Handelsstreit

Deutsche Wirtschaft im Fokus | 03.08.2018

Die Erhebung von Strafzöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte in die USA im März 2018 erwies sich als Auftakt zu einer Serie von Zöllen und Gegenzöllen, die sich in den vergangenen Monaten zu einem internationalen Handelskonflikt ausweitete. Im Fokus stehen mit den USA und China ausgerechnet die beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Nachdem die USA Anfang Juli zusätzliche Zölle auf Importe aus China in Höhe von 34 Mrd. US-Dollar verhängten und China darauf mit Gegenzöllen in gleicher Höhe reagierte, drohte US-Präsident Donald Trump China mit weiteren Zöllen in Höhe von 200 Mrd. US-Dollar. Doch nicht nur mit China, auch mit der EU und anderen Ländern befinden sich die USA in Sachen Handelspolitik, aufgrund der von Donald Trump verfolgten „America first“-Politik, derzeit auf Konfrontationskurs.

Zölle betreffen nicht nur die genannten Länder

Eine Ausweitung der Handelsstreitigkeiten wird von vielen Wirtschaftsexperten und Zentralbanken als Risiko für die Weltwirtschaft gesehen. Denn die Auswirkungen betreffen in einer globalisierten Welt längst nicht nur die an einem Handelsstreit beteiligten Länder. Viele Unternehmen haben weltweite Produktionsstandorte aufgebaut, von denen aus sie ihre Güter in die ganze Welt exportieren. Von deutschen Unternehmen in den USA bzw. China produzierte und nach China bzw. in die USA exportierte Waren, werden dadurch ebenfalls von den Zöllen betroffen sein.
 
Zusätzlich drohen die USA der EU mit Strafzöllen auf in die USA exportierte Automobile und Automobilteile. Sollten diese Zölle tatsächlich eingeführt werden, wäre dies vor allem für die stark exportorientierte deutsche Automobilindustrie ein großer Wettbewerbsnachteil. Für Deutschland waren die USA 2017 der größte Handelspartner beim Export. Den Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge wurden aus Deutschland Waren im Wert von 111,5 Mrd. Euro in die Vereinigten Staaten ausgeführt, während aus den USA Waren im Wert von 61,1 Mrd. Euro in die Bundesrepublik eingeführt wurden. Damit erwirtschaftete Deutschland gegenüber den USA einen Exportüberschuss von 50,4 Mrd. Euro.

Protektionismus schürt Verunsicherung

Die Verunsicherung vieler Unternehmen bezüglich der künftigen Geschäftsentwicklung spiegelt sich in den Frühindikatoren und Prognosen für die deutsche Wirtschaft wider. So weisen der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erhobene Index der Konjunkturerwartungen sowie der, vom Münchener ifo-Institut ermittelte, Geschäftsklimaindex seit mehreren Monaten eine rückläufige Entwicklung auf. Die Deutsche Bundesbank senkte im Juni ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr von 2,5% auf 2,0%. Das ifo-Institut sieht in seiner ebenfalls im Juni veröffentlichten Konjunkturprognose gar Gewitterwolken am deutschen Konjunkturhimmel und rechnet 2018 nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,8% statt den zuvor prognostizierten 2,6%.

Automobilsektor besonders betroffen

Warnsignale kamen auch von den Unternehmen, speziell aus dem deutschen Automobilsektor, über den die angedrohten Strafzölle für Autoimporte aus der EU in Höhe von 20% weiterhin wie ein Damoklesschwert schweben. So musste der erste deutsche Hersteller von Premiumautomobilen unter Verweis auf die bereits erhobenen Zölle zwischen den USA und China seine Gewinnziele für 2018 kappen, da man die Zölle nicht in vollem Umfang an die Kunden weitergeben könne. Kurz darauf folgte die Warnung eines Zulieferers der Automobilindustrie, der aufgrund der Verunsicherung in der Branche ebenfalls seine Ziele nach unten revidierte. Dies zeigt, dass von den Zöllen längst nicht nur einzelne Branchen betroffen sind. Vor allem Unternehmen, die stark exportorientiert sind und/oder große Produktionsstandorte in den USA und China haben, drohen Belastungen durch eine Ausweitung des Handelskonflikts.
 
Doch es gibt auch Unternehmen, die von den Handelsstreitigkeiten weniger betroffen sind. Hier sind Unternehmen zu nennen, die einen Großteil ihrer Waren innerhalb der EU absetzen oder sich hauptsächlich auf den Binnenmarkt konzentrieren. Zu solchen Unternehmen, deren Geschäftsmodell kaum vom Export abhängig ist, zählen beispielsweise Dienstleister wie Essenslieferanten oder die Betreiber von Online-Portalen. Die, infolge der Handelsstreitigkeiten, erhöhten Kursschwankungen und der verstärkte Handel an den Finanzmärkten wiederum dürften sich günstig auf die Geschäfte von Börsenbetreibern auswirken. Darüber hinaus bieten die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China die Möglichkeit, dass chinesische Unternehmen bei der Auftragsvergabe künftig verstärkt europäischen Unternehmen den Vorzug vor Wettbewerbern aus den USA geben. Signale für eine verstärkte Annäherung der EU an China gab es in den letzten Wochen bereits.


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