Der ifo-Geschäftsklima­index

Das Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft | 06.06.2018

Konjunkturindikatoren können wertvolle Hinweise darauf liefern, wie sich die Wirtschaft entwickelt. Zu den wichtigsten Indikatoren der deutschen Wirtschaft gehört das vom Münchener ifo Institut ermittelte Geschäftsklima Deutschland.

Seit 1949 führt das ifo Institut regelmäßig Konjunkturumfragen auf Unternehmensebene durch. Der von den Münchnern einmal pro Monat ermittelte ifo Geschäftsklimaindex zieht dabei stets große Aufmerksamkeit auf sich, gilt er doch als einer der wichtigsten und zuverlässigsten Frühindikatoren für die Entwicklung der Konjunktur in Deutschland. Seinen guten Ruf verdankt der Index der sehr breiten Datenbasis, auf die sich die Erhebung stützen kann. Um das Geschäftsklima zu ermitteln, geben monatlich rund 9.000 Unternehmen ihre Einschätzung zur aktuellen Geschäftslage sowie den Erwartungen an die künftige Geschäftsentwicklung ab. Während die momentane Lage mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" eingestuft werden kann, stehen für die Geschäftserwartungen der kommenden sechs Monate die Einstufungen "günstiger", "gleich bleibend" oder "ungünstiger" zur Auswahl. Die Antworten werden vom ifo Institut nach der Bedeutung der Branchen gewichtet und aggregiert. Dabei wird zunächst der Saldowert für die gegenwärtige Geschäftslage ermittelt, der sich aus der Differenz der Prozentanteile der Antworten "gut" und "schlecht" ergibt. Ebenso wird bei den Geschäftserwartungen verfahren, wo sich der Saldowert aus der Differenz der Prozentanteile der Antworten "günstiger" und "ungünstiger" ergibt. Aus beiden Saldowerten wird anschließend ein transformierter Mittelwert gebildet, das Geschäftsklima. Bei der Interpretation der Daten sind vor allem die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung interessant. Zeichnet sich hier über mehrere Monate hinweg eine rückläufige Entwicklung ab, rechnet die Mehrheit der befragten Unternehmen offensichtlich mit einer ungünstigen Geschäftsentwicklung in der Zukunft. Dies könnte die Unternehmen veranlassen, Investitionen aufzuschieben oder Produktionskapazitäten zu reduzieren und dadurch das Wachstum der Wirtschaft abschwächen. Umgekehrt können positive Aussichten und die Erwartung steigender Aufträge die Unternehmen dazu veranlassen, ihre Kapazitäten zu erweitern, um mehr produzieren bzw. mehr Aufträge abarbeiten zu können.

Neue Variante des ifo-Index

Seit April dieses Jahres müssen sich Beobachter des wichtigen Konjunkturindex an neue und andere Berechnungsmethoden gewöhnen. So hat das ifo Institut wie schon häufiger in der Vergangenheit eine Angleichung an die Produktions- und Auftragsindizes des Statistischen Bundesamtes vorgenommen. Statt 2005 ist nun 2015 das neue Basisjahr des Index, wodurch sich lediglich eine rechnerische Anpassung des Index nach unten ergibt.
 
Größeren Einfluss hat jedoch die Erweiterung des ifo Geschäftsklimas um den Dienstleistungssektor, für den bislang stets ein eigener Index veröffentlicht wurde. Entsprechend ihrer großen Bedeutung für die deutsche Wirtschaft stellen die Dienstleister künftig mit einem Gewicht von über 50 % den Löwenanteil im neuen Indikator, während sich die Gewichtung der Industrie im Vergleich zur alten Berechnungsmethode auf gut 30 % halbiert. Groß- und Einzelhandel kommen zusammen auf rund 13 %, das Baugewerbe auf 6 %. Von der Umstellung versprechen sich die Statistiker eine noch höhere Aussagekraft sowie eine geringere Volatilität, schwanken die Geschäfte des Dienstleistungssektors doch nicht ganz so stark wie in der Industrie. Parallel zum neuen ifo-Index wird auch der alte Geschäftsklimaindex weiterberechnet.

Signalfunktion für den DAX?

An den Finanzmärkten findet der ifo Index deshalb eine so große Beachtung, weil die monatliche Erhebung eine zeitnahe Einschätzung der Verfassung der deutschen Wirtschaft erlaubt. Da die Entwicklung der Unternehmensgewinne und die künftigen Geschäftserwartungen Einfluss auf die Aktienkurse haben und der Index beide Komponenten vereint, kann von dem Stimmungsbarometer auch eine Signalfunktion für den DAX ausgehen. Im wichtigsten Auswahlindex der Deutschen Börse machen die Unternehmen aus konjunkturabhängigen Sektoren mehr als die Hälfte des Indexgewichts aus. Eine gängige Interpretation besagt, dass ein Rückgang des ifo Index in drei aufeinanderfolgenden Monaten als zuverlässiges Zeichen für eine Konjunkturabkühlung zu werten ist.


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