Frühlingsputz oder Rundumsanierung?

Nützliche Check-ups bei Häusern aus den 80ern | 28.06.2017

20150624_Baukosten_artikel

© ING-DiBa

Häuser, die in den 80er Jahren gebaut wurden, sind heute über 30 – das ist zwar kein hohes Alter für ein Haus, doch trotzdem stellen sich oft erste Zipperlein ein. Die Grundkonstruktion dieser Häuser sei in der Regel solide gebaut, erklärt Ulrich Zink, Vorsitzender des Bundesverbandes Altbauerneuerung in Berlin. „Aber sie stammen aus der Anfangsphase der Wärmeschutzverordnung. Damit genügen sie nicht mehr den heutigen Anforderungen und Standards.“ Daher ist ein Check-up der häufigsten Schwachstellen sinnvoll. Hausbesitzer, die investieren wollen, sollten zudem einen Gebäude-Check vornehmen, der die energetische Situation des Hauses untersucht.

Das Dach: Feuchtigkeit und Verstopfungen drohen

Die Gebäudehülle mit Dach und Fassade ist permanent Wind und Wetter ausgesetzt. „Nach 30 Jahren ist es kein Wunder, wenn Dachziegel gerissen oder locker sind und sogar fehlen“, sagt Josef Rühle vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks in Köln. So kann Feuchtigkeit in die Konstruktion eindringen und für Feuchteschäden sorgen.
 
Auch die Öffnungen zur Be- und Entlüftung sind nach langem Gebrauch oft irgendwann verstopft. „Viele Eigenheimbesitzer haben noch alte Sanitärlüfter auf dem Dach, die im Zubehör nicht UV-beständig sind“, erklärt Rühle. „Diese müssen dringend inspiziert und gegebenenfalls ausgetauscht werden, weil sie undicht werden können.“ Auch an Dachrinnen, Fallrohren und anderen Entwässerungsteilen nagt der Zahn der Zeit.
 
Was hilft? Lassen Sie einen Dachdecker überprüfen, ob Abdeckung und Abdichtung noch funktionsfähig und sicher befestigt sind. Auch Nähte, Halterungen für Fallrohre, Laubkörbe oder Revisionsvorrichtungen sollten Sie regelmäßig warten lassen.

Die Heiztechnik: Zeit für eine Modernisierung

Sie haben seit 30 Jahren dieselbe Heizungsanlage? Dann sollten Sie langsam über eine Erneuerung oder Modernisierung nachdenken. „Wichtig ist, sich den Heizkessel anzusehen“, so Zink. „Kann er in Verbindung mit innovativer Technik bessere Leistungen bringen? Oder ist ein Austausch sinnvoll? Können in Zukunft regenerative Energien genutzt werden?“
 
Unter Experten gelten Solarthermien als eine in vielen Fällen sinnvolle Alternative. Dabei wird die Sonneneinstrahlung mithilfe von Solarkollektoren in Wärme umgewandelt. Viele Deutsche halten dennoch an ihren alten Heizungen fest. „In Deutschland stagniert die Austauschrate von alten Heizkesseln seit längerem bei drei Prozent“, erklärt Stephan Langer, Vorstand des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks in Sankt Augustin bei Bonn.

Die Fassade: Gemäuer zukunftsfit machen

Eine zeitgemäße Wärmedämmung ist oft eine wertvolle Investition. In den 80er Jahren waren typische Materialien Putzfassaden, hinterlüftete Fassaden aus Stein, Ziegel und Blech. Aber: „Mitunter sind auch schon Mauersteine verwendet worden, die eine gewisse Dämmwirkung haben, zum Beispiel Porenleichtziegel“, erklärt Zink. In der Regel erfüllen Häuser aus dieser Zeit die Ansprüche der 2. Wärmeschutzverordnung, die von 1984 bis 1995 galt. Ist bereits ein Wärmeverbundsystem vorhanden, sollte überprüft werden, ob der Oberputz noch wasserabweisend ist, rät Rühle: „Anderenfalls sollten Anstrich und Putz erneuert werden.“

Fenster und Rollläden: Wärmeschutz fürs ganze Haus

Fenster in Häusern aus den 80ern sind zwar auch oft aus Isolierglas, doch ihr Wärmeschutz ist für heutige Anforderungen nicht mehr ausreichend. „Ab 1995 wurde Wärmeschutzglas verwendet, das weitaus bessere Dämmeigenschaften hat“, erklärt Ulrich Tschorn, Geschäftsführer des Verbandes Fenster + Fassade in Frankfurt am Main. Achten Sie auf den sogenannten Uw-Wert: Dieser gibt an, wie viel Wärme das Fensterglas und der Rahmen durchlassen. Oft fehlt Häusern in diesem stolzen Alter auch die Dämmung der Rollladenkästen. „Das sollte unbedingt nachgeholt werden, denn es hat entscheidenden Einfluss auf den Energieverbrauch“, erklärt Rühle.

Terrasse und Balkon: Rechtzeitig eingreifen bei Luft und Feuchtigkeit

Altbauexperte Zink empfiehlt: „Bei Terrassen und Balkonen ist zu prüfen, ob die Abdichtung noch in Ordnung ist, vor allem unter der Balkon- oder Terrassentür.“ Ist sie das nicht mehr, dringen Luft und Feuchtigkeit ins Haus. Vor allem Fliesenbeläge sind dann gefährdet. „Selbst kleine Schäden sollte man nicht unterschätzen“, warnt Zink.

Strom im Wandel: neue Möglichkeiten

Eine beliebte Investition bei Eigenheim-Besitzern ist das Solarpanel. Je nach Fläche und Beschaffung des Daches kostet es zwischen 200 und 300 Euro pro Quadratmeter. Mit einer Photovoltaik-Anlage können Sie den erzeugten Strom im eigenen Haushalt verbrauchen. Bei 10 bis 14 Cent pro Kilowattstunde im Vergleich zu aktuell üblichen Strompreisen von 28 bis 30 Cent kann sich das lohnen – meist refinanziert sich die Anlage sogar. Förderung vom Staat gibt es durch einen Zuschuss der KfW zum Kauf des Stromspeichers. Zudem ist der Eigenverbrauch von Solarstrom bei Kleinanlagen bis 10 Kilowatt Peak von Abgaben befreit.
 
Eine andere Möglichkeit, für den Privatgebrauch Energie zu erzeugen, sind kleine Windkraftanlagen auf dem Dach oder im Garten. Diese sogenannten Mikro-Windkraftanlagen bis 5 Kilowatt haben einen Durchmesser von ca. 4 Metern. Wichtig: Sie brauchen hierfür eine Genehmigung vom Bauamt und auch die Nachbarn sollten informiert werden. Die Kosten betragen 3.000 bis 9.000 Euro pro Kilowatt, dazu kommen Betriebskosten in Höhe von 2 bis 3% der investierten Kosten. Meist werden die Windkraftanlagen in Kombination mit Solarpanels oder Strom vom Versorger benutzt. Private Betreiber von Windenergie wählen diese Möglichkeit weniger aus finanziellen Gründen, sondern meist, um die Umwelt zu schützen oder um autark von Stromanbietern zu sein.

Autor: ING-DiBa


Kreditrechner

Was kostet mich mein Wunschkredit?

Für alle, die es genau wissen wollen: Geben Sie die Höhe Ihres Kreditwunsches und eine Laufzeit in Monaten ein. Berechnung starten und sie erhalten direkt Ihre individuelle monatliche Rate.


Ihre Meinung

Kommentare (0)