Versandt oder versandet?

Wer haftet für verlorene oder beschädigte Briefe und Pakete? | 20.02.2019

Verlorene Pakete

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Die richtige Verpackung, eine ordentliche Beschriftung und ein versicherter Versand – das alles schützt nicht zu 100% davor, dass Pakete verschwinden oder kaputt gehen. Was in diesem Fall zu tun ist, und wer für Verlust oder Beschädigung haftet:

Ob Geschenke für die Liebsten, ein Brief ans Finanzamt oder die Ausbeute des Online-Shoppings – es ist immer ärgerlich, wenn ein Brief oder Paket beschädigt ist oder gar nicht erst ankommt. Statistisch ist das allerdings recht selten der Fall: Laut der Deutschen Post sind mehr als 99% aller Inlandsbriefe spätestens am zweiten Tag nach der Einlieferung beim Empfänger, laut Hermes liegt die aktuelle Schaden- und Verlustquote von Paketen bei schlappen 0,03%. Ausgeschlossen ist es dennoch nicht. Was in solch einem Fall zu tun ist.

Kaputt? Schnell handeln!

Wenn das Paket schon von außen beschädigt ist oder die Scherben im Inneren nur so klirren, sollte der Empfänger die Annahme am besten direkt verweigern. Fällt ein beschädigter Inhalt erst nach dem Öffnen des Paketes auf, bleibt nur die Schadensmeldung. Diese muss innerhalb von sieben Tagen nach Annahme des Pakets erfolgen. Entsprechende Formulare sind auf den Webseiten der Versanddienstleister zu finden. Kann der Absender nachweisen, dass er das Paket ordentlich verpackt und die Ware gepolstert hat, haftet in der Regel das Versandunternehmen.

Es gilt: Als Absender ist es empfehlenswert, vor dem Zukleben ein paar Fotos zu machen und bestenfalls sogar einen Zeugen dabei zu haben.

Wer zahlt, wenn nichts ankommt?

Wenn eine versicherte Sendung auf dem Transportweg verloren gegangen ist und sich auch durch die Sendungsverfolgung nicht auffinden lässt, gibt es mehrere Optionen:

  1. Es handelt sich um einen gewerblichen Verkauf, beispielsweise eine Bestellung im Onlineshop. Hier liegt das Transportrisiko beim Händler. Wenn die Ware also nie ankommt, muss diese auch nicht bezahlen werden und der Händler muss sich mit dem Transportunternehmen auseinandersetzen.
  2. Es handelt sich um einen Privatverkauf, beispielsweise über eBay. Hier trägt tatsächlich der Empfänger das Risiko, sobald der Absender nachweisen kann, dass er das Paket abgegeben hat. Mit Pech sind also Geld und Ware verloren.
  3. Es handelt sich um ein privates Paket, zum Beispiel ein Geschenk. Bleibt der Nachforschungsauftrag erfolglos, kann der Absender den Wert der Sendung beim Versandunternehmen geltend machen. Achtung: Hier sind Quittungen und Kaufbelege nötig! Am besten so lange aufbewahren, bis alles heil angekommen ist.

Ein Nachforschungsauftrag kann nur vom Absender gestellt werden, dieser sollte also immer kontaktiert werden, wenn ein Brief oder Paket nicht ankommt.

Aufgepasst: Normale Briefe haben keine Sendungsverfolgungs-Nummer, was die Suche deutlich schwieriger macht. Wichtige Unterlagen am besten per Einschreiben verschicken!

Welche Summen sind versichert?

Die Haftungssummen variieren je nach Dienstleister. Bei Paketen liegt die Haftungssumme in der Regel bei 500 bis 750 Euro, Briefe sind gar nicht versichert. Selbst bei einem Einschreiben sind maximal 25 Euro Haftungssumme drin. Wer doch mal etwas Kleines, Wertvolles verschicken möchte, kann bei der Deutschen Post „WERT NATIONAL“ nutzen. Die Haftungssumme beträgt hier bis zu 500 Euro bei Sach- oder Warenwerten und bis zu 100 Euro bei Bargeld. Eine Höherversicherung von Paketen (bis 25.000 Euro) ist gegen Aufpreis z.B. bei DHL möglich.

Besser verpacken

Damit es gar nicht erst zu Beschädigungen kommt, gibt es von den Paketdienstleistern Tipps für die richtige Verpackung:

  • Das Paket von außen: „Jedes Jahr werden Pakete beschädigt, weil sich Schnüre, Schleifen oder Geschenkpapier in den Sortiermaschinen verheddern und die Pakete aufreißen“, so Ingo Bertram von Hermes. Geschenkverpackungen gehören also in den Versandkarton. Auf ausreichend Paketband sollte nicht verzichtet werden: „Pakete sollten mindestens zweimal längs und quer mit Paketband verklebt werden“, so Bertram. „Schlitze am Boden oder Deckel sind potenzielle Schwachstellen und müssen besonders sorgfältig verklebt werden.“ Aufkleber, die vor zerbrechlichen Teilen warnen sind überflüssig, denn Pakete werden vollautomatisch sortiert – „Maschinen können auf solche Warnhinweise leider keine Rücksicht nehmen.“
  • Das Paket von innen: Da es auf der Reise zum Empfänger auch mal ruppig zugehen kann, sollten keine Gegenstände im Karton herumfliegen. „Hohlräume sollten großzügig gepolstert werden – z.B. mit Luftpolsterfolie oder Styroporchips“, rät Bertram. „Bruchempfindliche Inhalte müssen rundum gepolstert werden, idealerweise zehn Zentimeter dick.“ Stefan Heß von DHL empfiehlt, ein Doppel der Adresse in das Innere einzulegen – falls doch mal etwas schief geht, findet man zumindest beim Öffnen des Pakets den richtigen Empfänger.
  • Die Beschriftung: „Unbedingt auf eine korrekte, vollständige Adresse achten“, sagt Stefan Heß von DHL. Bei Retoursendungen ist zudem darauf zu achten, dass die vorhandenen Adress- und Barcodeaufkleber unkenntlich gemacht oder abgerissen werden. Ingo Bertram ergänzt, dass weder die Namen von Babys noch Spitznamen verwendet werden sollten, da bei Zustellung oder Abholung die Ausweisdaten gelten.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (8)


Kommentare

Besserwisser

06.03.2019

@DrGonzo: Ihre Ausführungen zur DSL sind überholt. Paragraph 421 Abs. 1 S. 2 HGB begründet einen eigenen Anspruch des Empfängers, so dass die Vrss. der DSL gerade nicht mehr vorliegen.


S.B.L

05.03.2019

Pakete zumindest mit Deutscher Post immer angekommen; Briefe -ohne Einschreiben- leider häufiger nicht. Ich mach immer einen Absenderstempel darauf, an der Schrift kann es also nicht liegen, dann müssten sie ja wenigstens zurückkommen, außerdem schon häufiger in beide Richtungen passiert. Sprich auch bei mir kommt nicht alles an.


Paule

04.03.2019

@PeSt
Man verschickt keine Geld per normalen Brief - da nutzt man den Wertbrief (oder wie das Teil inzwischen heißt). Im normalen Brief ist Bargeld nämlich gar nicht zulässig.

Erst AGBs lesen und dann die passende Sendung wählen.

Was die Nachforschungsbeauftragung nach einem verschwundenen Paket angeht, das muss immer der Verkäufer machen. Auch mit Überlassungserklärung tun sich Post, Hermes und DPD schwer für den Empfänger tätig zu werden. Die meisten Callcenteragenten wissen gar nicht was eine abtretung ist.


Dr. Gonzo

02.03.2019

Die Ausführungen zum Privatverkauf sind leider unvollständig. Hier trägt zwar grundsätzlich im Verhältnis zum Verkäufer (!) der Empfänger das Risiko, sobald der Verkäufer nachweisen kann, dass er das Paket abgegeben hat. Ein im Verhältnis zum Transportunternehmen bestehender Schadensersatzanspruch (Drittschadensliquidation) ist vom Verkäufer an den Käufer abzutreten. Dann muss sich der Käufer mit dem Transportunternehmen auseinandersetzen.


PeSt

01.03.2019

2 Briefe mit Geldbeträgen (Geschenke zu Kommunion und Konfirmation) verschwanden spurlos und sind nie angekommen - was hab ich daraus gelernt? Nie wieder Geldgeschenke per Post!
Vor kurzem passiert: Ein Paket mit neuen Schuhen, kam ebenfalls nicht beim Empfänger an. Die Post behauptet zwar es zugestellt zu haben, aber der Name der Person die die Annahme gezeichnet hat, gibt es nicht und das Paket bleibt trotz Nachforschungsantrag verschwunden. Ersatz seitens Deutscher Post, trotz aller geforderten und erbrachten Nachweise über Sendungsnummer und Rechnungen ebenfalls Fehlanzeige, da ja angeblich zugestellt - zwar nicht an die adressierte Person, aber das interessiert die Post nicht. Somit kann also jeder Aushilfsfahrer einen erfundenen Namen druntersetzen - Fall erledigt - Paket verschwunden und die beteiligten Personen haben den Schaden.
Schade Deutsche Post!


Klaus

01.03.2019

Verschwundene Briefe, Pakete etc. würden gar nicht vorkommen, wenn man das Monopol bei der Deutschen Post gelassen hätte.

In Deutschland müsste der Staat die Führung der Deutschen Post, Deutschen Telekom, Krankenversicherung, Ärzte, Krankenhäuser, Pflege, einen deutschen Rentenfonds (Aktien etc. gemischt) für die Rente, Steuerung der Landwirtschaft in der Hand halten. Ausreichend Mitarbeiter als Angestellte
Und "beraten" werden dürfte der Staat nur von Fachleuten der Universitäten etc. ohne Beraterverträge etc. Sonst ist wieder alles
korrupiert.

Ganz einfach, man sollte Marktwirtschaft, Sozialwirtschaft und Planwirtschaft jeweils dort verwenden wo es sinnvoll und notwendig ist.

Landwirtschaft sollte geplant sein:
z.B. vom Land ziehen viele weg oder aus dem Osten. Man sollte Landwirte wo freie Flächen sind anstellen, monatliches Gehalt.
Arbeitsmaterial teilen (Traktor, Transporter, etc.), jeder baut alles
an (damit Umwelt nicht geschädigt wird), alles wird in einem
Topf geworfen und mit gerechten Preisen versehen in Deutschland
aufgeteilt - Überproduktion wenn vorhanden dann ins Ausland
verkauft.

Marktwirtschaft kann dann so was sein wie Konsum Technik:
Angebot und Nachfrage. Wer für ein Smartphone nur 100 Euro
ausgeben will findet dies und wer für ein Smartphone oder so
3.000 Euro ausgeben will findet das auch.
Jedem in der Hinsicht das gewünschte.


Nick

22.02.2019

Verschwinden von Briefpost und Zeitschriften kommt bei uns ca. 4 mal im Jahr vor trotz 25 Jahre an gleicher Hausadresse mit Namen und Haus-Nr. gut sichtbar für Postboten. Dennoch schaffen es Aushilfskräfte der Dt. Post immer wieder, die Sendungen in den Briefkasten von Nachbarn einzuwerfen. Das merkt man dann, wenn ein netter Nachbar an einem Sonntag sich die Mühe gemacht hat, die 20 Meter zu laufen um den Brief nachträglich in unseren Briefkasten zu werfen. Die anderen sind neugierig, reißen die fremde Post zum Lesen auf und schmeißen sie dann weg. Datenschutz lässt grüßen. Mailverkehr ist da sicherer.


Heinz Weyrich

22.02.2019

Pakete sind mir noch nicht verloren gegangen. Jedoch in den letzten drei Jahren jeweils Großbriefe mit einem Porte von je 1,45 €. Das letzte Jahr war unser gefertigter Familienstammbaum enthalten. Auch Nachforschung durch die Post hatte keinen Erfolg. Nicht nachvollziehbar, da Namen und Wohnorte angegeben waren. Zwei weiteren Bekannten sind ebenfalls normale Briefe verloren gegangen und bis heute nicht zugestellt worden. Das kann doch nicht sein, dass alles Nachweispflichtig versandt werden muss, damit es ordnungsgemäß zugestellt wird. So kann die Post ihren Umsatz steigern, ohne dass Ersatz geleistet werden muss.