Verwaiste Konten

Wie Erben an ihr Geld kommen | 08.09.2017

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© MartinPrescott - istock.com

Normalerweise geht das Vermögen eines Verstorbenen ohne Wenn und Aber auf die Erben über. Doch nicht immer läuft alles glatt. Mitunter gibt es Konten, die den Hinterbliebenen gar nicht bekannt sind. Umgekehrt hatte vielleicht auch das Geldinstitut lange Zeit keinen Kontakt mit dem Kontoinhaber und weiß nichts von dessen Tod und seinen Erben.

Nachforschungsverfahren oft kostenlos

Ein Einzelfall ist das nicht. Schätzungen zufolge sollen deutschlandweit rund zwei Milliarden Euro unbemerkt auf Konten von Verstorbenen liegen. Das muss aber nicht so bleiben: Wer vermutet, dass noch irgendwo auf irgendeinem Konto Geld liegt, kann Nachforschungen anstellen. Ein entsprechender Antrag kann etwa beim Bundesverband deutscher Banken (BdB) gestellt werden. Dieser hilft allerdings nur dann weiter, wenn es sich um eines seiner Mitgliedsinstitute handelt. Der Bankenverband vertritt aber über 220 private Banken, darunter auch die ING-DiBa.
 
Im Auftrag der Erben forscht der BdB in bis zu drei Bundesländern bei den ihm angeschlossenen Banken nach Konten von Verstorbenen. Hinterbliebene müssen dafür neben einem schriftlichen Antrag eine Kopie entweder des Erbscheins oder des Testaments mit gerichtlichem Eröffnungsvermerk einreichen. Das Verfahren ist nach BdB-Angaben kostenlos; lediglich in Berlin und den ostdeutschen Bundesländern fällt eine Gebühr von 20 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer an.
 
Auch andere kreditwirtschaftliche Verbände bieten den „Service Kontonachforschung“ an – so etwa

  • die Volks- und Raiffeisenbanken.
  • Wer Konten bei einer Sparkasse finden will, kann sich schriftlich an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband wenden. Dem Schreiben ist immer die Kopie eines Erbscheins oder Testaments beizufügen. Noch einfacher geht es per Mail: nachforschung@dsgv.de.
  • Hatte der Verstorbene vermutlich Geld auf einem Konto in der Schweiz, können die Hinterbliebenen sich an eine zentrale Stelle wenden – den Schweizerischen Bankenombudsmann.

Bank muss Guthaben auch Jahrzehnte später auszahlen

Liegen Erben mit ihrem Verdacht richtig und stoßen auf ein verwaistes Konto, ist die jeweilige Bank zur Auszahlung des Guthabens verpflichtet – selbst dann, wenn die letzte Kontobewegung vor Jahrzehnten stattfand. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt im Oktober 2004 entschieden (Aktenzeichen 2 U 12/04). „Es gibt in dem Zusammenhang keine Verjährungsfristen“, betont Klaus Hünlein, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in Frankfurt am Main. Eine Verjährung beginnt erst dann zu laufen, wenn ein Konto gekündigt wurde.

Geld kommt auf Verwahrkonto

Nach den Erfahrungen von Hünlein sind einige Geldinstitute dazu übergegangen, solche Konten intern aufzulösen, bei denen es seit zehn Jahren keine Bewegung in Form von Ein- oder Auszahlungen gab. Die jeweiligen Guthaben würden zunächst auf ein sogenanntes Verwahrkonto transferiert. „Von dort aus wird das Geld nach einiger Zeit von den Banken selbst vereinnahmt“, erklärt Hünlein.
 
Dennoch gilt: Entdecken Erben ein mittlerweile von der Bank aufgelöstes Konto, muss das Geldinstitut das Guthaben auszahlen. Verweigert sie, aus welchen Gründen auch immer, die Auszahlung, sollten Verbraucher das Geldinstitut noch einmal schriftlich und unter Fristsetzung dazu auffordern. Auch können sie Kontakt zu den Ombudsleuten des jeweiligen Bankenverbands aufnehmen – oder aber gleich einen Anwalt einschalten.

Auch D-Mark-Guthaben werden ausgezahlt

Ist das Sparguthaben in D-Mark angegeben, können Kunden eine Umrechnung entsprechend des offiziellen Umrechnungskurses (1 Euro = 1,95583 D-Mark) verlangen. Das gilt allerdings nicht für Sparbücher mit Ostmark. Diese werden nicht mehr ausbezahlt, da die hierfür vorgesehene Umstellungsfrist abgelaufen ist. Schlechte Karten haben auch jene, die Sparbücher mit einem Reichsmark-Guthaben aufspüren: Mit dem „Gesetz zum Abschluss der Währungsumstellung“ von 1975 haben sich alle Auszahlungsansprüche erledigt.

Frühzeitig Kopien von Unterlagen fertigen

Nachforschungen zu Konten anstellen – das ist mitunter zeitaufwendig. Wer seine Erben entlasten will, sollte daher schon zu Lebzeiten vorsorgen. „Zum Beispiel können Kopien von Unterlagen zu bestehenden Konten Angehörigen ausgehändigt werden“, sagt Hünlein. Oder man hinterlegt Kopien von Bankunterlagen an einem sicheren Ort, etwa einem Safe. Dieser muss Erben natürlich bekannt und zugänglich sein. Eine weitere Möglichkeit: Sämtliche Konten mit Bankverbindung im Testament auflisten. So bleibt ganz sicher kein Konto lange verwaist.
Auch möglich: Noch zu Lebzeiten eine Bankvollmacht erteilen. Mit dieser kann eine Person Ihres Vertrauens ganz einfach und unkompliziert über Ihre Konten und Depots in Ihrem Namen verfügen. Die Person kann dies dann jedoch auch schon zu Lebzeiten und über Ihren Tod hinaus.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (10)


Kommentare

Mr. T.

15.09.2017

Hallo, toll wäre einmal ein Artikel über die Herangehensweise bei Schließfächern von Verstorbenen. Wie aufspüren etc....?

Mit freundlichen Grüßen


ING-DiBa

15.09.2017

Hallo D.O., die Länder haben die verschiedensten Vorgehensweisen bzw. Verfahren. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir keine weiteren Länder aufgeführt haben. Bei Fragen wenden Sie sich am besten direkt z.B. an einen Nachlassverwalter oder einen Notar. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


ING-DiBa

15.09.2017

Hallo BriBa, wir empfehlen Ihnen, sich kurz telefonisch an unsere Kollegen zu wenden: Unter 069 / 34 22 24 können Sie Ihr Anliegen mit ihnen bestimmt klären. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


BriBa

14.09.2017

Wie kann ich mit Vollmacht für die Konten bei der IngDiba verfügen ohne Zugangsdaten vom Verstorbenen erhalten zu haben, bzw. er änderte dauernd die Passwörter ??


Karl-Heinz B

13.09.2017

Jede Bank, die ich kenne, sperrt die Konten aus Selbstschutz, sobald der Tod des bzw. eines Kontoinhabers bekannt wurde - solange bis die Erbfolge klar ist. Eine Bankvollmacht gilt daher nur in der Theorie über den Tod hinaus. In der Praxis kommt es kaum vor.


ING-DiBa

13.09.2017

Hallo k.kühl, gern geben wir Ihre Anregung weiter. Bitte nutzen Sie doch die Druckoptionen Ihres Browsers. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


D.O.

12.09.2017

Erwähnt werden nur Banken in Deutschland, und der Schweiz. Wie sieht es aber im Rest der EU aus ? z.B. Grossbritannien ?


k.kühl

12.09.2017

machen Sie doch gerne diese Dinge "vernünftig" ausdruckbar(?)- oder habe ich da etwas übersehen. mit freundlichem Gruß


Pentaur

12.09.2017

und einen Bart hat er auch - so gewöhnlich :-o
aber die Informationen im Text fand ich Super


Max

09.09.2017

Immer diese Tätattowierten auf den Bildern *Kopfschüttel*, wahrscheinlich frisch aus dem Gefängnis und sich erstmal übers Erbe hermachen wollen.