A new ETF is born

Von der Entstehung eines ETFs

ETFs sind bei Anlegern beliebt und werden für ihre hohe Handelsliquidität, große Transparenz und geringen Gebühren geschätzt. Diese Vorzüge sind nicht zuletzt auf den Entstehungsprozess zurückzuführen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause zu Jahresbeginn, als sich das in europäischen ETFs verwaltete Vermögen im ersten Quartal rückläufig zeigte, durfte sich die Branche zuletzt wieder über steigende Volumen freuen. Wie kaum ein anderes Investmentprodukt verzeichnen ETFs seit vielen Jahren eine immer größere Aufmerksamkeit, immer häufiger greifen Anleger zu einem ETF-Sparplan. Deren Erfolgsformel lautet: Einfach, transparent und kostengünstig – per ETF lässt sich leicht ein gut diversifiziertes Portfolio zusammenstellen. Das zur Verfügung stehende Angebot und die Vielfalt der Produkte nehmen stetig zu, Fondsgesellschaften bauen ihr ETF-Portfolio kontinuierlich aus.

Physische oder synthetische Replikation?

Im Rahmen des ETF-Erschaffungsprozesses stehen der Fondsgesellschaft unterschiedliche Möglichkeiten der Indexabbildung zur Verfügung. Entscheidet sie sich für die physische, volle Replikation, wird der zugrundeliegende Index 1:1 nachgebildet. Das bedeutet es werden alle Index-Titel gemäß ihrer jeweiligen Indexgewichtung gekauft. Während diese Variante häufig bei Indizes mit einer hohen Liquidität und einem einfachen Marktzugang bevorzugt wird, können weniger liquide Indizes (z.B. aus Schwellenländern) auch über eine repräsentative Auswahl an Indexwertpapieren abgebildet werden. Dabei wird in erster Linie auf die überdurchschnittlich stark gehandelten und hochkapitalisierten Titel im Index gesetzt. Eine dritte Möglichkeit der Nachbildung ist die synthetische Replikation, bei der der Aktienkorb mit völlig anderen Wertpapieren außerhalb des Index bestückt sein kann. Hinzu kommt ein sogenanntes Swap-Geschäft. Dabei handelt es sich um eine Vereinbarung zwischen zwei Parteien darüber, in der Zukunft bestimmte Zahlungsströme auszutauschen, im vorliegenden Fall die Performance des Aktienkorbes und die Performance des dem ETF zugrunde liegenden Index. Die Gegenpartei des Swap-Geschäfts, die häufig eine Investmentbank ist, garantiert mit diesem Tauschgeschäft, dass die eigentliche Indexrendite nachvollzogen wird und erhält dafür zusätzlich zur Rendite des Aktienkorbes auch eine (Swap-)Gebühr. Per synthetischer Replikation lassen sich auch auf exotischere Indizes leichter ETF-Produkte anbieten.

Der Creation/Redemption-Prozess

Möchte eine Fondsgesellschaft einen neuen ETF auf einen zugrunde liegenden Index auflegen, nimmt sie Kontakt zu einem Market Maker oder anderen autorisierten Marktteilnehmern auf. Diese kaufen für den ETF Aktien des abzubildenden Index und tauschen diese beim Fondsanbieter gegen ETF-Anteile ein, die damit für den regulären Handel an der Börse zur Verfügung stehen. Dieser Tauschvorgang wird als „Creation“-Prozess bezeichnet, bei dem letztlich die ETF-Anteile geschaffen werden. Gibt der Market Maker Anteile am ETF an die Fondsgesellschaft zurück, spricht man vom „Redemption“-Prozess. Hierbei erhält der Market Maker für die ETF-Anteile den entsprechenden Aktienkorb zurück und kann diesen über den Aktienmarkt verkaufen. Die Geschäfte zwischen ETF-Gesellschaft und dem Market Maker bzw. autorisierten Marktteilnehmern werden auf dem Primärmarkt außerhalb der Börse abgewickelt. Der Market Maker kann die von der ETF-Gesellschaft erworbenen Anteile ebenso privaten und institutionellen Investoren zum Kauf anbieten. Diese Geschäfte werden über die Börse, also den Sekundärmarkt abgewickelt.

Geringe Spreads, hohe Liquidität

Durch die ständigen „Creation“- und „Redemption“-Prozesse zwischen ETF-Anbieter und Market Maker auf dem Primärmarkt kann auf die jeweilige Nachfragesituation schnell reagiert werden, ohne dass sich hieraus in der Regel nennenswerte Auswirkungen auf die Kursstellung und Performance des ETFs ergeben. Dem Market Maker stehen stets ausreichend Anteile zur Verfügung, um auf dem Sekundärmarkt einen fortlaufenden Handel mit den Anlegern zu gewährleisten. An Banken angeschlossene Market Maker können dabei gerade bei gängigen Indizes häufig einen guten Teil der benötigten Wertpapiere aus den eigenen Handelsbüchern abdecken und so die Transaktionskosten für An- und Verkauf der Aktienkörbe gering halten. Gerade bei ETFs auf die großen und liquiden Indizes dürfen sich Anleger deshalb über besonders enge Spannen zwischen An- und Verkaufspreis (Spreads) an der Börse freuen. Etwas größere Spreads müssen Investoren dagegen beim Kauf eines ETFs auf exotischere Indizes in Kauf nehmen.


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