Steuertipp: Wohnungsumbau absetzen

Umbaumaßnahmen als außergewöhnliche Belastung anrechnen | 18.04.2018

2014-04-08 | Umbau

© ING-DiBa

Für einen Wohnungsumbau kann schon mal ein ziemlich großer Batzen Geld draufgehen. Und meist führen versteckte Kosten dazu, dass zum ursprünglich geplanten Betrag sogar noch etwas dazukommt. Es gibt aber bestimmte Voraussetzungen, unter denen der Fiskus Ihnen unter die Arme greift.

Denn entsteht Ihnen beispielsweise durch einen behindertengerechten Umbau eine außergewöhnliche Belastung, können Sie diese Kosten beim Finanzamt geltend machen. Auch wenn Sie zur Finanzierung der Baumaßnahmen ein Darlehen aufnehmen, können Sie die anfallenden Zinsen als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen.

Außergewöhnliche Belastung – was ist das?

Eine außergewöhnliche Belastung besteht dann, wenn Sie – wie der Name sagt – durch die Ausgaben, trotz Zuschüssen und Erstattungen, in besonderem Maße belastet werden. Der genaue Wortlaut im Gesetz heißt „außergewöhnliche“ und „zwangsläufige“ Ausgaben (§ 33 EStG).
 
Außergewöhnlich wird hier im Vergleich zu anderen Steuerpflichtigen definiert. Wenn Ihnen zwangsläufig größere Aufwendungen entstehen als der Mehrzahl der anderen Steuerpflichtigen, gilt dies als außergewöhnlich. Und zwangsläufig beinhaltet alle Zustände, denen Sie sich aus bestimmten Gründen nicht entziehen können. Anrechenbar sind aber nur Maßnahmen, die den Umständen nach notwendig sind. Die Kosten müssen hierbei natürlich angemessen sein.
 
Ein gutes Beispiel für eine außergewöhnliche Belastung ist der Wohnungsumbau, weil ein Hausbewohner körperlich eingeschränkt ist. Eine Behinderung ist eine Belastung, die die Mehrheit der Steuerzahler nicht hat und woraus bestimmte Herausforderungen im Alltag und beim Wohnen entstehen. Der Umbau zu einer behindertengerechten Wohnung kann somit eine außergewöhnliche Belastung darstellen.

Welche Kriterien müssen Sie erfüllen?

1. Ersatzansprüche gegen Dritte geltend machen:

Wenn Sie z.B. Ersatzansprüche gegen Ihre Versicherung oder den Voreigentümer haben, müssen Sie diese erst einfordern. Erst danach können Sie die übrigen Kosten von der Steuer absetzen.

2. Keine Mitschuld am Schaden:

Wenn Sie Ihre Wohnung umbauen müssen, da Ihnen sonst ein Gesundheitsrisiko droht, können Sie dies ebenfalls beim Finanzamt anrechnen lassen. Allerdings darf der Eigentümer keine Mitschuld am Schaden haben. Ihnen darf der Schaden auch nicht beim Kauf der Immobilie bekannt gewesen sein – sonst erhalten Sie vom Staat kein Geld zurück.

3. Nachweis für die Zwangsläufigkeit:

Sind alle Kriterien für eine außergewöhnliche Belastung erfüllt, müssen Sie noch einen Nachweis für die Zwangsläufigkeit der Aufwendungen vorlegen. Das kann z.B. ein medizinisches Gutachten sein.

4. Überschreitung einer zumutbaren Belastung:

Im Gesetz sind sogenannte „typisierte Einzelfälle“ verankert (§ 33a und § 33b EStG) – für behinderte oder pflegebedürftige Menschen gibt es bspw. Pauschbeträge. Ist Ihr Fall durch diese Regelung nicht abgedeckt, muss eine bestimmte Schwelle der zumutbaren Belastung überschritten sein, um die Kosten steuerlich absetzen zu können. Diese hängt von Ihren Einkünften, Ihrem Familienstand und der Anzahl Ihrer Kinder ab.

Mehr Kosten als Einkünfte – was tun?

Leider kann es auch vorkommen, dass Sie in einem Jahr mehr für Ihren Umbau ausgeben müssen, als Sie Einkünfte haben. Da Sie in diesem Jahr einen „Verlust“ machen, zahlen Sie keine Steuern. Sie können die außergewöhnlichen Belastungen dann nicht steuerlich geltend machen – denn außergewöhnliche Belastungen können zu keinem negativen Einkommen führen.
 
Die außergewöhnliche Belastung, die sich in diesem Fall nicht auswirkt, können Sie jedoch nicht auf die nächsten Jahre verteilen, in denen Sie wieder Steuern zahlen. Die Belastung kann nur in dem Jahr angerechnet werden, in dem sie anfällt. Das hat der Bundesfinanzhof bestätigt (BFH-Beschluss vom 12.07.2017, VI R 36/15).
 
Wir freuen uns, wenn dieser Artikel zum Thema Steuern hilfreich für Sie war. Wichtig: Es handelt sich hierbei um allgemeine Tipps, die eine Prüfung des Einzelfalls nicht ersetzen können. Haben Sie dazu Fragen? Dann wenden Sie sich einfach an Ihren Steuerberater oder Ihr zuständiges Finanzamt.


Ihre Meinung

Kommentare (1)


Kommentare

Horst Meckel

24.11.2015

Sehr guter Hinweis.

Ich musste für meine neuerdings im Rollstuhl sitzende Frau das Bad umbauen und werde die Kosten beim Finanzamt geltend machen.