Schauen, aber nicht anfassen

Kryptowährungen: (noch) kein Thema für deutsche Verbraucher │11.07.2018

Mann am Handy glücklich über Bitcoins

© vgajic - istock.com

Schauen, aber nicht anfassen: Das scheint das Verhältnis deutscher Verbraucher zu Kryptowährungen zu sein. Hierzulande haben Konsumenten zwar im europäischen Vergleich überdurchschnittlich häufig schon einmal davon gehört – sind aber deutlich zurückhaltender, was die Nutzung angeht. Dies ist eines der Ergebnisse einer Umfrage der ING in 13 europäischen Ländern sowie Australien und den USA.

Kryptowährungen sind offenbar eher ein Männerthema

Dabei zeigen die Umfrageergebnisse ein Geschlechtergefälle – so liegt beispielsweise der Anteil der Frauen, die schon einmal von Kryptowährungen gehört haben, deutschland- und europaweit niedriger als bei den männlichen Befragten. Hierzulande sind es 82 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen – im europäischen Durchschnitt liegen diese Zahlen bei 77 und 55 Prozent. In den USA ist der Unterschied sogar doppelt so groß: Hier sind es 69 Prozent der männlichen und nur 45 Prozent der weiblichen Umfrageteilnehmer.
 
Bei der Betrachtung der Altersverteilung finden sich die meisten Befragten, die schon einmal von Kryptowährungen gehört haben, in der Altersklasse von 25 bis 34 Jahren – darüber nehmen die Werte mit steigendem Alter tendenziell ab. Aber auch die jüngsten Umfrageteilnehmer im Alter von 18 bis 24 Jahren weisen deutlich niedrigere Werte auf.
 
Noch deutlicher zeigt sich das Altersgefälle bei der Aussage „Ich schätze, dass ich in Zukunft Kryptowährungen besitzen werde“: Von 42 Prozent der 18- bis 24-jährigen Deutschen (europäischer Durchschnitt: 34 Prozent) sinkt der Wert auf knapp fünf Prozent (europaweit: 8 Prozent) der über 65-jährigen.
Nachvollziehbar, dass jüngere Menschen verstärkt davon ausgehen, noch zu ihren Lebzeiten mit Kryptogeld in (virtuelle) Berührung zu kommen. Nur rund neun Prozent der Europäer geben an, bereits jetzt digitale Währungen zu besitzen; in Deutschland ist es noch einmal ein Prozentpunkt weniger.

Gehört Kryptowährungen die Zukunft?

Generell sind viele Verbraucher noch unschlüssig, was sie von digitalen Währungen halten sollen. Bei Fragen nach der Zukunftsträchtigkeit der Technologie vermied es ein großer Anteil der Befragten, sich festzulegen. Vorgestellt wurden die Aussagen „Digitale Währungen sind die Zukunft des Online-Zahlungsverkehrs“, „Digitale Währungen sind die Zukunft der Geldanlage“ sowie „Der Wert digitaler Währungen wird in den nächsten 12 Monaten zunehmen“.
 
Zwischen 35 und 40 Prozent wollten sich dabei nicht festlegen, ob sie diesen Aussagen zustimmen oder sie ablehnen, oder antworteten gleich mit „weiß nicht“. Die verbleibenden nicht ganz zwei Drittel stimmten im europäischen Durchschnitt allen drei Aussagen mit leichter Mehrheit zu, lehnten sie aber in Deutschland mit leichter Mehrheit ab.

„Würden Sie für Folgendes Kryptowährungen – wie Bitcoin – verwenden, wenn Sie die Option hätten?“ – Mehrfachantworten für „Nein“ möglich, Ergebnisse für Deutschland

Quelle: ING International Survey

Zahlen mit Bitcoins?

Die Neigung, traditionelle Zahlungsgewohnheiten umzustellen, ist aber nicht nur in Deutschland gering. Den Umfrageteilnehmern wurden verschiedene Zahlungsvorgänge vorgestellt – die Befragten sollten dann angeben, ob sie sich für diesen Zweck die Verwendung einer Kryptowährung, wie zum Beispiel Bitcoin, vorstellen könnten.
 
Bei einmaligen, überschaubaren Vorgängen wie dem Kauf eines Flugtickets fiel die Nutzungsbereitschaft dabei etwas höher aus als beispielsweise bei der Frage, ob man sein Gehalt in einer Kryptowährung beziehen würde – insgesamt aber lehnen zwei Drittel der Deutschen (europäischer Durchschnitt: 59 Prozent) die Verwendung von Krypto-Zahlungen für alle angegebenen Nutzungsbeispiele durchweg ab.
 
Der meistgenannte Grund dafür ist ein allgemeiner Unwille zur Veränderung der eigenen Zahlungsgewohnheiten - die Zeit scheint einfach noch nicht reif zu sein für Kryptowährungen.
 
Die Auswertung der Umfrageergebnisse steht im Blog unseres Chefvolkswirts Carsten Brzeski zum Download zur Verfügung.

Autor: Sebastian Franke


Ihre Meinung

Kommentare (6)


Kommentare

Bertram

16.07.2018

29% nutzen Bitcoin als Geldanlage?

Bitcoin hat keine Zukunft und schlägt mehr nach oben und unten aus als Aktien. Außerdem steht absolut kein Wert dahinter.

Also Geldanlage absolut ungeeignet, aber wer sein Geld verbrennen will, nur zu.

Aktien wenn runter gehen, zahlen immer noch jährlich Dividende und das Aktien wertlos werden ist sehr selten....dann einfach laufen lassen, bringen wie gesagt Dividenden.

Bitcoin wirft keine Zinsen oder sonstiges an, also totes Kapital.

Ich rate nur Hände weg davon....wer da denkt anlegen zu können, ist sicher wieder einer von denen der dann zum Anwalt läuft weil er keine Ahnung hat und Verlust gemacht hat bis hin total Verlust und dann meint, er könne die Bitcoin Handelsplattform verklagen.

Und nicht immer wie ein Lemming den anderen hinter her laufen! Kopf einschalten und selber nach denken.


Jonas von der Heide

12.07.2018

@Hans-Wolfgang Bertels

Ganz einfach, ist ein Umrechnungskurs für dieses Hirngespinnst.
So als ob Du Euro in Dollar tauscht, beim nächsten umwechseln hast Du mehr oder weniger - ist hier dann ein Währungsverlust bzw. -gewinn.

Die 1.000 Euro hat halt jemand anderes, der sich dafür was kaufen kann oder es anderweitig sicher anlegt.
Deine Kryptowährung - wobei Währung ein falsches Wort ist, nur ein anerkanntes Tauschmittel von mehreren als nur Fanatikern ist eine reele Währung - ist nur so viel Wert, was ein anderer dafür gibt mit der vagen Hoffnung das sie nicht bald verboten wird, wegen:

- Energieverschwendung bei der Herstellung, Verwaltung und Verbreitung an Ahnungslose (Bauern-)Opfer

- Nicht verfolgbare Zahlungsmethode, besonders geeignet für Dark Web Kriminelle.

usw.


Klaus

12.07.2018

Abgesehen dass die Schätzungen zum Stromverbrauch oft außer acht lassen dass diese in der Regel mit sehr viel effizienterer Hardware erzeugt werden (Grafikkarten und CPUs sind lange Geschichte), ist der Strompreis einer der wichtigsten Faktoren. Das Mining findet also sowieso dort statt wo es Strom im Überfluss gibt und dieser daher entsprechend günstig ist meist aus nachhaltigen Quellen und zu Tageszeiten wo das Stromnetz entlastet werden muss, Energieerzeugung jedoch nicht einfach abgeschaltet werden kann. Es gibt tatsächlich Regionen auf der Erde wo zu manchen Tageszeiten der Strom eben nichts kostet. Sobald es nicht mehr wirtschaftlich ist werden die Miner sowieso abgeschaltet. Also immer mit der Ruhe muss ja nicht immer alles gleich verboten werden.


Hans-Wolfgang Bertels

11.07.2018

Ich halte Kryptowährungen für heiße Luft.
Wenn ich für 1000 € Kryptowährungen kaufe, was passiert mit den 1000 € ?


Frank

11.07.2018

@Daniel

Hier stimme ich Dir voll und ganz zu.

Man kann noch ergänzen das der Energieverbrauch zum erstellen, verbreiten und halten immens hoch ist.

2017 wurde so viel Strom allein für Bitcoins verbraucht, was dem Jahresstromverbrauch des Landes, LANDES!!!, Argentinien entspricht.


Daniel

11.07.2018

Im wesentlichen ist Bitcoin die aam weitesten bekannte Kryptowährung, bei aller Euphorie sollte nicht außer acht gelassen werden, dass Bitcoinmining unserem Planeten unermesslichen Schaden zufügt und Bitcoin sehr gerne im Umfeld von Kapitalverbrechen (z.B. Lösegeld bei Entführungen, Erpressungen, etc.) genutzt wird. Das Mining und der Handel mit Bitcoin sollte weltweit verboten werden.