Alles kann – nicht alles muss

So sinnvoll sind Spezialversicherungen | 12.06.2017

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Versichern kann man sich gegen vieles auf dieser Welt. Doch sind Spezialversicherungen jenseits von Hausrat und Haftpflicht einfach nur teuer oder machen sie auch Sinn? Wenn ja, welche? Und was kosten sie?

Wie beliebt sind besondere Versicherungen?

Die Versicherungswirtschaft ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Deutschland – und der Markt für Spezialversicherungen ist riesig. Das deutsche Prämienvolumen von „Lloyd’s Versicherer London“, dem weltweit größten Marktbetreiber für Spezialversicherungen, liegt bei jährlich rund 550 Millionen Euro – bei mehreren tausend Versicherungsverträgen in Deutschland. Bei „Lloyd’s“ können Profisportler zum Beispiel Körperteile versichern lassen. Oder Eventveranstalter können sich dagegen versichern, dass ein von ihnen gebuchter Sänger nicht auftritt.

Absurd. Absurder. Aliens.

Es geht jedoch deutlich spezieller. Im Internet kursieren Versicherungen gegen Werwölfe oder den Weltuntergang, gegen Bettwanzen oder gegen das Totlachen – oder die „Versicherung gegen Entführung durch Aliens“. Diese gilt gleichwohl als „Geschenk-Police“, ist also natürlich nicht ernst gemeint; auch die „Weltuntergang“-Police ist ein Gag-Geschenk. „Prinzipiell kann man sich gegen vieles versichern“, sagt Jan Blumenthal, Hauptbevollmächtigter von „Lloyd’s Versicherer London“. „Eine seriöse Spezialversicherung ist aber niemals so schrill wie die meisten bunten Beispiele, die zuhauf durchs Internet geistern“, so der Experte. „Auch eine Spezialversicherung muss legal sein und sie darf nicht gegen die guten Sitten verstoßen. Der Risikoträger muss zudem eine realistische Chance haben, das Risiko zu verstehen und einen Preis festzusetzen.“ Aliens sind da einfach raus.

Drum prüfe, wer sich an eine Police bindet…

Im Programm seriöser deutscher Versicherungsgesellschaften enthalten ist die Hochzeitsrücktrittsversicherung. Allerdings: „Die Versicherungen sind nicht billig“, informiert Stiftung Warentest. „Für eine 25.000-Euro Hochzeit kostet der Schutz rund 500 Euro, bei Kosten von 10.500 Euro sind rund 200 Euro Versicherungsbeitrag fällig. Und für eine 2.500-Euro-Feier zahlen Kunden um die 50 Euro.“ Der Schutz sei vergleichbar mit dem einer Reiserücktrittsversicherung, schreibt Stiftung Warentest: „Versichert sind Rücktrittsgründe wie Tod, eine unerwartete schwere Erkrankung oder ein schwerer Unfall der zukünftigen Ehe- oder Lebens­partner, der Trauzeugen oder nahen Angehörigen.“ Zahlen konkreter Anwendungsfälle sind nicht bekannt. Schlechte Nachrichten für Bindungsunwillige: Entfällt die Vermählung, weil die Braut sich nur nicht traut, greift der Versicherungsschutz nicht.

Fallstrick Smartphone-Versicherung

Die Smartphone-Versicherung ist auch eine Spezialpolice und sie scheint erst mal verbraucherfreundlich; schließlich begleitet uns das Smartphone ja ständig und überallhin. Müsste sein Verlust da nicht gedeckt sein? „Nein“, schüttelt Annika Krempel vom gemeinnützigen Verbraucherportal „Finanztip“ den Kopf. „Speziell bei Smartphone-Versicherungen sind die Bedingungen oft so gestrickt, dass die Versicherung nicht immer das auszahlt, was der Kunde gerne haben möchte.“ Wird dem Versicherten sein Smartphone ein paar Jahre, nachdem er es gekauft hat, gestohlen,zahle die Versicherung mitunter nicht den vollen Kaufpreis – sondern nur den Zeitwert, den das Gerätealter schon um mehrere hundert Euro reduziert hat. Durchschnittspreise für Smartphone-Policen lägen bei zehn bis zwanzig Prozent des Kaufpreises pro Jahr, sagt Krempel: „Das ist teurer als ein neues Smartphone!“

Spezialversicherungen – lohnenswert für wen?

„Spezialversicherungen sind vor allem interessant für Unternehmen, die aus wirtschaftlichen Gründen ungewöhnliche Risiken eingehen“, fasst Jan Blumenthal vom Spezialversicherungsexperten „Lloyd’s Versicherer London“ zusammen. „Und wenn nachvollziehbare wirtschaftliche Interessen dahinterstehen, sind Spezialversicherungen auch steuerlich absetzbar.“ Ein Angebot für Privatkunden dagegen ist die „Hole in-one“-Versicherung: Locht ein Golfspieler den Ball mit nur einem einzigen Schlag ein, gehört es zum Rasen-Ritual, alle anwesenden Clubmitglieder zu einem Getränk einzuladen; bei den Preisen in den Golfclubs kann das teuer werden. „Hole-in-one“-Versicherungen können Bestandteil eines Golfschutzbriefes sein, der auch die Golfausrüstung absichert; eine große deutsche Versicherung bietet den Golfschutzbrief zum Beispiel für rund 77 Euro im Jahr an, und bei einem Glückstreffer sind bis zu 1.000 Euro für die Clubrunde inbegriffen. Luxus für betuchtere Verbraucher.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (2)


Kommentare

Danilo Empunkt

16.06.2017

Hmmm Frank, dass kann ich so überhaupt nicht bestätigen. Ich selbst und auch alle in meinem Bekanntenkreis haben das bekommen, was zustand.


Frank Kaufmann

13.06.2017

Ich habe die Erfahrung gemacht das jede Versicherung Sch*** ist. Wenn man sein Recht beanspruchen möchte, sind die Gesetze oder die Sachlage zu 99,8% so, dass man sowieso nicht zu seinem Recht kommt bzw. die Versicherung zahlt nichts oder sehr wenig. Gut sind sie meines Erachtens nur, wenn man angegriffen wird. Aber ob man dann zu seinem Recht kommt und alles abwehren kann, kann ich nicht sagen, hatte noch nie einen Rechtsfall gegen mich. Aber hatte schon zwei Rechtsfälle, beim einen hat zwar Versicherung Anwalt gezahlt, aber das Geld das ich vom Gegner zurückfordern wollte habe ich nicht bekommen, wegen Gesetzen und Bestimmungen. Bei einigen Versicherungen überlege ich mir ob ich sie wirklich brauche, habe einige, allerdings...wenn man sie nicht hat, dann braucht man sie doch zur Abwehr. Was man gar nicht braucht, sagen auch die Experten und man kann viel Googlen und dann selber entscheiden ist die Todesfallabsicherung, Reiserücktrittsversicherung (es sei denn man hat sehr wertvolle Gegenstände im Koffer oder eine sehr teure Reise) , Glasversicherung (für Wohnung), Unfallinsassenversicherung (Auto), usw.
Meine Meinung.