeiden.
.... und natürlich gibt es bisweilen den 'bösen' Vermieter wie auch den 'bösen' Mieter.
Letztlich sollte man sich auch in die Rolle seines Gegenübers versetzen.


Horst Weis

13.04.2017

Bei Mietminderung, wird da %ual nach der Kaltmiete gekürzt oder die Nebenkostenvorauszahlung mit angerechnet?


David Baum

12.04.2017

Es findet hier doch gar keine "Berichterstattung" statt. Es ist eine Art Artikel oder Blogbeitrag für Kunden (und solche, die es werden sollen) mit der Überschrift "Mieter- oder Vermietersache?".
Da gibt es kein Pro oder Contra, der Vermieter wird auch nicht als böse oder feindlich dargestellt. Dass sich mehr Beiträge mit der Perspektive der Mieter beschäftigen, dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass es mehr Mieter als Vermieter gibt.
Unabhängig davon: In dem Artikel steht doch auch etwas zu Pflichten eines Mieters. Erfreulich doch auch für die Vermietersicht: 86% der Mieter dieser vermutlich nicht repräsentativen Umfrage sind in Bezug auf Kleinreparaturen mit ihren Vermietern nicht unzufrieden, 69% gar zufrieden.


Irene Kaiser

12.04.2017

Ich kannmich da nur meinen Vor-Kommentatoren anschließen: wo bleibt die ausgewogene Berichterstattung der ingdiba? Wo bleiben die Pflichten der Mieter und die Rechte der Vermieter? Es kann nicht nur immer pro Mieter gehen! Das größte Risiko hat der Vermieter, insbesondere finanziell. Also bitte unbedingt auch diese Seite bringen.


Roland Berger

12.04.2017

Vielen Dank für die informativen Beiträge. Mit Sicherheit besteht der größere Informationsbedarf auf Seiten der Mieter - weiter so!


monika mayer

11.04.2017

Dem stimme ich zu. Hier lesen wir immer nur davon, dass Mieter geschützt werden müssen. Bitte mehr über die Rechte der Vermieter bringen....


Hans Meier

08.04.2017

Könnte die DiBa auch mal etwas zur Mieterpflichten schreiben? Was haben Vermieter für bestimmte Rechte?
Nur einseitige Blogbeiträge für Mieter...